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MWC: Systemübergreifende App-Plattform geplant

Eine Initiative weltweit führender Mobilfunkanbieter plant einen eigenen plattformübergreifenden "App-Store" sowie einen Einheitsstandard für Apps.

15.02.2010, 14:31 Uhr
Smartphone© goodluz / Fotolia.com

Die Welt der Apps ist bisher stark fragmentiert. Fast jeder Hersteller kocht hier - je nach favorisiertem Betriebssystem – bisher sein eigenes Süppchen. Vorreiter Apple setzt auf den App Store, Google auf den Android Market, Nokia pusht seinen Ovi Store, Microsoft den Windows Marketplace und Samsung schickt Samsung Apps ins Rennen. Zwar ist das System für einige Hersteller wie Apple ein enormer Umsatzbringer; für Nutzer und Entwickler überwiegen jedoch die Nachteile. Während Handybesitzer bereits beim Kauf auf ein bestimmtes Downloadportal verpflichtet werden, stehen Entwickler stets vor der Entscheidung, mit welchem Handy-OS ihre Applikationen den meisten kommerziellen Erfolg haben werden. Folge: Erfolgreiche Plattformen werden tagtäglich mit neuen Apps versorgt, andere gehen weitgehend leer aus – und damit auch die Nutzer. Eine globale Initiative von Netzbetreibern will dieser Entwicklung auf dem Mobile World Congress 2010 ein deutliches Signal entgegen setzen. Ihr Ziel: Ein weltweit einheitliches und plattformübergreifendes Apps-Portal.
Eine Anlaufstelle für alle Entwickler
Getragen wird das unter "Wholesale Applications Community" firmierende Projekt von 24 der größten Mobilfunkunternehmen der Welt, darunter AT&T, Deutsche Telekom, Orange, Telecom Italia, Telefónica, TeliaSonera, Vodafone und China Mobile. Zusammen verfügen die beteiligten Provider über mehr als drei Milliarden Kunden – ein enormes Potenzial. Unterstützung erfährt der Zusammenschluss zudem von der Industrievereinigung GSM Association (GSMA), die global fast 800 Mobilfunkanbieter vertritt. Auch einige Handyhersteller ohne eigenes App-Geschäft wie LG, Samsung und Sony Ericsson haben ihre Unterstützung bereits zugesichert. Geplant ist eine Verkaufsplattform, die zukünftig unabhängig von Betriebssystem, Hersteller oder Gerät die zentrale Anlaufstelle für Nutzer und Entwickler von Applikationen darstellt - weltweit.
Als Grundlage soll dafür ein gemeinsamer offener App-Standard dienen, der Entwicklern eine Programmierung von systemübergreifenden Tools ermöglicht. Dieser wird die Vorgaben der bereits im Oktober gestarteten Widget-Initiative JIL ebenso berücksichtigen, wie das gleichartige Projekt BONDI der Standardisierungsallianz Open Mobile Terminal Plattform (OMTP). Innerhalb der kommenden zwölf Monate soll der neue Standard verabschiedet sein.
Hintergrund der Initiative sind vor allem die hohen Umsatzerwartungen im Wachstumsmarkt Smartphone-Apps. Das Geschäft mit den kleinen Zusatzprogrammen gilt mittlerweile bei allen beteiligten Unternehmen als äußerst gewinnträchtig - und damit zu profitabel, um es allein den bislang aktiven Herstellermonopolen zu überlassen. Das Vorbild ist auch hier Apple: Bis zu 30 Prozent der Verkaufserlöse jeder im App Store erhältlichen Bezahl-App fließen derzeit an den Betreiber aus Cupertino – enorme Einnahmen, die auch die Netzbetreiber zukünftig gern in ihren Bilanzen verbuchen würden.

(Christian Wolf)

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