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NetCologne-Chef: Open Access ist lukrativ

NetCologne-Chef Hans Konle sprach sich bei der Euroforum-Jahrestagung in Köln für eine freiwillige Netzöffnung aus. Deutschland brauche Glasfaser nicht doppelt und dreifach, aber wirtschaftlich. Eine regionale Regulierung durch die Netzagentur möchte NetCologne vermeiden.

25.01.2012, 16:01 Uhr
netCologne© netCologne

Die Breitband-Zukunft gehört der schnellen Glasfaser, alleine am Ausbau und der Akzeptanz durch die Kunden hapert es noch. "Das Land braucht Glasfaser, nicht doppelt und dreifach, sondern es muss wirtschaftlich sein", sagte Hans Konle, Chef des Kölner Telekommunikationsanbieters NetCologne am Mittwoch auf der Euroforum Jahrestagung "Die Zukunft der Kabelnetze" in Köln. Die Bundesnetzagentur droht mit einer regionalen Regulierung, Konle sieht diese "Peitsche" als "echtes Schwert", dem er möglichst aus dem Weg gehen möchte. "Uns ist freiwilliger Open Access deutlich lieber."

Mehr Umsatz mit Open Access generieren

Die politischen Vorgaben zum Erreichen der Breitbandausbau-Ziele lassen sich nach Ansicht von Konle nur auf der Basis von Open Access, also einer Öffnung der Netze für alle Wettbewerber, realisieren. Doppelinvestitionen müssten verhindert werden. Dieser Ansatz bringe mehr Breitband in die Fläche, Unternehmen könnten von Synergien profitieren. Zudem rechneten sich auch Investitionen außerhalb von Metropolen. Ein wichtiger Aspekt: Open Access stellt auch eine wichtige Erlösquelle dar. Konle gibt zu, dass ein solches Modell für NetCologne attraktiv sei. "Wir wollen mehr Umsatz generieren", der mit Open Access erzielbare Umsatz sei betriebswirtschaftlich durchaus interessant.

In Köln nutzt NetCologne als Multi-Access-Carrier alle möglichen Technologien, die sich von angemieteten TAL-Leitungen über das eigene FTTB- und FTTH-Netz sowie Kabelanschlüsse erstrecke. Mit 113.000 Haushalten nutze bereits ein Drittel aller maximal erreichbaren 350.000 Haushalte Breitbandanschlüsse mit Bandbreiten von 25 bis 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Zwei Drittel greifen demnach aber noch auf den alten Kupferdraht über Telekom-Leitungen zurück.

Kein einheitlicher Preis für Bitstromzugang

Ein potentieller Bitstromzugang sei technisch über eine einzige Schnittstelle realisierbar. Es könne aber nicht ein einheitlicher Preis gelten, die TAL in Höhe von aktuell 10,08 Euro sei nur ein Orientierungspunkt. Stattdessen würde sich die Preisberechnung nach mehreren Faktoren richten. NetCologne sei in Verhandlungen mit unterschiedlichen Netzbetreibern. "Mondpreise" könnten nicht verlangt werden. Bei den Kölnern kommt ein klassisches Rabattmodell zum Einsatz: Der Preis pro Anschluss für die Wettbewerber sinkt bei Abnahme einer größeren Anzahl von Bitstromzugängen sowie bei einer längerfristigen Bindung an NetCologne. Auf dem Land gelten andere Preise als in der Metropole.

Angst vor möglicher Konkurrenz im eigenen Netz, wenn beispielsweise die Deutsche Telekom über die schnellen NetCologne-Leitungen auch ihr IPTV-Produkt Entertain anbieten kann, hat Konle nicht. Es müsse nicht unbedingt der gleiche TV-Kunde sein. Beispielsweise werden Kunden von Unitymedia mit TV versorgt, während NetCologne Internet und Telefonanschluss liefert. Erst Mitte Januar hatten NetCologne und die Telekom eine VDSL-Netzkooperation vereinbart. Dennoch bestehe bei Open Access die Gefahr, dass eigene Kunden kannibalisiert werden. "Eigene Kunden können bei Öffnung der Netze flöten gehen, aber dem müssen wir uns stellen", so der NetCologne-Chef.

(Jörg Schamberg)

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