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Notizen eines Fehltritts: Liebe GEMA...

Ein Kommentar zur Aufforderung zur DNS-Zensur durch die Verwertungsgesellschaft GEMA gegen die deutschen Internet Service Provider und die Freiheit des Internetnutzers.

Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com
Mensch, was bist du doch für ein Kaliber, liebe GEMA. Hast Abmahn-Pakete zusammen gestellt, geschnürt und ab die Post. Zu den Providern, den "Mitstörern" und deiner Ansicht nach Mitschuldigen an der illegalen Tauschfreude vieler Deutschen. Die sollen jetzt ihre DNS-Server manipulieren, damit wir die bösen MP3s nicht mehr so leicht finden. Sie geben sich aber nicht so leicht geschlagen.

Nicht zu Ende gedacht

Jetzt willst du die vermeintlich bösen Buben also auf Umwegen mitten ins Herz treffen. Alles nur, weil du die echten Störer, die mit den eDonkey-Links, nicht drankriegst. Dass die fiesen Filesharing-Seiten böse sind - geschenkt. Illegal vielleicht sogar. Sie sind aber nicht so leicht geschlagen. Die sind schlau, wie du gemerkt hast. Denn ihre Server stehen im Ausland, deutsche Behörden und ihre Hilfssheriffs kommen da nur schwer ran.

Auf Umwegen

Hast du denn auch bedacht, dass DNS-Server frei wählbar sind? Wenn der findige Datenpirat nicht über den germanischen DNS-Highway zum Ziel kommt, nimmt er eben die Autobahn durch Holland. Oder Polen. Oder Tschechien. Wo auch immer. Zum Ziel kommt er in jedem Fall. Dafür erntest du Spott aus der Szene. Als erstes spuckt dir jetzt die Saugstube ins Gesicht. Die Cyberlebenskünstler haben in kürzester Zeit ein Programm auf die Beine gestellt, dass die gewitzten Bitpiraten auch im Falle einer DNS-Sperre zur Saugstube verbinden lässt. Toll, oder? Das nenne ich schnellen Fortschritt.

Gute Auflistung

Schlimmer noch. Du wirbst. Für illegale Seiten. Jene verbotenen Portale nämlich, auf die du mit dem Finger zeigst. "Endlich mal eine gute Auflistung von Esel-Seiten", trifft es einer unserer Leser auf den Punkt. Jetzt kannst du sagen, die Presse wars. Bitte schön. Stimmt aber nicht. Denn wird es publik, wird es publik. So läuft das eben, in einem Land ohne Zensur.



Freunde machst du dir keine. Schon gar nicht bei den freiheitsliebenden Deutschen, und offenbar auch nicht bei den eigenen Klienten. Eine überstürzte Offensive - mit erschreckenden Folgen, solltest du dich behaupten können. Hast du damit Erfolg, dann stößt du eine Tür auf. Die Panzertür, die unsere Informationsfreiheit schützt. Einen Spalt nur, aber das reicht zum Durchschlüpfen. Viele werden es dir nachmachen und einer nach dem anderen unliebsame Webadressen per DNS zensieren wollen. Hallo China. Hallo Iran. Hallo Deutschland?

Aktion Eigentor

Verzeih mir, werte GEMA, aber ich glaube, du hast dir ein Eigentor geschossen. Du bist eine private Institution, nicht staatlich. Und doch spielst du Richterin Salesch. Du verurteilst das gesamte Internetvolk als potentiell kriminell und machst die Internet Service Provider - die, die nur für den Datentransfer von A nach B zuständig sind - mitschuldig.

Gib dir Mühe

Gibt es dir nicht zu denken, Deutschland der Internetfreiheit berauben zu wollen? - Sollte es: Zensur ist keine Lösung. Bemüh' dich ein bisschen mehr. Fasse die echten Eseltreiber, die Linkverteiler. Betreibe Lobbyarbeit, bewege die, die echte Gesetze machen dazu, Gesetze zu machen. Dann wirst du vielleicht Erfolg haben. Auch ohne den Weg der Freiheitsberaubung einzuschlagen.

Mit DNS-Zensur, prophezeie ich dir, kommst du nicht weit. Irgendwann müsstest du das ganze Netz abschalten. Denn nur wo kein Nährboden, da auch keine P2P-Viren.

(Michael Müller)

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