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Nach Internetausfall in Nordkorea: Spekulationen über Hacker-Angriff

Die USA und Nordkorea streiten sich heftig wegen des Hackerangriffs auf Sony Pictures. Nachdem in Nordkorea am Dienstag stundenlang das Internet ausgefallen war, wird über einen weiteren Hackerangriff spekuliert. Die USA weisen eine Verantwortung dafür zurück.

23.12.2014, 09:35 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© rajareddy / Fotolia.com

Mitten im Streit mit den USA um einen Hacker-Angriff ist das ohnehin störanfällige Internet in Nordkorea stundenlang komplett ausgefallen. Erst nach neuneinhalb Stunden seien die Verbindungen wiederhergestellt worden, schrieb die auf Internetsicherheit spezialisierte US-Analysefirma Dyn Research am Dienstag beim Kurznachrichtendienst Twitter. Die Störungen vom Montag lösten Spekulationen über einen möglichen Hacker-Angriff aus.

Nordkorea von der Internet-Landkarte "ausradiert"

Auch die südkoreanische Regierung teilte mit, das Internet in dem weitgehend isolierten Nachbarland sei stundenlang unterbrochen gewesen. Es werde überprüft, ob es sich um eine Cyber-Attacke oder einen internen Systemcheck gehandelt habe, hieß es aus Regierungskreisen in Seoul. Es habe keine Probleme mit nordkoreanischen Propaganda-Websites wie Uriminzokkiri oder Naenara gegeben, die über Server im Ausland erreichbar sind.

"Es gibt normalerweise vereinzelte Ausfälle, aber keine länger andauernden Verbindungsprobleme", sagte der leitende Mitarbeiter von Dyn Research, Doug Madory, dem US-Nachrichtensender CNN. Er wäre nicht überrascht, wenn gegen das Land eine Art Cyber-Attacke laufen würde, sagte er demnach kurz nach dem Auftreten der Internetstörungen in Nordkorea. Es sei, "als wenn Nordkorea von der globalen Landkarte des Internets ausradiert wurde", wurde Matthew Prince, Chef der Sicherheitsfirma CloudFlare, zitiert.

USA bestreiten Verantwortung für Internetausfall in Nordkorea

Einem Bericht des US-Senders NBC zufolge bestritt ein amerikanischer Regierungsvertreter entschieden, dass die Vereinigten Staaten etwas mit dem Ausfall zu tun hätten. Die USA beschuldigen das kommunistische Regime in Pjöngjang, hinter einem Hacker-Angriff auf das Filmstudio Sony Pictures zu stecken, das eine Nordkorea-Satire in die Kinos bringen wollte. Nordkorea weist dies zurück. Der Streit beider Länder hatte sich zuletzt verschärft.

Der Großteil der Bevölkerung in Nordkorea hat keinen Internetzugang. Es gibt dort aber auf das Land beschränktes, nicht öffentliches Intranet. Nach Angaben nordkoreanischer Flüchtlinge kann das Intranet nur von Regierungsbeamten, dem Militär und Universitäten genutzt werden. 

Update vom 23. Dezember, 16:50 Uhr: Weitere Spekulationen über Internetausfall in Nordkorea

Zu den Hintergründen des Internetausfalls in Nordkorea gab es am Dienstag eine Reihe weiterer Vermutungen. Eine mögliche Ursache könne ein sogenannter DDoS-Angriff sein, bei dem Server mit massenhaften Aufrufen überflutet würden, erklärten Fachleute. Eine solche Überlastung könnten auch Angreifer mit wenig Fachkenntnis verursachen. Deshalb vermutete Matthew Prince, Chef der Sicherheitsfirma CloudFlare, in einem Gespräch mit CNN, dass hinter dem Ausfall eher jugendliche Hacker als ein Land wie die USA stünden.

Die meisten Internetverbindungen Nordkoreas laufen über China und den chinesischen Anbieter Unicom. Das führte zu Spekulationen, China habe den Nachbarn vom Netz abgeschnitten - möglicherweise als eine Art Warnung nach den jüngsten Spannungen.

Die USA hatten China nach dem Sony-Hack um Hilfe beim Vorgehen gegen Nordkorea gebeten. China reagierte allerdings bisher verhalten. Außenminister Wang Yi sagte, sein Land verurteile "jegliche Formen von Cyber-Angriffen und Cyber-Terrorismus". Das macht auch einen direkten Cyber-Angriff der USA unwahrscheinlich - denn von China unbemerkt könnte dieser kaum erfolgen.

Eine weitere Möglichkeit wäre, dass Nordkorea selbst das Internet im Land abgeschaltet hat, beispielsweise um eine erwartete Attacke ins Leere laufen zu lassen. Für diese Theorie gibt es bisher keine Anhaltspunkte.

Die einfachen Bürger Nordkoreas werden von dem Netz-Blackout vermutlich nicht viel mitbekommen haben. Der Großteil der Bevölkerung hat keinen Internetzugang. Es gibt ein auf das Land begrenztes, stark eingeschränktes Netz. Nach Angaben nordkoreanischer Flüchtlinge können dieses nordkoreanische Netz nur Regierungsbeamte, das Militär und Universitäten nutzen.

(Jörg Schamberg)

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