Gigabit-Strategie

Netzausbau soll sich künftig nicht nur an Bandbreite orientieren

Branche und Politik haben sich im Rahmen der Netzallianz auf ein Eckpunktepapier zur künftigen Gigabit-Strategie verständigt. Nicht nur Höchstgeschwindigkeit sei demnach wichtig, sondern auch andere Faktoren.

Jörg Schamberg, 09.11.2016, 09:51 Uhr (Quelle: DPA)
Glasfaser Anschluss© Silvano Rebai / Fotolia.com

Berlin - Der Ausbau der digitalen Netzinfrastruktur in Deutschland soll sich künftig nicht mehr allein an immer höheren Übertragungsgeschwindigkeiten orientieren. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte am Dienstag nach dem sechsten Treffen der "Netzallianz Digitales Deutschland", bei der Zukunft der Netze gehe es auch um die Sicherheit, Energieeffizienz und die Frage der Latenzzeiten, also der Reaktionsgeschwindigkeit im Netz. "Eine Kombination aus vielfältigen Elementen wird erforderlich sein, um eine Gigabit-Gesellschaft zu gestalten. Netze werden eine eigene Intelligenz haben".

Flammt Debatte über Netzneutralität wieder auf?

Dobrindt betonte, es würden künftig Verarbeitungsschritte der Daten in den Netzen stattfinden, beispielsweise beim automatisierten Fahren. Professor Manfred Hauswirth vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (Fokus) betonte, die Bandbreite sei wichtig, "aber nicht allein ausschlaggebend". Zu beachten seien auch die Kommunikationsdichte, die Verfügbarkeit geeigneter Geräte, die Latenzzeit und viele andere Kriterien mehr. Je nach Anforderung müsse ein anderer Technologie-Mix eingesetzt werden.

Die Überlegungen in der Netzallianz könnten die Debatte um die Netzneutralität wieder aufflammen lassen. Bislang gilt der Grundsatz, dass in den Netzen kein Service bevorzugt oder diskriminiert werden darf. "Wir werden die Diskussion wieder eröffnen müssen", sagte Thorsten Dirks, Präsident des Branchenverbandes Bitkom. "Wenn wir über industrielle Netze sprechen, werden wir Qualitätsklassen im Netz definieren müssen." Die betreffe etwa die Telemedizin oder die Kommunikation autonom fahrender Autos. "Das ist etwas anderes, als wir derzeit im Internet für Konsumenten haben."

Dobrindt: Das Netz wird sich wandeln

Telekom-Chef Timotheus Höttges betonte, es sei "völlig ineffizient", jeden beliebigen Netzdienst mit den hohen Anforderungen industrieller Netze zu versehen. "Das heißt nicht, dass die Anwendung schlecht rüberkommt." Jeder Service müsse in guter Qualität und bedarfsorientiert über die Netze zur Verfügung gestellt werden.

Dobrindt sagte, das Netz werde sich wandeln. "Es werden nicht nur neue Anwendungen entstehen, sondern die Qualität der Netze wird sich grundlegend ändern." Derzeit rede man über Netze vor allem als Transportmittel. "Die künftigen Netze können selbst Daten verarbeiten - und das nicht irgendwo, sondern möglichst nah an dem Standort, an dem sich die Anwender befinden."

Branchenverbände drängen auf Förderung von Gigabit-Netzen

Die Netzallianz-Mitglieder BREKO, BUGLAS und VATM äußerten sich am Dienstagabend in einer gemeinsamen Stellungnahme zu dem Eckpunktepapier zur Gigabit-Strategie. Branche und Politik sei sich einig, dass eine gigabitfähige Infrastruktur bis 2025 gewollt sei. "Wirtschaft und Politik haben ebenfalls klar herausgearbeitet, dass es in Zukunft neben Bandbreite insbesondere auch auf Qualitätskriterien wie Ausfallschutz, Jitter, Sicherheit und Latenz ankommen wird", so die Verbände.

Es gebe aber noch unterschiedliche Auffassungen, wie der Weg zur Realisierung der Gigabit-Gesellschaft konkret aussehen soll. BREKO, BUGLAS und VATM sprechen sich für ein "weitgehend flächendeckendes gigabitfähiges Anschlussnetz" aus. Die Wettbewerber betonen, dass bereits aktuell mehr als 90 Prozent der genutzten gigabitfähigen FTTB/FTTH- und HFC-Koaxkabel-Anschlüsse von den alternativen Netzbetreibern gebaut werde. Im nächsten Schritt müssten nun die Rahmenbedingungen für Regulierung und Förderung klar gezogen werden. "Ein klares Bekenntnis zur Zugangsregulierung und zur Förderung von Gigabit-Netzen ist erforderlich", fordern die drei Branchenverbände.

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