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NetCologne will Netzausbau bis 2013 abschliessen

NetCologne wird bis Ende 2011 insgesamt rund 37.000 von 55.000 Kölner Gebäuden an das eigene Breitband-Netz anbinden. Der Kölner Provider präsentierte am Dienstag die Bilanz für 2010 und zeigte sich "sehr zufrieden". Die LTE-Konkurrenz fürchtet der neue NetCologne-Geschäftsführer Hans Konle nicht.

08.06.2011, 20:16 Uhr
netCologne© netCologne

Premiere für Hans Konle. Der ehemalige Geschäftsführer des Münchener Stadtnetzbetreibers M-Net, der Anfang Mai von der Isar an den Rhein gewechselt war und seitdem als neuer Sprecher der Geschäftsleitung des Kölner Telekommunikationsunternehmens NetCologne fungiert, präsentierte am Dienstag zusammen mit Geschäftsführer Karl-Heinz Zankel die Unternehmensbilanz für das vergangene Jahr. Dabei erläuterte Konle auch die zukünftige Ausbaustrategie.

NetCologne: "Gut behauptet" in schwierigem Marktumfeld

Mit dem Geschäftsjahr 2010 zeigt sich NetCologne sehr zufrieden. "Trotz Wirtschaftskrise und verschärfter Wettbewerbssituation haben wir unser operatives Ergebnis deutlich verbessern können", sagte Zankel. Der Gewinn vor Steuern legte um 5,7 Millionen Euro auf 16,8 Millionen Euro zu. 2010 setzte NetCologne 250 Millionen Euro um, die Investitionen erreichten 81 Millionen Euro. "Damit haben wir uns gut behauptet", sagte Zankel. Der Marktanteil des Providers am Kölner Breitbandmarkt liegt bei rund 36 Prozent. Damit ist NetCologne der führende Anbieter von breitbandigen Internetzugängen in der Domstadt. Erst dahinter folgen Unitymedia und die Deutsche Telekom. Die starke Marktposition in der Region haben die Kölner, die auch in Aachen und Düsseldorf aktiv sind, nach eigener Aussage "klar verteidigt".

Über 55.000 Anschlüsse bereits auf Basis von FTTB

NetCologne hat den seit 2006 betriebenen Aufbau eines eigenen Netzes im vergangenen Jahr unter Hochdruck fortgeführt. Zwar hatte der Internetanbieter Ende Dezember des vergangenen Jahres noch rund 280.000 Anschlüsse über die Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) der Deutschen Telekom geschaltet. Rund 91.000 Anschlüsse realisierte das Unternehmen aber bereits über das eigene Netz.

Damit versorgt NetCologne bereits 25 Prozent der Kunden über die eigene Infrastruktur. Bis zum Ende dieses Jahres soll ein Anteil von rund 30 Prozent erreicht werden. Dem Ausbau des eigenen Fibre-to-the Building (FTTB) Netzes komme dabei eine Schlüsselstellung zu. Waren Ende 2009 erst rund 36.000 Kundenanschlüsse auf FTTB-Basis realisiert, erhöhte sich ihre Anzahl bis April 2011 auf gut 55.000.


NetCologne erweitert Netz 2011 um 5.800 Gebäude

Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich im parallel aufgebauten Multikabel-Netz, eine Hybridtechnologie mit Einsatz von Glasfaser und Coaxkabeln. Ende April zählte NetCologne 51.000 Multikabel-Kundenanschlüsse nach 37.000 Ende 2009. Der Netzausbau ist in 52 Kölner Ausbaugebieten bereits vollständig abgeschlossen, in 42 weiteren Ausbaugebieten gehe der FTTB-Ausbau aktiv voran. In diesem Jahr sollen 5.800 weitere Gebäude an das Netz angeschlossen werden. Insgesamt kann NetCologne bis zum Ende dieses Jahres 10.000 Gebäude per Multikabel sowie 27.000 Gebäude per FTTB mit Breitband versorgen. Konle rechnet bis spätestens 2013 mit dem Abschluss des Netzausbaus, da der Gesamtbestand an Mehrfamilienhäusern in Köln rund 55.000 beträgt. "Keine andere Stadt kann ein Netz in der Dichte aufweisen", betont der NetCologne-Chef. Neben den Breitbandkunden zählte der Kölner Anbieter im vergangenen Jahr 28.000 Mobilfunkkunden, rund 186.000 Kunden waren an das TV-Netz angeschlossen und schauten Fernsehen über NetCologne.

Weiter auf Seite 2: NetCologne öffnet Netz für Wettbewerber - Keine Angst vor LTE-Konkurrenz

Erst im Mai hatte NetCologne die Einstiegsbandbreite für seine Internetprodukte von 6 auf 18 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) angehoben. Die Doppel-Flat 18M ist derzeit bereits ab 29,90 Euro erhältlich. Aktuell bieten die Kölner Privatkunden Surfgeschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit/s. Höhere Bandbreiten sind technisch zwar realisierbar, werden nach Ansicht von Konle von Privatkunden derzeit noch nicht benötigt. "In den nächsten Jahren reichen 100 Mbit/s locker aus", prognostiziert Konle. Tarife mit Highspeed-Internet von bis zu 1 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) stehen Geschäftskunden auf Wunsch aber bereits seit längerem zur Verfügung. Bei Bedarf will NetCologne die auf Kupfer basierenden Inhausleitungen von Kupfer auf Glasfaser umrüsten. Konle sieht kurzfristig hier jedoch noch keinen Zeitdruck für eine schnelle Umrüstung.

NetCologne öffnet Netz fürt Wettbewerber

Die NetCologne-Ausbaustrategie fußt auf drei Säulen. Zum einen soll das eigene Netz hochwertig verdichtet werden. Die Anschlussart ist dabei zweitrangig. Um auch schlecht erschlossenen Gebieten im Umland eine entsprechend schnelle Infrastruktur bieten zu können, wird NetCologne Glasfaser am Kabelverzeiger nutzen. Damit lassen sich die maximalen Bandbreiten an bisherigen ADSL-Anschlüssen von 16 Mbit/s auf VDSL-Geschwindigkeit von 50 bis 60 Mbit/s erhöhen. Das ist laut Konle ein "wirtschaftlicher Kompromiss".

Der Geschäftsführer des regionalen Telekommunikationsanbieters zeigt sich als Verfechter des "Open Access"-Gedankens. "Wir wollen unsere Netze dem gesamten Markt zur Verfügung stellen", erklärt Konle. Es solle keine Exklusivität im eigenen Netz geben. Wettbewerber wie Vodafone oder 1&1, die derzeit noch das Telekom-Netz nutzten, könnten auf das NetCologne-Netz wechseln. Zunehmende Bedeutung würden zukünftig zudem Breitbandpartnerschaften erhalten. Kommunen, vorrangig in Nordrhein-Westfalen, will NetCologne beim Breitbandausbau und Netzbetrieb mit Know-how helfen. Konkrete Verträge gebe es derzeit aber noch nicht.

Konle: "LTE ist sinnvolle Ergänzung neben dem Festnetzanschluss"

Der Anfang Juni angekündigte LTE-Ausbau der Telekom in Köln jagt NetCologne keinen Schrecken ein. Auch LTE-Netze seien nach Ansicht von Konle heute hybride Netze und benötigten auch Glasfaserinfrastrukturen. Hier könnte wiederum sein Unternehmen ins Spiel kommen und die Versorgung über das eigene Glasfasernetz anbieten. "LTE ist eine sinnvolle Ergänzung neben dem Festnetzanschluss" stellt Konle fest. Der Festnetzanschluss, der gegenüber LTE über die zehnfache Bandbreitenkapazität verfüge, werde durch den neuen Mobilfunkstandard nicht abgeschafft.

(Jörg Schamberg)

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