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Nachgehakt: Apple, Skype und T-Mobile

Skype für das iPhone ist da. Apple und Skype, die das Programm für das iPhone gemeinsam entwickelt haben, sind erfreut - T-Mobile weniger. Wir haben nachgefragt, wieso die Benutzung von Skype so stark eingeschränkt wird.

02.04.2009, 17:01 Uhr
Apple© Apple

Was für ein Coup. Schon lange war eine Umsetzung für das iPhone von Apple geplant, am vergangenen Dienstag war es dann endlich so weit: die beliebte Voice-over-IP-Software Skype erschien auf dem iPhone, das in Deutschland exklusiv von T-Mobile vertrieben wird. Das schmeckt T-Mobile offenbar überhaupt nicht. Schwerter rasseln.
Miteinander gegeneinander
Zwischen Apple, Skype und T-Mobile zeigt sich dem Beobachter derzeit ein Bild, das auch jeder halbinformierte Technik-Interessierte hätte formen können. Auf der einen Seite stehen Apple und Skype, die nach eigener Aussage die iPhone-Umsetzung von Skype "sehr eng zusammen entwickelt" haben, um eine bestmögliche Nutzbarkeit sicherzustellen. Sie geben sich trendy und als Innovatoren.
Auf der anderen Seite steht T-Mobile, der alt eingesessene Mobilfunkriese. Er möchte die Nutzung von Skype unterbinden, sieht nach offiziellen Aussagen seine Netzkapazitäten in Gefahr. Prekär wird die Situation, wenn man beachtet, dass zwischen Apple und T-Mobile eine enge Verbindung besteht - schließlich ist die Telekom-Tochter Exklusivpartner für das beliebte iPhone.
Wortbruch?
Man könnte jetzt sagen, Apple sei seinem Partner T-Mobile mit der Veröffentlichung von Skype in den Rücken gefallen. Ist das so? Auf Anfrage sagte Apple gegenüber der Redaktion, man habe von Vornherein klar gestellt, dass VoIP-Software früher oder später auch auf dem iPhone zu haben sein werde. Mit der Einschränkung, dass diese Software ausschließlich über WLAN nutzbar sei. Auf Anfrage sagte uns ein Sprecher von T-Mobile exakt das, was vor ein paar Tagen schon öffentlich wurde: "Der Schutz der Netz-Performance steht im Vordergrund." Der Service würde auf der einen Seite "die Übertragungsgeschwindigkeiten in dem Mobilfunknetz verlangsamen oder es überlasten, wenn Kunden per Internetverbindung über das 3G-Netz telefonierten." Zum anderen könne die Telekom bei Skype-Gesprächen nicht für dieselbe Sprachqualität garantieren, die sie für sich beanspruche. Man sehe die Gefahr, dass der "Schwarze Peter" in solchen Fällen an die Telekom vergeben würde.
WLAN belastet Mobilfunknetz?
Auf die Frage, ob das Verbot auch für Hotspots von T-Mobile gelte, antwortete man uns schwammig, dass die Vertragsbedingungen, die Voice-Over-IP-Dienste zu unterbinden, rechtlich auch für die eigenen Hotspots gelten. Soll heißen: Skype an WLAN-Hotspots von T-Mobile? - zwar möglich, aber nicht gerne gesehen und gegebenenfalls ein Kündigungsgrund.
Es scheint, als nehme die Telekom-Tochter eine gewisse Schutzhaltung ein, sobald das Wort "Skype" fällt. Die Argumentation des Unternehmens erscheint undurchsichtig, schließlich belastet die Nutzung der VoIP-Funktion an WLAN-Hotspots keineswegs die Performance des Mobilfunknetzes. Die Daten werden umgehend an das Backbone der Telekom übergeben, nehmen keinen Weg über begrenzte Mobilfunk-Kapazitäten.
Am Donnerstag schaltet sich auch der Chef-Rechtsanwalt von Skype, Robert Miller, ein. Miller fragt sich, ob es sich bei der Vorgehensweise von T-Mobile um einen Aprilscherz handele, der auf Kosten der deutschen Skype-Gemeinde ginge. Er führt aus, dass Skype für das iPhone bereits über 600.000 mal heruntergeladen worden sei und in kürzester Zeit auf Rank eins der Download-Ranglisten kletterte. Schnell stößt ihm auf, dass in Deutschland kein einziger Mobilfunkanbieter die Nutzung von VoIP-Diensten duldet. Gegen diese Vorgehensweise sei jedoch nichts zu machen, da die Regulierung hierzulande wie auch in der gesamten EU eine solche Blockadehaltung nicht verbiete.
Simpler Protektionismus?
So drängt sich dann doch der Verdacht auf, dass es sich schlicht und ergreifend um eine Selbstschutz-Aktion des magenta Riesen handelt. All dies nur, um keine wertvollen Gesprächsminuten zu verlieren? Darauf ein Telekom-Sprecher: "Dass wir Skype nicht dulden, um keine wertvollen Gesprächsminuten zu verlieren, ist nicht zutreffend. Das ist Ihre persönliche Definition." Dazu passt ein Zitat von Scott Durchslag, Leiter des operativen Geschäftes von Skype. Er sagte in einem Interview kürzlich: "Normalerweise haben Firmen Erfolg, die den Kunden geben, was die wünschen. Schlichtes Blockieren war im Geschäftsleben noch nie ein guter Rat."

(Michael Müller)

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