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NetCologne bringt 100 Mbit/s ins Haus

Die Kölner kriegen Glasfaser ins Haus gelegt. Netcologne will das Netz in den nächsten 5 Jahren ausbauen und bietet so den VDSL-Plänen der Telekom Paroli.

29.03.2006, 16:25 Uhr
netCologne© netCologne

Netcologne will - wie bereits angekündigt - das eigene Glasfasernetz ausbauen und bis in die Häuser legen. Der Kölner Telco-Platzhirsch will die angeschlossenen Gebäude so mit Bandbreiten von bis zu 100 Mbit/s versorgen. Im Mai sollen die Bauarbeiten für das neue "CityNetCologne" in den ersten drei Pilotgebieten beginnen.
"FTTB"
Dabei wird die Glasfaser bis in den Keller der anzuschließenden Gebäude verlegt. Dort installierte aktive Hardware wandelt das Signal und verteilt es über das bestehende Telefonnetz im Haus in die Wohnungen. Dank der nur wenigen Meter Kupferdraht auf dem letzten Stück sollen die hohen Bandbreiten bis ins Wohnzimmer realisiert werden können.
Im Unterschied zum VDSL-Netz der Telekom mit bis zu mehreren hundert Metern Kupfer-Anschlussleitung müssem bei dieser "Fiber to the Building" (FTTB, auch "Fiber to the Basement") genannten Bauweise nur wenige Meter Kupfer überwunden werden. Das hätte bei Nutzung eines schnellen DSL-Protokolls erhebliche Vorteile. Zwar wollte Netcologne noch keine Einzelheiten zum verwendeten Verfahren nennen, das Rad werden die Kölner aber auch nicht neu erfunden haben.
Preise ab Sommer
Genaues über künftige Produkte gibt es bei Netcologne ebenfalls noch nicht. Die Vermarktung soll im Sommer starten. Bevor im Mai der erste Bagger loslegt, leistet der Anbieter noch Überzeugungsarbeit bei den Hausbesitzern. Diese müssen eine Grundstückseigentümererklärung (GEE) unterzeichnen, damit der Netzbetreiber seine Leitung durch ein Loch von rund vier Zentimeter Durchmesser in den Keller legen kann.
Kosten entstehen den Hausbesitzern keine. Im Gegenteil, so argumentiert Netcologne-Chef Werner Hanf, würde die Immobilie durch den Anschluss ans Glasfasernetz eine Aufwertung erfahren. Schließlich sei davon auszugehen, dass in absehbarer Zeit Mieter verstärkt und gezielt Wohnungen mit diesem Netzanschluss wünschen. "Mit diesem optischen Zugangsnetz, das das modernste in Europa sein wird, öffnen wir die Tür ins interaktive Multimedia-Zeitalter".
Nach den Planungen will der Provider 115.000 Gebäude im Laufe der nächsten fünf Jahre an das Glasfasernetz anschließen. Nicht angeschlossen werden Ein- oder Zweifamilienhäuser. In den ländlich strukturierten Außenbezirken mit hohem Anteil an Ein- und Zweifamilienhäusern bleibt es ruhiger. In Lövenich oder Widdersdorf wird der Bagger wohl eher selten anrücken.
Tagesbaustellen
Los geht es im Mai mit dem Belgischen Viertel in der westlichen Innenstadt, dem Dreieck um Salierring, Barbarossaplatz und Pantaleonskloster sowie dem Gebiet um die Riehler Straße nördlich des Ebertplatzes. Die Bauarbeiten sollen pro Gebäude nur einen Tag in Anspruch nehmen.
Die Zeit bis zum Beginn der Bauarbeiten möchte der Anbieter nutzen, möglichst viele Anschlussnehmer zu gewinnen. Netcologne ist zuversichtlich, dass die Pläne bei den Kölner Hausbesitzern auf "fruchtbaren Boden" fallen, wie es eine Sprecherin den Unternehmens ausdrückt. Die Resonanz von Hausbesitzern und Wohnungswirtschaft sei ermutigend. Dazu hätte sicher auch die guten Erfahrungen der Kölner Immobilienbesitzer mit Produkten wie dem Multikabel beigetragen.
Markt explodiert
200 Millionen Euro will Netcologne in den nächsten fünf Jahren für das "CityNetCologne" ausgeben. Für Werner Hanf ist das eine Investition in die Zukunft. Sein Unternehmen erwartet in den nächsten zwei bis drei Jahren eine umfassende Innovationswelle bei den Telekommunikations-Angeboten. "Der Markt für bandbreitenintensive Dienste und Anwendungen wird geradezu explodieren", orakelt der Netcologne-Boss.
Die Kölner Bürger freut es - sie werden bald die Qual der Wahl haben. Die Telekom baut in vielen Bezirken bereits fleißig am eigenen VDSL-Netz, das bis zu 50 Mbit/s in die Stadt bringen soll. In der Domstadt konkurrieren dann zwei Glasfasernetze um den Kunden, der sich als lachender Dritter erweisen dürfte. Denn letztlich wird der Preis entscheiden. Für echten Wettbewerb dürfte auf jeden Fall gesorgt sein: Netcologne muss im eigenen Netz keine TAL-Miete mehr an die Telekom zahlen. Er wird kommen, der Highspeed-Preiskrieg am Rhein.

(Volker Briegleb)

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