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"No Piracy": BSA zahlt in Deutschland Prämie für Meldung unlizensierter Software

Wer verrät, kassiert bis zu 10.000 Euro: Der Branchenverband Business Software Alliance wirbt nun auch in Deutschland Denunzianten an, die illegale Software-Nutzung in Unternehmen anprangern sollen. Ein Schuss, der offenbar nach hinten los geht: Auf der Facebook-Seite der BSA zürnt der deutsche Wutbürger gegen die Kampagne.

22.10.2014, 00:01 Uhr
Internet© Anterovium / Fotolia.com

Auch Deutsche können jetzt eine Prämie kassieren, wenn sie unlizenzierte Software in Unternehmen anprangern. Der Branchenverband Business Software Alliance (BSA) wirbt jetzt "Kopfgeldjäger" mit Facebook-Anzeigen.

Facebooker empört: "Stasi 2.0"

Die Nutzer werden aufgefordert, Unternehmen zu melden, die illegale Software verwenden und können dafür bis zur 10.000 Euro kassieren, heißt es auf der BSA-Webseite zur "No Piracy"-Kampagne. Allerdings könnte der Schuss nach hinten losgehen, denn die Nutzerkommentare in dem sozialen Netzwerk sind alles andere als freundlich.

Von "Stasi 2.0" ist da die Rede und "Zivilcourage! Gebt euren Textern weniger Koks!". Ganz davon abgesehen, dass sich Denunzianten auch Ärger mit dem Chef einhandeln können – und statt Belohnung auf der Abschussliste landen. Denn bezahlt wird nur "für Hinweise, die zu einem für die BSA oder ihre Mitgliedsfirmen erfolgreichen Urteil oder Vergleich führen". Bleiben beide aus, bleibt auch der Geldbeutel leer – und der Denunziant landet schlimmstenfalls auf der Straße. Außerdem verweist der Facebook-Appell auf die englischsprachige Seite – wer des Englischen nicht mächtig ist, bleibt außen vor.

Auch der Werbespot zur Kampagne auf der BSA-Internetseite zeugt nicht vom sachlichen Umgang mit dem Thema. In einem Video wird eine fiktive Mitarbeiterin herablassend von ihrem Chef kritisiert, sinnt auf Rache – und kommt auf die Idee, die Verwendung illegaler Software ihres Arbeitgebers anzuprangern. Ein Appell ans Rechtsempfinden sieht wohl anders aus. "Raubkopien finde ich überhaupt nicht gut", schreibt denn auch ein Software-Entwickler, der seinen Lebensunterhalt mit Software verdient, auf der BSA-Facebook-Seite, "die Werbung hier allerdings auch nicht."

BSA: Jedes vierte Programm ohne Lizenz

Hinzu kommt, dass der Verband offenbar kurzfristig seine Strategie geändert hat. Anfang des Jahres hieß es nämlich noch, in manchen Ländern seien Belohnungen ein akzeptiertes Mittel, um Hinweise zu erhalten, in anderen Ländern wie Deutschland seien sie aus kulturellen oder historischen Gründen nicht angebracht. Das berichtet Spiegel online mit Verweis auf andere Medienberichte.

In den USA, Großbritannien, den Niederlanden und Tschechien läuft die Anti-Piracy-Kampagne nach BSA-Angaben schon seit längerem erfolgreich. Einer Studie zufolge werde jedes vierte Software-Programm in Deutschland unlizensiert benutzt. "Unterlizenzierung ist kein Kavaliersdelikt", so der Branchenverband auf dem Internet-Portal. Sie verursache hohe wirtschaftliche Schäden.

(Dorothee Monreal)

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