News

N-Gage am Ende? Spiele laufen auch auf anderen Handys

12.11.2003, 20:46 Uhr
SMS schreiben© Andres Rodriguez / Fotolia.com
So schnell kann es gehen, kaum auf den Markt, fehlt dem Vorzeigehandy Nokia N-Gage die Daseinsberechtigung. Findige Programmierer haben erhältliche kommerzielle N-Gage-Spiele modifiziert, so dass sie auf jedem Handy mit Symbian OS Series 60 lauffähig sind.

Nokia hatte das N-Gage am 7.Oktober in einer Mammutaktion in einem weltweiten Launch auf den Markt gebracht. Man sagte klipp und klar, dass das Gerät kein Telefon ist, sondern eine portable Spielekonsole, mit der man auch Telefonieren, MP3s hören und Termine verwalten kann. Dazu baute man dem N-Gage einen Speicherkartenslot ein, wie zuvor einigen anderen Nokia-Handies, wie dem Nokia 3650.

Das sollte aber nur der Auftakt werden. Der erste N-Gage sollte nur ein Auftakt werden. Später sollten weitere Gamer-Handies folgen, die die N-Gage-Spieleplattform unterstützen und darauf aufbauen.

Dieser Plan könnte schneller Realität werden, als Nokia lieb ist. Faktisch ist es sogar ein großes Debakel. Hacker haben es geschafft den Kopierschutz der Spiele zu entfernen. Sie veränderten die Dateien so, dass sie nicht mehr auf das N-Gage beschränkt sind, sondern auf jedem Handy mit Symbian OS Series 60 lauffähig sind. Der Speicherkartenslot und das verwendete Standardformat halfen den Hackern dabei, die Daten auszulesen. Selbst die beim N-Gage genutzten MMC-Karten werden in allen in Frage kommenden Handies eingesetzt. So hat man ein viel schickeres Spielehandy mit besseren Telefoniereigenschaften. Genutzt werden können folgende Telefone:

  • Nokia 6600
  • Nokia 3650/3660
  • Samsung SGH-D700
  • Siemens SX1 (noch nicht erhältlich)
Problematisch ist nur die Art, wie man an die Spiele kommt. Installationsprogramm nötig

Wie bekomm ich nun das Spiel auf mein Handy? Zunächst muss genügend Platz für das Spiel verfügbar sein. Da die Spiele von Nokia auf einer MMC-Speicherkarte ausgeliefert werden, sind sie entsprechend groß.

Um die Spiele aufrufen zu können, müssen sie zunächst entpackt und installiert werden. Dazu benötigt man ein spezielles Installationsprogramm. Dieses wird mit der Karte im Telefon ausgeführt. Danach steht das Spiel als Menüoption im Telefon zur Verfügung.

Bleibt nur die Frage des Copyrights offen. Im Prinzip kann sich jeder Sonic-Fan die Vollversion des Spiels kaufen und mit der heruntergeladenen Version sein Handy füttern. Die Spiele sind im Handel zu recht horrenden Preisen, verglichen mit den normalen Java-basierten Spielen erhältlich. Kostet ein Java-Game im Download nur wenige Euro, schlägt ein N-Gage-Spiel in Preisregionen über 40 Euro fast kleine Rekorde. Im Vergleich mit den Gameboy Advance Spielen sind die Preise jedoch üblich.

Das Ende für den N-Gage?

Wie Nokia auf diese Art „Raubkopien“ reagieren wird, ist aber unklar. Verschließen sie sich der Option einer Verbreiterung des Marktes, wird im Untergrund gespielt, öffnen sie den N-Gage-Markt, wird niemand mehr das Spielehandy kaufen.

Die einzige Chance ist für Nokia die nächste Generation an Spielen. Wie bei jeder Spielekonsole verkauft sie sich allein durch Anzahl und Qualität der verfügbaren Spiele. Sind die aktuellen Games noch kaum auf die spezielle N-Gage-Hardware optimiert, können kommende Spiele derart optimiert sein, dass sie auf Fremdgeräten nur ruckelnd oder gar nicht abgespielt werden können. Das ist im Moment die einzige Möglichkeit für Nokia, das Projekt N-Gage in eine sichere Zukunft zu führen. Versagt der Strom der Spiele oder bleiben sie auf niedrigem universell kopierbaren Niveau, sieht die Zukunft noch schlechter aus, als sie durch die aktuellen Verkäufe sowieso schon sind. Denn eines zeigt der Crack – die Entbehrlichkeit eines Spielehandies.

(Thomas Köhre)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang