Corona-Hype vorbei

Netflix wächst im ersten Quartal 2021 nur um vier Millionen Nutzer

Im vergangenen Jahr verzeichnete Netflix einen regelrechten Nutzeransturm, dieses Jahr scheint es ganz anders zu laufen: Die eigenen Ziele wurden im ersten Quartal verfehlt, die Aktie knickt entsprechend ein.

Christoph Liedtke, 21.04.2021, 10:21 Uhr (Quelle: DPA)
Netflix Streaming© diy13 / Adobe Stock

Der Streaming-Marktführer Netflix hat angesichts mangelnder neuer Film- und Serienhits zu Jahresbeginn deutlich weniger Nutzer hinzugewonnen als erwartet. Im ersten Quartal legte die Anzahl der Abonnenten um vier Millionen auf knapp 208 Millionen zu, wie Netflix am Dienstag nach US-Börsenschluss mitteilte.

Erlöse und Gewinn steigen kräftig

Damit verfehlte der Online-Videodienst sowohl sein eigenes Ziel von rund sechs Millionen neuen Kunden als auch die Erwartungen der Wall-Street-Analysten klar. Anleger reagierten enttäuscht und ließen die Aktie nachbörslich zeitweise um mehr als zehn Prozent fallen. Dabei steigerte Netflix Erlöse und Gewinn in den drei Monaten bis Ende März kräftig. Unterm Strich verdiente das Unternehmen 1,7 Milliarden US-Dollar (1,4 Mrd. Euro) und damit rund 140 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Umsatz wuchs um 24 Prozent 7,2 Milliarden Dollar.

Doch nach dem Boom zu Beginn der Corona-Krise, der Netflix im Vorjahr Rekordergebnisse beschert hatte, flaute der Kundenandrang stark ab. Aufgrund pandemiebedingter Produktionsprobleme mangelte es zuletzt an neuen Streaming-Hits. Zudem kämpft Netflix mit wachsender Konkurrenz, so macht etwa der Hollywood-Riese Walt Disney immer stärker Druck.

Disney+ zählt bereits mehr als 100 Millionen zahlende Kunden

Disney+, der im November 2019 als Netflix-Jäger gestartete Streaming-Dienst des Micky-Maus-Konzerns, hatte im März bereits die Marke von 100 Millionen Bezahlabos geknackt. Zwar hat Netflix immer noch mehr als doppelt so viele Nutzer, doch Disney holt rasant auf und ist bislang auch noch in deutlich weniger Ländern vertreten.

Netflix ist sich des verschärften Konkurrenzkampfs durchaus bewusst und geht im Quartalsbericht ausführlich darauf ein. So heißt es etwa, der Vergleich von Abonnentenzahlen erzähle - aufgrund von Rabatten und anderen Werbeaktionen - nicht die ganze Geschichte. Ein kaum verhohlener Seitenhieb, da Disney stark auf Sonderangebote setzt.

Konkurrenz und Corona, höhere Preise und Vorgehen gegen Account-Sharing

Netflix hingegen hob im US-Heimatmarkt und anderen Regionen zuletzt die Preise an und prüfte ein strengeres Vorgehen gegen das Teilen von Passwörtern zur Mehrfachnutzung von Accounts. Das Wachstum dürfte das nicht gerade ankurbeln. Der Ausblick auf das laufende Quartal fiel mager aus - Netflix erwartet lediglich 3,2 Millionen neue Nutzer.

Ein großes Problem, das allerdings auch die Konkurrenz und weite Teile der ganzen Unterhaltungsbranche betrifft, ist die Lahmlegung von Film- und Serienproduktionen durch die Corona-Pandemie. Netflix warnte im Brief an die Aktionäre, dass erst in der zweiten Jahreshälfte wieder mit einer Flut an neuen Inhalten zu rechnen sei.

Streaming-Markt wächst weiterhin stark

Insgesamt habe der Umsatz mit den Abos von Video-on-Demand-Plattformen in Deutschland im vergangenen Jahr um 32 Prozent auf 1,57 Milliarden Euro zugelegt, heißt es in einer am Dienstag vorgelegten Studie im Auftrag der Filmförderungsanstalt (FAA). Streaming-Dienste haben demnach einen Anteil von 60 Prozent an den häuslichen Videoangeboten, gefolgt DVD/Blu-ray mit einem Anteil von 20 Prozent und dem Einzelabruf von Filmen oder Serien mit elf Prozent.

Die Home-Video-Branche 2020 verzeichnete bei einem Umsatz von 2,59 Milliarden Euro ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rechnerisch haben fast vier von zehn Deutschen im vergangenen Jahr einen Film entweder als DVD/Blu-ray oder als Einzelabruf gekauft oder für ein Streaming-Abo bezahlt. Für die Studie hatte die GfK rund 20.000 Nutzer ab 10 Jahren befragt und auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet.

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