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NYT: Streit um Amazons E-Book Reader Kindle

Nachdem Amazon mittels Remotezugriff Bücher auf den Kindle Lesegeräten seiner Kunden gelöscht hat, gibt es eine lauter werdende Diskussion über die Gefahren dieser technischen Möglichkeiten.

28.07.2009, 10:46 Uhr
Amazon© Amazon

In der vergangenen Woche entschuldigte sich Amazon-Chef Jeffrey P. Bezos bei seinen Kunden, für die unangekündigte Löschung von Büchern auf deren E-Book-Reader Kindle. Doch vielen Leuten reicht eine einfache Entschuldigung nicht aus, sie sehen in den technischen Möglichkeiten auch Gefahren.
Verkaufsmethoden ändern
Die Kopien der Bücher, die von Amazon mittels Remotezugriff gelöscht wurden, stammten von einem Händler, der keine Rechte an den entsprechenden Büchern besaß. Bezos bezeichnete die heimliche Löschung als dumm, gedankenlos und nicht im Einklang mit den Geschäftsprinzipien von Amazon. Laut einem Bericht der "New York Times" (NYT) fordert nun eine wachsende Zahl von Menschen, darunter auch Verbraucheranwälte, von dem Online-Händler eine Änderung seiner Verkaufsmethoden für Kindle Bücher.
Sie sehen die Gefahr, dass Amazon, möglicherweise durch einen Richterspruch in einem Verleumdungsfall, gezwungen werden könnte, Bücher zu ändern oder zurückzurufen. Oder eine Regierung übt Druck aus, wegen politisch schädlicher oder peinlicher Werke. "So lange Amazon die Kontrolle über das Gerät hat, haben sie die Möglichkeit, Bücher zu entfernen. Und das bedeutet, dass sie in Versuchung geraten oder dazu gezwungen werden könnten, diese Möglichkeit zu nutzen", sagt Holmes Wilson von der Free Software Foundation.
Die Stiftung mit Sitz in Boston sammelt derzeit Unterschriften von Bibliothekaren, Verlegern und Autoren sowie von bekannten Intellektuellen, um diese Woche eine Petition übergeben zu können, so die NYT. In dieser werde Amazon aufgefordert, die Kontrolle über die Bücher, die von Kunden auf ihren Kindle geladen werden, aufzugeben und den Einsatz der Sicherheitssoftware (Digital Rights Management, DRM) zu überdenken.
Gefahr der Zensur per Kindle
Randal C. Picker, ein Jura-Professor an der University of Chicago, ist hingegen der Meinung, Amazon habe durchaus das Recht, nicht ordnungsgemäß gekaufte Bücher zu löschen. Diese neuen Systeme könnten Unternehmen bei der Durchsetzung von Urheberrechten unterstützen. Außerdem sei den Käufern der gelöschten Bücher nur ein minimaler Schaden entstanden, schließlich wurde das Geld für die gekauften Bücher nach dem Löschen der Kopien zurückerstattet.
Doch Kritiker sagen, jedes Gerät sei potenziell gefährlich, wenn es sich darin einmischen kann, was der Nutzer mit seinen Medien macht. So sei die Sorge mehr als berechtigt, dass diese neuen Systeme wahre Geschenke für Regulierungsbehörden seien, zitiert die NYT Jonathan Zittrain, Professor an der Harvard Law School. Regierungen in einigen Teilen der Welt werden die Technik mindestens zur Beseitigung von anstößigen Sequenzen oder Kapiteln in einigen Büchern nutzen wollen.

(Michael Posdziech)

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