News

(N)Onliner Atlas 2013: 23,5 Prozent der Deutschen bleiben offline

Drei Viertel der Deutschen nutzen das Internet, 58,3 Prozent surfen per Breitband. Die aktuelle Studie von TNS Infratest im Auftrag der Initiative D21 sieht noch Nachholbedarf in Deutschland.

27.04.2013, 10:01 Uhr (Quelle: DPA)
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Die Internetnutzung in Deutschland nimmt weiter zu, kommt allerdings im Vergleich zum Vorjahr mit einem Plus von lediglich 0,9 Prozent nur wenig voran. Laut der aktuellen Studie "(N)Onliner Atlas 2013" (PDF) surfen 76,5 Prozent der Deutschen inzwischen mehr oder weniger intensiv im Internet. Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch, dass mit 23,5 Prozent weiterhin 16,5 Millionen Bundesbürger nicht an der digitalen Welt teilhaben. Für die am Montag in Berlin vorgelegte 13. Ausgabe der Studie befragte TNS Infratest im Auftrag der Initiative D21 zwischen Dezember 2012 und März 2013 telefonisch über 30.000 deutschsprachige Bürger ab 14 Jahren, die über einen Festnetzanschluss verfügten.

Nachholbedarf bei der Internetnutzung

Frauen, Alte sowie Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss sind im Netz immer noch unterrepräsentiert, allerdings verzeichnet die Studie deutliche Zuwächse bei der Internet- und Breitbandnutzung dieser Gruppen. Der digitale Graben innerhalb der Gesellschaft schließe sich laut Robert. A. Wieland, D21-Vizepräsident und Geschäftsführer von TNS Infratest, nur langsam. "Nicht einmal jede zweite Frau über 50 Jahren nutzt das Internet. Dies verdeutlicht den Nachholbedarf für Deutschland und die Notwendigkeit für zielgruppenspezifische Maßnahmen zur Erschließung bisheriger Offliner", betont Wieland.

Zugleich zeigt die Studie, dass immer mehr Frauen, Schüler und über 50-Jährige über Breitband-Anschlüsse online gehen. Die genutzte Bandbreite nehme zu, Zuwächse gebe es beispielsweise bei den Kabelnetzbetreibern. 77,6 Prozent der Schüler nutzten bereits einen Breitbandanschluss, bei den 50- bis 59-Jährigen legte die Nutzerzahl um 2,1 Prozent auf 56,6 Prozent zu. Hans-Joachim Otto, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, sieht zudem das "einfach zu bedienende mobile Internet" geeignet, um die Internetnutzung weiter ansteigen zu lassen.

Vor allem Datenschutz- und Sicherheitsbedenken halten von der Internetnutzung ab

Die Gründe für eine Nichtnutzung des Internets sind vielfältig, am häufigsten führen Offliner Bedenken wegen Datenschutz (67,5 Prozent) und Sicherheit (59,1 Prozent) an. Aber auch mangelnde Computererfahrung, angeblich fehlende Vorteile des globalen Netzes oder das fortgeschrittene Alter halten von einer Internetnutzung ab. Immerhin 28,6 Prozent der Befragten haben das Internet zwar bereits genutzt, verzichteten danach aber bewusst darauf.

Am stärksten nahm die Internetnutzung im Saarland (+ 2,9 auf 70,3 Prozent) zu, Hamburg (+ 1,8 Prozent) führte die Liste im Vergleich der Bundesländer mit 81,8 Prozent an. Baden-Württemberg ist das Flächenland mit der größten Internetnutzung (79,1 Prozent). Wie schon im Vorjahr weisen Mecklenburg-Vorpommern (69,1 Prozent) bzw. Sachsen-Anhalt (67,5 Prozent) den geringsten Anteil an Onlinern auf. Durchschnittlich 58,3 Prozent der Gesamtbevölkerung greifen auf Breitband zu (+ 1,2 Prozent), Bayern kann sich mit 59,3 Prozent leicht darüber platzieren.

Digitalindex als neue Kennzahl für die Digitalisierung

D21 stellte außerdem eine neue Kennzahl für die Digitalisierung in Deutschland vor. Sie soll widerspiegeln, wie häufig und sicher Menschen sich im Netz bewegen. Für den Digitalindex wurden über 3.800 Teilnehmer telefonisch befragt, etwa ob sie mit Computer oder Smartphone online gehen, welche Dienste sie nutzen und ob sie Begriffe wie Trojaner oder Cloud kennen. Daraus errechnete TNS einen Wert zwischen 0 und 100. Deutschland liegt mit 51,2 Punkten in der Mitte.

Die Umfrage zeige, dass viele Menschen Computer nur wenig nutzten. "Bei sehr vielen Deutschen ist die digitale Nutzung auf drei Komponenten beschränkt: Google, Word und E-Mail", sagte Wieland. "Die Vielschichtigkeit des Internets wird häufig nicht erkannt." TNS hält die neue Kennzahl für aussagekräftiger. "Der Index ist eigentlich die wichtigere Zahl", sagte Malthe Wolf, Projektleiter von TNS. "Was bringt es Ihnen, wenn sie 100 Prozent Autofahrer haben, aber keiner kennt die Verkehrsregeln?"

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang