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Netzagentur: Vectoring nur ein Zwischenschritt - Glasfaserausbau als Ziel

Vectoring soll schnell kommen: Bundesnetzagentur-Vizepräsidentin Iris Henseler-Unger forderte die Telekom auf dem VATM-Glasfasertag in Köln zu einer zügigen Überarbeitung des Vectoring-Standardangebots auf.

12.09.2013, 19:41 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Ende August ist die endgültige Entscheidung für die Beschleunigung von VDSL auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) gefallen: Die Bundesnetzagentur gab grünes Licht für den Vectoring-Einsatz. Iris Henseler-Unger, Vizepräsidentin der Netzagentur, verteidigte am Donnerstag auf dem VATM-Glasfasertag in Köln den Beschluss der Regulierungsbehörde. "Wir machen etwas möglich, ohne den Wettbewerb zu schädigen". Es wäre keine Option gewesen, Vectoring für den deutschen Markt zu verbieten. Sowohl Henseler-Unger als auch Branchenvertreter auf dem Podium, die auf der VATM-Veranstaltung Strategien für den Glasfaserausbau diskutierten, betonten einhellig, dass Vectoring nur eine Brückentechnologie sei. Das präferierte Ziel sei der Auf- und Ausbau von Glasfasernetzen. "Wir freuen uns über jeden, der FTTH und FTTB ausbaut", so die Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur. Auch wenn die Nachfrage nach schnellem Breitband nur relativ langsam ansteige, müsse bereits im Vorfeld mit dem Glasfaserausbau angefangen werden.

Henseler-Unger: "Druck im Markt erhalten"

"Die Vectoring-Entscheidung ist eine Entscheidung für den Ausbau der Kabelverzweiger", erklärte Henseler-Unger. Zugleich betonte sie, dass kein Kupfernetz neu gebaut werde, sondern Glasfasernetze. Der größte Treiber des Glasfaserausbaus ist aus Sicht der Regulierungsbehörde der Wettbewerb und der in Deutschland zum Einsatz kommende Technologie-Mix. "Den Druck im Markt möchte ich gerne erhalten", erklärt die Vertreterin der Netzagentur. Die Vorstöße der EU-Kommission zum Breitbandausbau sieht sie jedoch mit Skepsis. Brüssel sei sehr industriepolitisch ausgerichtet und glaube noch immer daran, dass "nur die Großen dieser Welt ausbauen und investieren".

Doch wie geht es nun mit Vectoring weiter? Zunächst muss die Deutsche Telekom ihr Standardangebot überarbeiten. "Man sollte sich hier auf die für Vectoring wichtigen Punkte konzentrieren" wünscht sich Henseler-Unger. "Wir arbeiten daran, das Standardangebot so schnell wie möglich hinzubekommen", versprach Marcus Isermann, Leiter der politischen Interessenvertretung, Regulierung und Bundesländer bei der Deutschen Telekom. Er stellte eine Umsetzung noch für dieses Jahr in Aussicht.

Warnung vor Universaldienst bei Regierungswechsel

Auf Unklarheiten und auch regulatorische Hürden beim Breitbandausbau wies VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner hin. Die Bundesregierung strebe zwar flächendeckend Bandbreiten von 50 Mbit/s an. Auf dem Land gebe es aber eine alte Regel, dass die Telekom keine Kabelverzweiger für Mitbewerber errichten muss, wenn 50 Prozent der Bürger dort 1 Mbit/s nutzen können. "Das Unwohlsein über die 1-Mbit/s-Grenze teilen wir schon", versicherte Hensler-Unger. Dieses Limit komme noch aus der Zeit der weißen Flecken. Der VATM freue sich über eine gemeinsame Sitzung mit der Bundesnetzagentur und der Telekom, in der dieses Thema noch einmal auf die Tagesordnung gesetzt werde, versicherte Grützner.

Angesichts der am 22. September anstehenden Bundestagswahl warnte die Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur eine mögliche neue Bundesregierung vor einem Richtungswechsel beim Breitbandausbau. Die Aufnahme eines Universaldienstes in einen Koalitionsvertrag sei so "unnötig wie ein Kropf". Die Regulierungsbehörde und die Branche habe für hohe Bandbreiten gekämpft, ein Universaldienst wäre da kontraproduktiv. Mit Blick auf den Glasfaserausbau in anderen europäischen Staaten sieht Henseler-Unger Deutschland im europäischen Durchschnitt "gar nicht so schlecht" dastehen. Es sei viel Aktivität im Markt.

(Jörg Schamberg)

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