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MySQL will Ikea der Datenbanken werden

Oracle taugt nicht mehr zum Vorbild. MySQL will lieber so werden wie der schwedische Möbelriese Ikea.

07.10.2005, 08:40 Uhr
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Strategiewechsel bei MySQL. Der Anbieter der beliebten Datenbanksoftware will sich dem Feature-Wettkampf mit der Konkurrenz in Zukunft entziehen. Eher, so der MySQL-Boss, will man so sein wie Ikea.
Andere Ziele vor Augen
Version 5.0 sei möglicherweise das erste und letzte "Statement" von MySQL, was die Feature-Parität mit der Konkurrenz angeht, sagte Marten Mickos, MySQL-CEO. Man wolle den ständigen Kampf um die Anzahl der Parameter nicht mitmachen. Vielmehr sei man an der Gewinnung neuer Kunden interessiert und weniger an der Abwerbung von Kunden, die bisher Oracle und Co. vertrauen.
Er brachte dazu in einem Interview ein schönes Bild an, welches belegt, warum er keine Lust auf ein Kräftemessen mit Oracle hat: "Wenn du in einem Zoo arbeitest, willst du nicht derjenige sein, der die Zähne des Tigers putzen muß".
Andere Ziele vor Augen
Man sei vielmehr interessiert an den Aktionen von Ikea, Ryanair und Virgin Mobile. Da gehe es um Service, Innovation und eben die Erschließung von neuen Märkten und Kunden. Nur die Innovation bringe neuen Schub. Dabei sei Einfachheit kein Zeichen von mangelnder Raffinesse. Während es manche Datenbankhersteller schick fänden, über 3500 Parameter in ihren Datenbanken bereitzustellen, wolle MySQL lieber nur 35 anbieten und den Enduser vor allzu großer Komplexität verschonen.
Munition erhielt Mickos sinnigerweise von Oracle-Präsident Charles Phillips, der am Ende der VORTEX 2004 sagte, daß Oracle und MySQL zwar beide im "Transportgeschäft" tätig seien, Oracle aber die 747 habe und MySQL den Toyota. Mickos war ganz und gar nicht unglücklich über den Vergleich: Wie jeder weiß, ist Toyota einer der am besten aufgestellten Autobauer und nicht nur in Sachen Rendite, sondern auch in punkto Qualität führend. Und: es wurden bisher deutlich mehr Toyotas als 747 verkauft.
MySQL jetzt auch mit Stored Procedures
Von den vielen Neuerungen (u.a. Stored Procedures) sollen, so der Wunsch von Mickos, vor allem die Möglichkeiten der "Federated Storage Engine" die User begeistern. Damit wird die Anlage von lokalen Datenbanken möglich, die ihre Daten von Remoteservern beziehen. Dabei sorgten gerade die Stored Procedures für die enormen Zeitverzögerungen bei der Release. Mickos gab zu, daß man sich verschätzt habe und nun durch den Einsatz zahlreicher weiterer Manager in der Firma auf dem richtigen Weg sei - das Management sei von 150 auf 230 Personen aufgestockt worden, und das allein in diesem Jahr. Nun habe man sowohl die Kapazitäten als auch die Fähigkeiten. Die Verkaufszahlen von Produkten und Services hätten unter der Verzögerung von MySQL 5.0 nicht gelitten, so Mickos.

(Stephan Humer)

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