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Online-Handel in Sektlaune - aber wie lange?

Der deutsche Online-Handel meldet Traumzahlen: Im vergangenen Jahr ist der Umsatz mit Kleidung, Computern und Co. um 27 Prozent gestiegen. Dennoch sehen manche Fachleute bereits das Ende des Booms am Horizont.

14.02.2013, 10:46 Uhr (Quelle: DPA)
Handy Telefonat© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Während die einen schon das Ende des des Online-Booms weissagen, sprechen die Umsatzzahlen derzeit noch eine andere Sprache. Im vergangenen Jahr habe das Online-Geschäft mit Waren nochmal gewaltig zugelegt, teilte der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) am Dienstag in Hamburg mit. Der Umsatz sei um 5,9 Milliarden Euro oder 27 Prozent auf 27,6 Milliarden Euro gestiegen.

Hoffnung ruht auf Tablets und Smartphones

Darin sind die 9,7 Milliarden Euro für digitale Güter wie Flug- und Bahntickets, Reisen und Eintrittskarten. noch nicht enthalten. "Es war für die gesamte Branche ein fantastisches Jahr", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Christoph Wenk-Fischer. Vor allem Kleidung, Bücher, Computer und Elektronik aller Art sorgen für klingelnde Kassen. Im laufenden Jahr sei mit einer Umsatzsteigerung von 21 Prozent auf 33,5 Milliarden Euro zu rechnen. "Der E-Commerce ist für die Konsumenten längst ein alltägliches und sicheres Geschäft", sagte Wenk-Fischer. "Wir sind mit Blick auf die Zukunft verheißungsvoll gestimmt."

Soziale Netzwerke und mobile Geräte wie Tablets und Smartphones verheißen weitere Gewinne und gelten als neue Hoffnungsträger der Branche. Der On- und Offline-Versandhandel von Waren erreichte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 39,3 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 15,6 Prozent. Der Anteil am gesamten Einzelhandel liegt damit bei 9,2 Prozent, somit zwei Punkte mehr als noch vor fünf Jahren.

Globale Konkurrenz

"Der Kuchen wird nicht größer", sagte Wenk-Fischer im Hinblick auf die stagnierenden Umsätze des Einzelhandels insgesamt. "Aber unser Anteil wächst von Jahr zu Jahr". Ohne Lebensmittel und Dienstleistungen beträgt der Anteil des Versandhandels sogar mehr als 14 Prozent am gesamten Umsatz des Einzelhandels.

Für die Händler ist die unübersichtliche Marktlage eine große Herausforderung. "Manche Kunden informieren sich im Internet und kaufen dann im Geschäft, andere scannen im Geschäft einen Barcode und kaufen dann im Internet", erklärte der Geschäftsführer. Das müssten die Händler managen. Die Konkurrenz des Anbieters von Nebenan ist nicht mehr das Maß aller Dinge, sondern Preis und Leistung von eBay-Powersellern und diversen Versandhändlern im Internet.

Beim Blick auf die Online-Umsätze zeigt sich, dass der weltweite Marktführer Amazon auch in Deutschland eine Führungsrolle übernommen hat und mit 6,8 Milliarden Euro Umsatz vorn liegt. Der Branchenriese Otto kommt auf Online-Umsätze von rund 3,4 Milliarden Euro, zuzüglich weiterer Umsätze außerhalb des Online-Bereichs.

Saturn-Chef sieht Boom-Ende voraus

Diese beiden Großen machen schon mehr als ein Drittel des Marktvolumens aus; weitere starke Player sind die Verlagsgruppe Weltbild und Zalando. Ganz genau erfassen lässt sich die Branche nicht, weil nach Schätzung des Verbandes rund 25.000 kleine Händler von offiziellen Statistiken nicht erfasst werden. Durch das Netz hätten auch hoch spezialisierte Händler die Chance, ihre Kunden zu finden.

Das Ende des großen Mausklick-Shopping sieht indes der Chef der Elektronikkette Media-Saturn voraus. "Ich würde denken, bei 25 Prozent Marktanteil insgesamt ist Schluss", sagte Horst Norberg der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Irgendwann setzt eine Gegenbewegung ein, dann wollen die Leute die Qualität von Ton und Bild mit eigenen Ohren, eigenen Augen erfahren."

(Dorothee Monreal)

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