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Negative Bewertung: Amazon-Händler fordert 70.000 Euro Schadensersatz

Ein Händler, der über Amazon ein Fliegenschutzgitter für 22,51 Euro verkauft hat, fordert von einem unzufriedenen Kunden 70.000 Euro Schadensersatz wegen Verdienstausfall, da Amazon nach einer Beschwerde seine Präsenz bei Amazon geschlossen hat.

29.04.2014, 08:01 Uhr
Amazon© Amazon

Ein Händler, der über Amazon ein Fliegenschutzgitter für 22,51 Euro verkauft hat, fordert von einem unzufriedenen Käufer 70.000 Euro Schadensersatz. Zuvor hatte Amazon die Präsenz des Händlers nach einer Beschwerde des Kunden geschlossen, berichtet die "Augsburger Allgemeine".

Verhandlung im Juni

Die Sache fing zunächst recht harmlos an. Der Kunde war unzufrieden mit der Montageanleitung und gab (wortwörtlich) folgende Bewertung ab: "Die Lieferung erfolgte schnell. Das war das positive. In der Anleitung steht ganz klar Mann muss den Innenrahmen messen das ist falsch. Damit wird das ganze zu kurz! Die Ware selbst macht guten Stabilen Eindruck, Der Verkäufer nie wieder!"

Dem Händler platzte daraufhin offenbar der Kragen. Per E-Mail forderte er den Käufer auf, die Bewertung zu ändern oder zu löschen. Der Kunde wollte sich dies nicht gefallen lassen und beschwerte sich direkt bei Amazon über den Verkäufer. Doch der Händler legte nach und forderte per Abmahnung eine Unterlassungserklärung ein. Diesmal mit Erfolg: Der verunsicherte Käufer erklärte sich bereit, die Bewertung zu löschen, weigerte sich aber, die Anwaltskosten in Höhe von 800 Euro zu zahlen. Unterdessen sperrte Amazon dem Verkäufer das Konto. Dieser verklagte daraufhin den Kunden wegen des damit verbundenen Verdienstausfalls auf 70.000 Euro Schadensersatz. Die Verhandlung ist für Juni vor dem Landgericht Augsburg angesetzt.

Tatsachenbehauptung oder freie Meinungsäußerung?

Vor Gericht geht es nun vor allem um die Frage, ob die Bewertung des Käufers als falsche Tatsachenbehauptung anzusehen ist. Diese wäre genauso unzulässig wie eine Beleidigung. Geklärt werden muss außerdem, ob allein diese Bewertung beziehungsweise Beschwerde zur Sperrung des Amazon-Händlerkontos führte und ob im Fall einer Verurteilung der Schadensersatz richtig bemessen wurde.

Der Kölner Rechtsanwalt Christian Solmecke betont dazu in einem Blog-Beitrag, dass eine Bewertung bei Amazon aus zwei Teilen bestehe: den Sternchen und dem individuellen Text. Die Bewertung per Sternchen sei als Meinungsäußerung grundsätzlich geschützt. Falls sich Amazon bei der Sperrung des Händlers darauf bezogen habe, könnte dem Käufer kein Vorwurf gemacht werden.

(Peter Giesecke)

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