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Nikotel: Neue Angebote und jede Menge Gerüchte

Lange war es verdächtig ruhig um VoIP-Anbieter Nikotel. Der Markt munkelte schon von einer Pleite. Jetzt meldet sich das Unternehmen mit neuen Angeboten zurück.

Internettelefonie© Yuri Arcurs / Fotolia.com
"Gefallener Engel" – so titelte einst das Manager Magazin seine Story über Nikolai Manek und "das seltsame Geschäftsgebaren des jungen Internet-Millionärs". Bereits im März 2002 warf das Magazin damit einen kritischen Blick auf die geschäftlichen Verflechtungen des Managers, der im Jahr 2000 den VoIP-Anbieter Nikotel gründete. Die ursprüngliche Firma Nikotel AG musste zwar im Februar 2002 Insolvenz anmelden, das VoIP-Produkt wurde aber hierzulande weiterhin unter gleichem Namen durch die Econo Deutschland GmbH vermarktet. Die eigentliche Firma Nikotel zog hingegen nach San Diego in die USA um. Nun scheint es, als ob sich die Geschichte des Manager-Magazins, die von Begriffen wie "abenteuerliche Zustände" und "chaotische Verhältnisse" geprägt ist, wiederholen würde.

Mahnverfahren und Büroräumungen?

Bereits im Dezember vergangenen Jahres kochte die Gerüchteküche rund um Nikotel und Econo Deutschland hoch. Insider-Informationen zufolge, die onlinekosten.de vorliegen, soll es gegen Econo Deutschland GmbH bereits damals mehrere Mahnverfahren gegeben haben und alle festangestellten Mitarbeiter gekündigt worden sein. Die Geschäftsräume des Unternehmens seien bereits geräumt gewesen, nur der zweite Geschäftsführer, Michael Karkuschky, sei dort noch anzutreffen gewesen – nach Vereinbarung, versteht sich. Zudem sollen wichtige technische Zulieferer Ende vergangenen Jahres ihr Geld nicht erhalten haben und daraufhin angeblich alle Dienste für Nikotel eingestellt haben. Auch gab es Kundenbeschwerden über anhaltende schlechte Qualität des VoIP-Dienstes und darüber, dass die Rufnummern nicht mehr erreichbar waren. In einem Test unserer Redaktion bestätigte sich dies im Dezember.

Schlechte Qualität und niemand erreichbar?

Eine schriftliche Anfrage unserer Redaktion im gleichen Monat an die Pressestellen von Nikotel und Econo Deutschland wurde umgehend zur "Chefsache" erklärt: Per E-Mail antwortete Nikolai Manek, dass jede Sorge, Nikotel würde den Betrieb einstellen, unbegründet sei. Vielmehr plane sein Unternehmen zum 1. Januar massive Änderungen, die positiv für die Kunden sein würden. Über nicht erreichbare Rufnummern bei econo Deutschland wusste Manek hingegen nach eigenen Angaben nichts.

Mittlerweile ist jedoch klar, dass Econo Deutschland GmbH in Zahlungsschwierigkeiten steckt: Am 27. Juli eröffnete das Amtsgericht Hamburg gegen das Unternehmen mit der Handelsregisternummer HRB 80203 wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung das Insolvenzverfahren. Der Antrag dazu ging bereits am 7. Mai bei Gericht ein. Zu den Econo-Geschäftsführern zählt, neben Michael Kakuschky – an dessen Adresse inzwischen nicht nur seine eigene Firma Elbe-Net, sondern auch Econo gemeldet ist – auch Nikolai Manek. Zu seinem geschäftlichen Verhältnis zu Econo Deutschland befragt, antwortet Manek unserer Redaktion jetzt, die Kunden des VoIP-Dienstes hätten immer schon zu Nikotel gehört. Von Econo wurden ihm zufolge nur Inkasso-Dienste und andere Leistungen übernommen. Insofern sei Econo eigentlich nie Teil der "Formel" gewesen, so Manek weiter.

Dennoch lässt sich eine enge Verzahnung von Nikotel und Econo nicht leugnen. Ein Bild davon gibt eine E-Mail, die unserer Redaktion zugespielt wurde, in der Manek im Dezember einen Kunden seines Unternehmens wegen dessen gestellten Forderungen kontaktierte. Darin erklärt er, dass laufende Verträge ab 1. Januar direkt von den USA abgerechnet würden und dann auch die Kundenbetreuung anderweitig vergeben werde. Das hieße zwar nicht, dass Econo ganz raus sei, das deutsche Unternehmen würde jedoch nur noch technischer Betreiber eines lokalen Netzes in Deutschland sein. Unserer Redaktion gegenüber betonte Manek außerdem, Nikotel sei in Deutschland nicht selbst, sondern nur über Partner tätig. All das weist darauf hin, dass Econo Deutschland eine weitaus wichtigere Rolle für das Geschäft von Nikotel gespielt hat, als Manek in seiner jüngsten Aussage angibt. Somit stellt sich die Frage, inwieweit die Econo-Insolvenz auch Einfluss auf Nikotel haben wird.

Neues Softphone entwickelt

Zumindest die versprochenen Änderungen im Nikotel-Service sind mittlerweile bekannt gegeben – wenn auch acht Monate später, als ursprünglich von Manek gegenüber onlinekosten.de angekündigt. So wurde ein Softphone entwickelt, das einigen Komfort bieten soll. So steht Nutzern ein Adressbuch zur Verfügung, das die Möglichkeit bietet, direkt Videokonferenzen zu starten oder E-Mails zu versenden. Außerdem sei, so Manek, Instant Messaging integriert, mit dem sich Nutzer auch Youtube-Videos zusenden können, um sie dann im Messenger anzusehen. Zudem könne während einer Videokonferenz eine so genannte Screensharing-Session gestartet werden. Nutzer können so gemeinsam im Internet surfen und sich über Inhalte austauschen. Auch bei den Tarifen habe sich einiges getan. Bis zu 50 Prozent sollen die Nikotel-Tarife zu einigen Zielen gesenkt worden sein.

Manek wieder der aktive Part

Manek betont außerdem, er habe nun wieder aktiv die Führung der Nikotel übernommen und garantiere, dass ihm nicht nur Qualität "super wichtig" sei, sondern auch der niedrigste Preis, der internetweit zu finden sei. Sein Unternehmen arbeite derzeit daran, das Website-Design wesentlich zu vereinfachen und im Zuge dessen auch die Tarifstruktur zu ändern. In wenigen Wochen soll außerdem ein neues Service-Center in Deutschland eröffnen. Der Nikotel-Support soll aber bereits jetzt sehr prompt antworten: Manek zufolge werden alle Anfragen grundsätzlich innerhalb eines Tages beantwortet. Es bleibt also abzuwarten, wie es in Sachen Nikotel künftig weitergehen wird. Wir werden unsere Leser weiterhin auf dem Laufenden halten.

(Aleksandra Leon)

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