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Online-Adventskalender: Daten sammeln bei Kids

Hinter den Türchen im Internet verbergen sich meist Gewinnspiele. Die Verbraucherzentrale NRW hat überprüft, welche Daten für die Teilnahme gesammelt werden und ob dies für Kinder verständlich erklärt wird.

13.12.2009, 15:31 Uhr
Internet© Gina Sanders / Fotolia.com

Adventskalender erfreuen Groß und Klein seit über 100 Jahren, schon seit längerem auch im Internet. Viele Angebote hier richten sich natürlich an Kinder und präsentieren hinter den Online-Türchen Gewinnspiele mit Preisen wie PlayStation 3 oder PC-Spiele. Die Verbraucherzentrale NRW hat bei einem Dutzend Internet-Adventskalender für Kinder überprüft, welche Daten für eine Teilnahme gesammelt werden und ob die Kids erfahren, was mit ihren Angaben geschieht.
Unerfahrenheit wird ausgenutzt
Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale NRW reicht es für eine Gewinnbenachrichtigung im Prinzip völlig aus, nach der E-Mail-Adresse und gegebenenfalls einem Kennwort zu fragen. Doch häufig, so das Ergebnis der Stichprobe, nutzten Firmen die Unerfahrenheit und Spielfreude von Kindern aus, um an mehr personenbezogene Daten zu gelangen, so die Verbraucherschützer.
Lediglich zwei der untersuchten Kalender (pombaer.de und wendy.de) beschränkten sich auf Minimalangaben. Bei den zehn anderen Kandidaten müssten Kinder für eine Teilnahme zusätzlich mindestens Vor- und Zuname sowie ihre Anschrift angeben.
Höhere Anforderungen
Vier Online-Kalender (bruder.de, kinder.de, pollypocket.de und bravo.de) hätten darüber hinaus Geburtsdatum oder Alter verlangt, bei zwei weiteren war die Angabe des Alters freiwillig, bei dreien die der Telefonnummer. Acht Veranstalter luden dazu ein, einen Newsletter zu abonnieren, über den später weitere Kaufangebote zu erwarten sind.
Da Mädchen und Jungen spontaner und emotionaler als Erwachsene reagierten, seien solche Abfragen unpassend. An Kinderadventskalender im Internet müssten höhere Anforderungen gestellt werden. Eine Information darüber, was mit ihren Daten geschieht, könnten die jungen Besucher häufig nicht oder nur mit unvertretbarem Aufwand feststellen. Lediglich vier der zwölf Kalender klärten die Teilnehmer in transparenter Weise über die Datennutzung auf (fruchttiger.de, pombaer.de, pferdeundponny.de sowie just4girls.de). Sie erklärten in kindgemäßer Sprache, die Angaben nur im Zusammenhang mit dem Gewinnspiel zu verwenden.
Fehlende Hinweise
Vier weitere Seitenbetreiber (bravo.de, bruder.de, mickymaus.de und wendy.de) gaben im Umfeld des Anmeldeformulars keinerlei Hinweis darauf, wie sie die Daten zu verwenden gedenken. Bei den vier Übrigen (hallohund.de, maedchen.de, pollypocket.de und kinder.de) fanden sich zwar Datenschutzhinweise, sie seien aber entweder so versteckt, dass Kinder sie in der Regel nicht finden könnten oder aber in schwer lesbarem Juristendeutsch formuliert.
Kinder werden zur Datenpreisgabe verführt
Das Fazit der Verbraucherzentrale NRW: Die meisten Kinderadventskalender ermuntern die Teilnehmer zu einer unkritischen Weitergabe ihrer Daten. Auf diese Weise würden Kids verführt, möglichst viel von sich preiszugeben. Deshalb sollten Eltern einen Blick auf solche Teilnahmeformulare haben. Lediglich ein Anbieter (pombaer.de) von zwölf fragte nur nach Kennwort und E-Mail-Adresse und informierte dabei in kindgemäßer Weise über die Datennutzung.

(Michael Posdziech)

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