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Office kurios: "Uffmache" und "hinbabbe"

Die Bürosoftware "Office" von Microsoft soll bald auch in elsässischer und rund 100 anderen Regionalsparachen nutzbar sein.

29.06.2006, 15:20 Uhr
Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

"Öffnen" heißt "uffmache", wer "einfügen" will, muss auf "hinbabbe" klicken und ein Webbrowser ist auf gut Elsässisch ein "Web-Schnuffler": Dies sind einige von 50.000 Begriffen, die der US-Konzern Microsoft für sein Software-Programm Office Microsoft ins Elsässische übersetzen lassen will. "Das ist eine Weltpremiere", sagte der Chef von Microsoft France, Eric Boustouller, der das Vorhaben heute gemeinsam mit dem Präsidenten der Region Elsass, Adrien Zeller, in Straßburg vorstellte.
Local Language auch für Vista
Die elsässische Software ist nur die erste Etappe eines umfangreichen Programms, mit dem der US-Softwareriese nach eigenen Angaben zum Schutz von Regionalsprachen in aller Welt beitragen will. Insgesamt solle Office Microsoft in rund 100 Idiome übersetzt werden, beispielsweise ins Katalanische, Nepalesische oder ins Äthiopische, erläuterte Boustouller. Als nächsen Schritt werde Microsoft die geplante neue Window-Version Windows Vista in sein "Local Language Program" aufnehmen.
Hinter dem Vorhaben stünden keinerlei "lukrative oder kommerziale" Motive, versicherte Boustouller. Es gehe dem Unternehmen vielmehr darum, seine Software so bürgernah wie möglich zu gestalten. Das Elsass sei für das Pilotprojekt ausgesucht worden, weil Elsässisch die mit Abstand am häufigsten praktizierte Regionalsprache in Frankreich sei.
Nach Angaben des elsässischen Amtes für Zweisprachigkeit sprechen heute noch rund 35 Prozent der Elssäser täglich Elsässerdeutsch, 60 Prozent sind immerhin in der Lage, sich in ihrer Regionalsprache zu verständigen. Diese ist allerdings vor allem unter älteren Leuten und auf dem Lande verbreitet, bei der jüngeren Generation und in den Städten verliert sie seit Jahren an Terrain. Dank der elsässischen Software solle zum einen der älteren Generation der Umgang mit Computern erleichtert werden, erläuterte Boustouller. Zum anderen werde der Dialekt auch den Jüngeren wieder nähergebracht, weil die elsässischen Begriffe automatisch neben den französischen auf dem Bildschirm auftauchten.
Software gratis
Für die Übersetzung ist der 84 Jahre alte Sprachprofessor Raymond Matzen vom Dialektologie-Institut an der Straßburger Marc-Bloch-Univesität verantwortlich. Er leitet eine Arbeitsgruppe, der auch Germanisten und Anglizisten angehören. 2500 Grundbegriffe wie etwa Tastatur ("Täschtbrett") haben sich die Dialekt-Kenner bereits einfallen lassen. In einigen Fällen würden sowohl alemannische Worte aus dem südlichen Elsass angeboten als auch moselfränkische aus dem Norden der Grenzregion, erläuterte Matzen. Für "schließen" etwa werde es zwei Übersetzungen geben: "schließe" und "zumache". Die elsässische Software soll im kommenden Frühjahr fertig sein. Sie kann dann kostenlos heruntergeladen werden.

(Hayo Lücke)

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