Vorwurf von US-Behörden

Nimmt Russland mit Hackerangriffen Einfluss auf US-Wahlkampf?

Die US-Regierung bläst zum Frontalangriff gegen Russland. US-Behörden werfen Moskau vor, hinter Angriffen auf Computersysteme in den USA zu stecken. Hacker sollten den US-Wahlkampf beeinflussen.

Jörg Schamberg, 08.10.2016, 00:39 Uhr (Quelle: DPA)
USA© Beboy / Fotolia.com

Washington - Die USA haben Russlands Regierung vorgeworfen, mit Hackerangriffen Einfluss auf den Präsidentschaftswahlkampf zu nehmen. Das Heimatschutzministerium und das Büro des nationalen Geheimdienstdirektors veröffentlichten am Freitag eine entsprechende Erklärung. Man sei überzeugt, dass Russland hinter den Angriffen auf Computersysteme politischer Organisationen und Institutionen stehe.

Stecken russische Hacker hinter Angriffen auf die Demokraten?

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hatte im August gehackte E-Mails von Mitgliedern und Mitarbeitern des Parteivorstandes der Demokraten veröffentlicht. Daraus ging hervor, dass das Führungsgremium im Vorwahlkampf stark zugunsten von Hillary Clinton und somit gegen ihren Rivalen Bernie Sanders voreingenommen war. Die Enthüllungen führten zum Rücktritt von Parteichefin Debbie Wasserman Schultz.

Später wurde bekannt, dass der Hackerangriff auf die Demokraten noch umfangreicher war. Schon damals verdächtigen Experten und Regierungskreise russische Hacker mit Verbindungen zu Regierungsorganisationen.

US-Behörden: Genehmigung durch Russlands ranghöchste Beamte

Die Enthüllungen durch Wikileaks und andere Webseiten stünden "im Einklang mit den Methoden und Motivationen Russland", hieß es in der Erklärung wörtlich. "Diese Diebstähle und Enthüllungen zielen auf Einmischung in den US-Wahlprozess ab. Wir glauben auf der Basis des Ausmaßes (...) dieser Bestrebungen, dass nur Russlands ranghöchste Beamte diese Aktivitäten genehmigt haben könnten."

Es sei zwar nach ihrer Einschätzung "extrem schwierig" für einen Hacker, auch einen Staat, Stimmenauszählungen oder Wahlresultate durch Cybereingriffe zu manipulieren, so das Ministerium und der Geheimdirektor weiter. Diese Einschätzung basiere darauf, dass Wahlsystem in den USA dezentralisiert sei und es in Staaten sowie Kommunen eine Reihe von Schutzmaßnahmen gebe. Dennoch seien Wahlbeamte auf beiden Ebenen weiterhin dazu aufgerufen, wachsam zu sein.

Kreml bezeichnet US-Vorwürfe als "Quatsch"

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete die Darstellung der US-Behörden als "Quatsch". Die Website von Russlands Präsident Wladimir Putin werde jeden Tag von Zehntausenden Hackern angegriffen, sagte er laut der Agentur Interfax. "Viele kann man in die USA zurückverfolgen. Wir beschuldigen doch nicht jedes Mal das Weiße Haus oder Langley (Sitz des Auslandsgeheimdienstes CIA)."

Der frühere russische Parlamentspräsident Alexej Puschkow warf den USA vor, angesichts großangelegter Spähprogramme des US-Geheimdiensts NSA mit Doppelstandards zu arbeiten. "Russland werden Hackerangriffe unterstellt von jenen US-Diensten, die geschworen haben, dass die NSA weder Amerikaner noch ausländische Führer ausspioniert hat", zitierte ihn die Agentur Tass.

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