News

Netzagentur fordert Telekom zur Überarbeitung der Vectoring-Musterverträge auf

Die Bundesnetzagentur hat die von der Deutschen Telekom vorgelegten Vectoring-Standardangebote geprüft und am Mittwoch bei einigen Punkten Änderungen gefordert. Insbesondere der Schutz der Vectoring-Liste sowie die konkrete Ausgestaltung von Sanktionen und eines alternativen Bitstrom-Produkts müssen verbessert werden.

26.02.2014, 11:46 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Im vergangenen August hatte die Bundesnetzagentur endgültig grünes Licht für Vectoring gegeben. In diesem Jahr soll der VDSL-Turbo, der herkömmliche VDSL-Zugänge auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) beschleunigt, für erste Kunden verfügbar sein. Die Deutsche Telekom hat bereits entsprechende Musterverträge erarbeitet und der Bundesnetzagentur zur Prüfung vorgelegt. Die Bonner Regulierungsbehörde teilte am Mittwoch das Ergebnis dieser Prüfung mit und konkretisierte die Rahmenbedingungen für Vectoring. Die Telekom muss ihre sogenannten Standardangebote nun in einigen Punkten umgehend überarbeiten.

Netzagentur: Besserer Schutz der Vectoring-Liste

Die Netzagentur gibt dem führenden deutschen Telekommunikationskonzern einen Monat Zeit, um die in der aktuellen Entscheidung gemachten Vorgaben in ihren Musterverträgen zu berücksichtigen. Die überarbeiteten Standardangebote müssen der Bonner Behörde innerhalb dieses Zeitraums erneut zur Prüfung vorgelegt werden.

"Bei unserer Prüfung haben wir festgestellt, dass die von der Telekom vorgelegten Regelungen für den Vectoring-Einsatz in einigen wichtigen Punkten einer Überarbeitung bedürfen. Nur so tragen sie den rechtlichen Vorgaben des Telekommunikationsgesetzes hinreichend Rechnung", erklärte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

Konkret verlangt die Regulierungsbehörde insbesondere Verbesserungen bei der Vectoring-Liste, die von der Telekom unter Aufsicht der Netzagentur geführt werden soll. Dieses Register soll allen Marktteilnehmern Rechtssicherheit und Chancengleichheit beim Zugang zur Vectoring-Technik gewähren. Die Netzagentur sieht aber noch Verbesserungsbedarf: Die Netzplanung und der Endkundenvertrieb der Telekom dürfen nicht auf die in der Vectoring-Liste verzeichneten Erschließungspläne der Wettbewerber zugreifen können. Hier müssten verbindliche Schutzregeln im Vectoring-Mustervertrag verankert werden.

Änderungsbedarf auch bei Sanktionen und Ausgestaltung eines Bitstrom-Produktes

Änderungsbedarf sieht die Aufsichtsbehörde zudem bei den Regelungen zu konkreten Sanktionen bei missbräuchlichen Reservierungen von Kabelverzweigern (KVz) sowie beim Nicht-Ausbau von für Vectoring reservierten KVz. Da die KVz-TAL bei einem Vectoring-Einsatz nicht mehr verfügbar ist, muss die Telekom ihren Wettbewerbern ein alternatives Bitstrom-Produkt anbieten. Bei der von der Telekom geplanten Ausgestaltung dieses Produkts müsse der Bonner Konzern ebenfalls noch einmal nacharbeiten.

Netzagentur-Präsident Homann betont: "Ebenso wie unsere im vergangenen Jahr ergangene Vectoring-Grundsatzentscheidung stellt auch die jetzige Entscheidung zu den Detailregelungen des Vectoring-Einsatzes einen fairen Kompromiss zwischen den unterschiedlichen Interessen der verschiedenen Marktakteure dar." Mit großen Verzögerungen rechnet Homann durch die nun geforderte Überarbeitung der Musterverträge nicht. "Ich gehe davon aus, dass die Telekom unsere Vorgaben von sich aus vollständig umsetzen wird, damit die Vectoring-Technologie im Interesse eines zügigen Breitbandausbaus in Deutschland von allen investitionswilligen Unternehmen mit der dafür erforderlichen Planungs- und Investitionssicherheit rasch eingesetzt werden kann."

Der Branchenverband BREKO begrüßte in einer ersten Reaktion, dass die Bundesnetzagentur diverse Vorschläge des Verbandes, insbesondere hinsichtlich der Vectoring-Liste, aufgenommen habe. "Die Bundesnetzagentur hat wichtige Punkte des BREKO in ihrer nun vorgelegten Teilentscheidung berücksichtigt. Wir sind zuversichtlich, im weiteren Dialog mit der Bundesnetzagentur auch bislang noch problematische Themen klären zu können", erklärte BREKO-Geschäftsführer Stephan Albers am Mittwoch.

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang