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Nach Undercover-Doku: Zalando verklagt RTL-Reporterin

Eine RTL-Reporterin hatte drei Monate undercover bei Zalando gearbeitet und Missstände bei den Arbeitsbedingungen dokumentiert. Nachdem ihre Tarnung aufgeflogen war, reichte Zalando laut "Handelsblatt" eine Klage gegen die Journalistin ein. Der Vorwurf: Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen.

16.04.2014, 13:46 Uhr
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Online-Shopping boomt: Viele Bundesbürger bestellen häufig per Internet bei Online-Versendern wie Amazon, Zalando & Co. Die günstigen Preise, die schnelle Lieferung und die kostenlose Rücksendung von Waren locken, doch hinter den Kulissen der Anbieter geht es knallhart zu. Im vergangenen Jahr stand beispielsweise Amazon am Pranger, eine ARD-Dokumentation hatte über die schlechten Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern berichtet. In dieser Woche strahlte RTL in der Sendung "Extra" eine Reportage über den Textilversand Zalando aus. Die RTL-Reporterin Caro Lobig hatte drei Monate undercover bei dem Unternehmen gearbeitet, am 28. März flog ihre Tarnung jedoch auf. Es kam zu einem Polizeieinsatz. Zalando geht laut einem Bericht des "Handelsblatt" nun juristisch gegen die RTL-Journalistin vor.

Zalando zeigt RTL-Journalistin an

Am 8. April sei laut Staatsanwaltschaft Erfurt eine Anzeige von Zalando gegen die Reporterin eingegangen. Das Unternehmen wirft der Journalistin Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen vor. "Wir müssen verhindern, dass unsere Prozesse und Systeme, die wir zum Teil auch selbst entwickelt haben, irgendwo auf Film verfügbar sind", zitiert das "Handelsblatt" Zalando-Sprecher Boris Radke.

Das Unternehmen kritisierte zudem die Recherchemethode: Bis zur Ausstrahlung des Beitrags habe es keine offizielle Anfrage der RTL "Extra"-Redaktion an Zalando gegeben, der Textilversender wäre bis zu diesem Zeitpunkt über die wahre Identität von Caro Lobig im Unklaren gewesen. RTL seinerseits behauptet, Zalando habe sich zu den Vorwürfen nicht äußern wollen.

RTL-Reporterin: Zalando beutet Mitarbeiter aus - Verstöße gegen das Arbeitsrecht

Lobig hatte drei Monate lang im Zalando-Logistiklager in Erfurt gearbeitet und Missstände mit versteckter Kamera dokumentiert. Unter anderem seien Mitarbeiter dem Druck von Vorgesetzten ausgesetzt gewesen und würden überwacht. Die Beschäftigten würden außerdem teils gesundheitlich bis an die Leistungsgrenze ausgebeutet. Sitzen sei generell unerwünscht, beim Einsammeln der Ware aus den Regalen in dem Logistiklager hätte die Reporterin täglich rund 15 bis 20 Kilometer zurücklegen müssen. Nach einem Kreislaufzusammenbruch hätte Zalando ihr, statt medizinische Hilfeleistung anzubieten, nur eine Verzichtserklärung vorgelegt.

Nach Angaben der Reporterin habe Zalando massiv gegen das Arbeitsrecht verstoßen. Zusammen mit Verdi reichte Lobig eine Kündigungsschutzklage ein. Es werde aber keine Wiedereinstellung oder eine finanzielle Entschädigung angestrebt. Ein erstes Treffen von Verdi-Vertretern mit Zalando habe es bereits in der vergangenen Woche gegeben. RTL werde seine Reporterin juristisch unterstützen, versicherte ein Sprecher des Senders.

Zalando bestreitet Vorwürfe

In einer am Dienstag veröffentlichten offiziellen Erklärung bestreitet Zalando die Vorwürfe. "88 Prozent unserer Mitarbeiter macht ihre Tätigkeit Spaß" heißt es dort. Einmal pro Quartal würden die Arbeitsbedingungen unabhängig vom DEKRA-Institut überprüft. Der letzte Prüfbericht hätte dem Standort Erfurt die Note 1,3 bescheinigt.

Die Kritik an den Arbeitsbedingungen bei Zalando ist nicht neu, im vergangenen Dezember hatten sich die Personal- und Logistikchefs des Unternehmens in einem Interview mit dem "Handelsblatt" zu den Vorwürfen geäußert und zugegeben "Wir sind nicht perfekt". Schon damals versprach Zalando Besserung: "Deswegen müssen wir daran arbeiten, die Belastung – lange Strecken, viel Stehen – so gut es geht abzufedern", erklärte Zalando-Personalchefin Frauke von Polier.

(Jörg Schamberg)

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