Umfrage

Notruf per Handy: Nur wenige nutzen den schnellsten Weg

Eine repräsentative Verivox-Umfrage offenbart große Wissenslücken, was den Notruf per Handy angeht. Die wenigsten nutzen den schnellsten Weg, nämlich den vorinstallierten Notruf. Auch Notfall-Apps sind weitgehend unbekannt.

Autounfall melden© Dan Race / Fotolia.com

Heidelberg – Bei einem Notfall kommt es auf Sekunden an. Doch eine repräsentative Verivox-Umfrage offenbart gefährliche Wissenslücken der Deutschen: Nur 15 Prozent nutzen den vorinstallierten Handy-Notruf, 72 Prozent wählen die Nummer manuell. So geht wertvolle Zeit verloren. Notfall-Apps werden aktuell noch fast gar nicht genutzt.

Nur jeder Siebte wählt den schnellsten Weg

Fast drei Viertel der Smartphone-Nutzer geben an, die Notrufnummer manuell zu wählen. Rund jeder Siebte (15 Prozent) nutzt die vorinstallierte Tastenkombination. Dabei ist der automatische Handy-Notruf die schnellste Möglichkeit, per Smartphone Hilfe zu rufen. Bis zu 13 Prozent würden erst in der Kontaktliste suchen – und wertvolle Zeit verstreichen lassen. Vier Prozent wissen gar nicht, wie sie mit dem Handy einen Notruf absetzen können.

Schneller Notruf mit dem iPhone

Eugen Ostasch, Telekommunikationsexperte bei Verivox: "Der iPhone-Notruf wird per Tastendruck im Sperrmodus abgesetzt – und funktioniert auch ohne Datenvolumen oder Guthaben." Zusätzlich übermittelt das Gerät den GPS-Standort des Anrufers und informiert persönliche Notfallkontakte. Androids Notrufassistent sendet auch Bilder und Audioaufnahmen an den Rettungsdienst.

Nicht einmal 3 Prozent nutzen Notfall-Apps

Digitale Notfallhelfer fristen in Deutschland noch ein Nischen-Dasein: 76 Prozent der Smartphone-Besitzer nutzen weder den vorinstallierten Notfallpass noch eine Life-Saving-App oder können mit dem Thema nichts anfangen. Ein solcher Pass zeigt vorher hinterlegte medizinische Daten und persönliche Notfallkontakte auch auf dem Sperrbildschirm an. Nur 16 Prozent haben ihn ausgefüllt und aktiviert.

Smartphone-Nutzer können auch über Life-Saving-Apps den lokalen Rettungsdienst alarmieren und gleichzeitig geortet werden. Zum Vergleich: Jeder fünfte Deutsche nutzt eine Fitness-App. Doch weniger als 3 Prozent der Smartphone-Nutzer haben eine Notfall-App installiert.

Ältere Nutzer sind am schlechtesten vorbereitet: 81 Prozent der Befragten über 50 Jahren haben weder einen Notfallpass noch eine Life-Saving-App – oder wissen es nicht.

69 Prozent kennen die EU-Notrufnummer nicht

Besonders heikel ist die digitale Unkenntnis auf Reisen, wenn gegebenenfalls Sprachbarrieren hinzukommen. Doch 69 Prozent kennen die europäische Notrufnummer 112 nicht, die in allen Ländern der EU gilt. Immerhin ist die Kenntnis der nationalen Notrufnummern vergleichsweise hoch. Fast drei Viertel der Befragten haben in Deutschland schon einmal den Polizeinotruf 110 oder die 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst gewählt. Im Schnitt wissen über 90 Prozent Bescheid, wofür die beiden Nummern stehen.

Einheitliche Notruf-App für 2020 geplant

"Mobilfunkgeräte sind häufig der schnellste Weg, Hilfe zu rufen. Eine Digitalisierung des Notrufs ist daher überfällig", sagt Ostasch. Die Bundesregierung plant eine offizielle Notruf-App für Smartphones und Tablets ab 2020. Die neue App für iOS und Android soll den Notruf präziser, schneller und barrierefrei machen. Vorgesehen sind unter anderem ein integrierter Chat sowie die metergenaue Ortung für Polizei und Feuerwehr.

Zur Methodik

Die verwendeten Daten basieren auf einer Online-Umfrage der Innofact AG im Auftrag von Verivox, an der 1.003 Personen im Juli 2019 teilnahmen. Gefragt wurde: "Wie würden Sie mit Ihrem Smartphone am ehesten einen Notruf absetzen? Haben Sie den auf Ihrem Handy vorinstallierten Notfallpass ausgefüllt oder eine Life-Saving-App installiert? Ist Ihnen bekannt, wie die europäische Notrufnummer lautet? Haben Sie in Deutschland schon einmal die 110 oder 112 gewählt, unabhängig ob vom Smartphone oder Festnetz aus? Kennen Sie den Unterschied zwischen 110 und 112 in Deutschland?" Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Melanie Zecher

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