News

NetSheriff: zottelmemme - Tod eines eBay-Betrügers

04.09.2003, 19:36 Uhr
Internet© rajareddy / Fotolia.com

Statt Handys verschickte er Briketts - und zahlte dafür mit dem Leben. "zottelmemme" war bereits Netzlegende als wir auf ihn aufmerksam wurden. Zahlreiche Foren feierten ihn als wohl dreistesten eBay-Betrüger aller Zeiten, schmähten oder adelten ihn für seine Nonchalance in Sachen eBay-Abzocke. Und in der Tat: So dummdreist wie er war sonst kaum einer...
zottelmemme: Wackersteine statt High Tech...
Carsten K. aus Gartow bei Lüneburg - am 17. September 2002 eröffnete er bei eBay einen Account. Sein Pseudonym: "zottelmemme". Knapp ein halbes Jahr lief alles gut. Doch wie so oft, muss auch K. irgendwann die Gier gepackt haben. Nein, nicht irgendwann - genauer gesagt am 18. Februar dieses Jahres. Da lieferte er statt des versprochenen Notebooks alles andere als technisch hochwertige Ware: Drei Steine bekam eBay-Mitglied "pedule" von "zottelmemme" frei Haus zugesandt - ein eher archaischer Gruß an unsere hochtechnisierte Welt..
Doch was anfangs noch für Unbeteiligte wie die Tat eines dummdreisten Spaßvogels aussah, entpuppte sich immer mehr zum waschechten Betrug: 12 weiteren eBayern lieferte Carsten K. über fünf Tage alles andere als die ersehnte Ware. Statt der gewünschten Digicams gabs wahlweise Holzbricketts, Wacker- oder Betonsteine. Ks. Kreativität in Sachen Brickett- und Steinhandel schienen keine Grenzen gesetzt.
zottelmemme: "In seiner Dreistigkeit zur handfesten Netzlegende"
Während die Geschädigten in die Röhre guckten und sich einen Anwalt nahmen, mauserte sich "zottelmemme" in seiner Dreistigkeit zur handfesten Netzlegende. Forumsmeldungen im ganzen Netz überschlugen sich - frei nach dem Motto: "Schaut Euch den mal an". Weblogs entwarfen Phantasie-Geschichten um die wahren Motive des Brikett-Betrügers, andere feierten ihn als "genialen Helfer zur Erringung der Weltherrschaft" - und für andere war er nur ein "ganz doller Troll"... Vorbestraft und alles andere als ein Spaßvogel...
onlinekosten.de wollte mehr über "zottelmemme" alias Carsten K. wissen und telefonierte mit Anwälten und der zuständigen Polizei. Sachbearbeiter Nogens dazu: "Die Ermittlungen laufen. K. erklärt sich für unschuldig, behauptet, beim zuständigen Versandunternehmen wären die Inhalte der Päckchen vertauscht worden. Wir müssen das noch näher prüfen." Von irgendwoher zwitscherte uns ein Vöglein, dass "zottelmemme" schon in der Vergangenheit alles andere als ein Spaßvogel gewesen sei. Vorbestraft sei er und das - sieh einer an - wegen Betruges...
Abwarten wollten wir, bis Polizei und Staatsanwaltschaft zu einem Ergebnis gekommen wären. Und telefonisch erreichen wollten wir den Brickettbetrüger auch. Leider Fehlanzeige: Wahrscheinlich wohlwissend hatte K. seine Nummer im Telefonbuch nicht eintragen lassen. Und so schoben wir den Fall "zottelmemme" immer weiter hinaus - bis jetzt, wo wir nicht mehr mit ihm reden können...
...schied in der Nacht zum 17.08.03 durch Suizid aus dem Leben!
Die Mail erreichte uns vor einigen Tagen: "Das Ermittlungsverfahren mit Az. StA Lüneburg 504 Js 9474/03 wird [...] abgeschlossen und der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Lüneburg zur weiteren Entscheidung übersandt. Der Beschuldigte Carsten K. schied in der Nacht zum 17.08.03 durch Suizid aus dem Leben."
onlinekosten.de meint:
Ein Schuldeingeständnis? - Wir wissen es nicht. Aber es scheint doch, als habe sich die "zottelmemme" selbst gerichtet - und den betrügerischen Brickettversand mit dem Leben bezahlt. Das Internet ist um eine dubiose Legende reicher - die Geschädigten um viel Geld und eBay um einen weiteren Betrüger ärmer...

(Alex Leinhos)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang