Neutrale neue Firma

Ngena als globale Plattform: Telekom will Firmenkunden-Geschäft der Branche revolutionieren

Die Deutsche Telekom stellt auf dem MWC in Barcelona die neue technische Plattform Ngena vor, über die automatisiert Telekommunikations-Dienstleistungen günstig und global an Allianz-Partner angeboten werden sollen. Die Pläne könnten das Geschäft der Netzbetreiber erheblich verändern.

Jörg Schamberg, 22.02.2016, 10:53 Uhr (Quelle: DPA)
Telekom-Zentrale© Deutsche Telekom AG

Barcelona - Die Deutsche Telekom (www.telekom.de Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
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) will das Firmenkunden-Geschäft der gesamten Branche grundlegend umkrempeln. Sie gründet dafür eine neue Firma, bei der Telekommunikations-Anbieter weltweit Dienste für ihre Unternehmenskunden beziehen können. Das soll unter anderem die Kosten deutlich senken. Die ersten Partner aus der Telekom-Branche sollen am Montag auf der Mobilfunk-Messe Mobile World Congress in Barcelona bekanntgegeben werden. Der Marktstart ist im ersten Halbjahr 2017 geplant.

Über Plattform Ngena Telekommunikats-Dienstleistungen automatisiert global verfügbar machen

Die neue Firma mit dem Namen Ngena ist "eine technische Plattform, die es ermöglicht, Telekommunkations-Dienstleistungen hochgradig automatisiert und damit günstig global zur Verfügung zu stellen", sagt ihr Chef Marcus Hacke. Als ein Großhändler verkauft sie ihre Dienste an Telekom-Firmen, die daraus Produkte für Firmenkunden schnüren können. Telekom-Anbieter bräuchten etwa weniger eigene Infrastruktur, auch die Expansion in neue Märkte wird günstiger, weil man weniger eigene Netze oder Rechenzentren braucht.

Niedrigere Kosten sind ein starkes Argument in der Branche: Die Telekom-Anbieter klagen über sinkende Umsätze in der Sprachtelefonie und die Konkurrenz von Internet-Firmen. Mit dem Ngena-Modell könnten zumindest die reinen Produktionskosten durch den Wegfall manueller Arbeit zum Teil um die Hälfte gedrückt werden, heißt es. In der Zukunft dürfte auch die grenzübergreifende Vernetzung von Maschinen im sogenannten Internet der Dinge als neues Geschäft wichtig werden.

Ngena soll nach einiger Zeit in Besitz der Allianz-Partner übergehen

Zunächst gehört Ngena (eine Abkürzung von Next Generation Enterprise Network Alliance) der Telekom. Nach einem gewissen Zeitraum soll sie aber in den Besitz der Allianz-Partner übergehen. "Wir sind der Initiator, letztlich brauchen wir aber eine neutrale Firma, ein eigenes Unternehmen, das die Dienstleistungen an die Allianz-Partner verantwortet", sagt Telekom-Manager Patrick Molck-Ude.

Die Höhe der Investitionen nennt die Telekom nicht. Die Plattform wird gemeinsam mit dem amerikanischen Netzwerk-Spezialisten Cisco aufgebaut. Beim Datenschutz gilt deutsches und europäisches Recht. "Ngena ist eine Gesellschaft mit Sitz in Eschborn in Deutschland und die Daten werden in Europa gehalten", betonte Hacke.

Höhere Effizienz und niedrigere Kosten sorgen für Wettbewerbs-Vorteile

Der Plan hat auch das Potenzial, das Geschäft der Branche über Angebote für Firmenkunden hinaus nachhaltig zu verändern: Die höhere Effizienz und niedrigere Kosten könnten den teilnehmenden Unternehmen erhebliche Wettbewerbs-Vorteile verschaffen. Auf lange Sicht wären einige global agierende Plattformen dieser Art mit angeschlossenen Telekom-Anbietern denkbar. Auch die heute oft hohen Roaming-Kosten kämen meist gar nicht erst in Frage, weil die Dienste gleich auf einer globalen Plattform aufgesetzt wären.

Telekom und Ngena schweigen sich dazu aus, ob sie sich auch den Beitritt eines weltweit agierenden Schwergewichts wie Vodafone zu der Plattform vorstellen können. Grundsätzlich gelte: "Wenn ein Provider bereits viel in eine eigene globale Plattform investiert hat, und im Schutz der eigenen Strukturen verharrt, ist der Ansatz für ihn weniger attraktiv", sagt Hacke. Die Attraktivität sei daher für Dienste-Anbieter sehr unterschiedlich - "aber für die meisten sehr hoch, wie viele Gespräche bereits gezeigt haben". Ngena will bis Ende 2017 rund 20 Partner haben, in der Regel jeweils einen pro Land. In China, wo viele Firmenkunden Geschäfte machen, will die Allianz auch präsent sein, aber es ist ein Markt, in den man schwer reinkommt.

Allianz-Partner behalten die Kontrolle

Dass Telekom-Firmen ein Kontrollverlust durch die Auslagerung von Infrastruktur drohen könnte, weist Hacke zurück. "Die Allianz-Partner behalten die Kontrolle. Sie betreuen die Kunden und entscheiden, was zu welchem Preis angeboten wird." Vor allem in der Anfangszeit dürften Telekom-Anbieter Dienste aus der Ngena-Plattform stark mit Service auf Basis der eigenen Infrastruktur kombinieren. Sie sollen auch ihre Kapazitäten in die Allianz einbringen können.

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