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Neue UMTS-Frequenzen: E-Plus großer Verlierer?

Im zweiten Quartal 2010 ist es so weit: neue UMTS-Frequenzen werden versteigert. Die Bevölkerung darf sich folglich über eine größere Verfügbarkeit und mehr Wettbewerb freuen. Besonders ein Mobilfunkunternehmen steht damit aber vor einer wegweisenden Entscheidung und läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren.

02.09.2009, 17:45 Uhr
SMS© TristanBM / Fotolia.com

Schon bald kommen neue UMTS-Lizenzen unter den Hammer. Eines ist davor schon klar: E-Plus wird es schwer haben, mit den Geboten der Großen mitzuhalten. Der Grund: dem kleinsten deutschen Mobilfunker fehlt ein finanzstarker Partner. Konzern-Mutter KPN scheint obendrein den Fokus nicht auf mobile Internetverbindungen zu legen. Sollten sich die Befürchtungen einstellen, wird es E-Plus schwer haben, im Markt zu bestehen. Dies berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf befragte Analysten.
Große UMTS-Auktion geplant
Für das zweite Quartal 2010 hat die Bundesnetzagentur eine neue UMTS-Auktion geplant. Der Prozess der Auktion soll schon Ende dieses Jahres anlaufen. Versteigert werden ebenso zurückgegebene Frequenzen aus der Auktion im Jahr 2000, wie auch zahlreiche neue. Auch kommt der freie Frequenzbereich aus der Digitalen Dividende unter den Hammer, der aber nur unter Auflagen veräußert wird. "Die Frequenzen der Digitalen Dividende dienen in erster Linie dazu, in ländlichen Regionen eine Breitband-Anbindung zu schaffen", sagte Rudolf Boll von der Bundesnetzagentur gegenüber onlinekosten.de.
Vorteil der Frequenzen der Digitalen Dividende ist deren große Reichweite. Die Mobilfunkunternehmen müssen daher wenig in neue Infrastruktur investieren, um eine große Fläche mit UMTS zu versorgen, können pro Zelle aber nur eine begrenzte Anzahl von Nutzern bedienen. Die Bundesnetzagentur gibt den bietenden Unternehmen daher den Rat, die Frequenzen möglicherweise gemeinsam zu nutzen, um die Kosten für den Ausbau möglichst gering zu halten. Die resultierende Win-Win-Situation: Der Kunde freue sich über Wettbewerb und größere Verfügbarkeit von UMTS, die Unternehmen über niedrige Ausbaukosten.
Wie bei einer Auktion üblich, gewinnt jener Bieter mit der höchsten Zahlungsbereichtschaft. Dies ist besonders für die Kleinen am Markt, also E-Plus und o2, ein Problem. Zwar werden weitaus geringere Preise für die Frequenzen erwartet, wie noch im Jahr 2000. Doch entscheidet die Auktion in nicht unerheblichem Maße darüber, wie die Mobilfunkunternehmen auf lange Frist aufgestellt sind.
Sorgenkind E-Plus
E-Plus profitiert im Augenblick sehr stark von seinem Flatrate-Geschäft. Die Marke Base erfreut sich besonders in den Großstädten großer Beliebtheit, mit der Discountmarke simyo revolutionierte E-Plus zudem den Prepaid-Markt. Eines rückte bei der Mehrmarken-Strategie aber immer mehr in den Hintergrund - die mobilen Datendienste. E-Plus fokussiert sich wie kein anderes Mobilfunkunternehmen hierzulande auf Sprachdienste. Dies könnte dem Unternehmen auf lange Sicht erheblichen Schaden zufügen. Schon länger ist bekannt, dass E-Plus ausschließlich die großen deutschen Universitätsstädte mit dem Datenturbo UMTS versorgen möchte. Der Ausbau läuft allem Anschein nach aber schleppend voran, so darf man sich beispielsweise am Unistandort Köln in weiten Teilen weiterhin mit GPRS und EDGE begnügen.
Schleierhafte Strategie
In Kürze werden also neue UMTS-Frequenzen versteigert. Wer bei der Auktion das Nachsehen haben wird, zeichnet sich jetzt schon ab: E-Plus. Einerseits fehlt dem Unternehmen eine finanzstarke Muttergesellschaft, andererseits scheint das Interesse an UMTS bei E-Plus ohnehin wenig ausgeprägt. Vielleicht führt aber auch hier das Eine zum Anderen. Die Tochter der niederländischen KPN ist gemessen am Umsatz der kleinste der vier großen deutschen Mobilfunkanbieter. Sogar die Nummer drei, o2 Germany, hat mit Telefónica eine zahlungskräftige Mutter im Rücken.
Gegenüber dem "Handelsblatt" sagte ein Analyst der Privatbank Sal. Oppenheim, E-Plus laufe Gefahr, den Anschluss an den Markt zu verlieren. Der Grund liegt darin, dass der Markt für mobile Sprachdienste in Deutschland weitgehend gesättigt sei. Wachstum versprechen mobile Datendienste wie E-Mail oder Internet. Genau diese setzen aber auf einen schnellen Internetzugang, der im Mobilsektor ausschließlich mit Hilfe von UMTS zur Verfügung gestellt werden kann.
Mit Neuausrichtung aus der Einbahnstraße?
Sollte der Sparkurs von KPN also auch in Zukunft beibehalten werden, wird dies der deutschen Tochter E-Plus dauerhaften Schaden zufügen. Bleibt abzuwarten, was die Versteigerung bringen wird. Fest steht, dass auch o2 keine horrenden Summen für die neuen Frequenzen zahlen möchte. Sollte es innerhalb der Auktion aber hart auf hart kommen, kann die Telefónica-Tochter in jedem Fall auf eine große Geldsumme zurückgreifen. Von den gefüllten Geldtöpfen von T-Mobile und Vodafone ganz abgesehen.

(Michael Müller)

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