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Neue Abhörtechnik: Gespräch aus Vibrationen einer Chipstüte rekonstruiert

Schallwellen erzeugen kleine Vibrationen auf flexiblen Gegenständen in unmittelbarer Nähe. Werden diese mit einer Hochgeschwindigkeitskamera gefilmt, kann ein Algorithmus daraus die Musik oder sogar ein Gespräch rekonstruieren.

06.08.2014, 17:01 Uhr
Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Schallwellen erzeugen kleine Vibrationen auf flexiblen Gegenständen in unmittelbarer Nähe. Werden diese mit einer Hochgeschwindigkeitskamera gefilmt, kann ein Algorithmus daraus die Musik oder sogar ein Gespräch rekonstruieren. Forscher des MIT, von Microsoft und Adobe werden diese neue Technik Mitte August im Rahmen der Konferenz Siggraph vorstellen.

Kopfhörer abgefilmt, Musik erkannt

Das "visuelle Mikrofon" kann auf eine Chipstüte gerichtet sein, eine Aluminiumfolie, die Wasseroberfläche in einem Glas und sogar auf die Blätter einer Pflanze. Eine App für Musikerkennung gab sogar den richtigen Song aus, als nur die Kopfhörer gefilmt wurden und das Bild in Ton zurückübersetzt wurde.

Die durch den Ton auf der Oberfläche der Gegenstände erzeugten Vibrationen sind für das menschliche Auge nicht zu erkennen. Damit aber der Algorithmus effektiv ist, muss die Zahl der aufgenommen Bilder pro Sekunde (fps) höher sein als die Audio-Frequenz.

Stimmen identifizieren per Spiegelreflexkamera

Aus diesem Grund kam in den Versuchen eine Hochgeschwindigkeitskamera zum Einsatz, die 2.000 bis 6.000 Bilder pro Sekunde aufnimmt. Sie stand etwa 4,5 Meter vom Objekt entfernt hinter schalldichtem Glas. Zum Vergleich: Ein Smartphone verfügt meist nur über 60 fps, die besten kommerziellen Kameras allerdings über 100.000 fps.

Die Forscher haben ihr Experiment auch mit einer handelsüblichen Spiegelreflexkamera gewagt. Hier ließen sich zwar keine Gesprächsinhalte rekonstruieren, aber immerhin die einzelnen Gesprächsteilnehmer identifizieren. Es konnte deren Zahl bestimmt werden und ihnen ein Geschlecht zugeordnet werden.

(Peter Giesecke)

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