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Musikindustrie über die Talsohle

Die deutsche Musikindustrie sieht nach langen Jahren der Krise die Talsohle durchschritten.

09.03.2005, 16:23 Uhr
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2004 setzte die Branche zwar erneut weniger Tonträger ab, "für 2005 erwarten wir aber eine stabile Marktentwicklung, ab 2006 dann wieder leichte Zuwächse", erklärte der Vorsitzende der deutschen Phonoverbände, Gerd Gebhardt, am Mittwoch in Berlin. Die Branche verzeichnete demnach im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang von 3,6 Prozent auf 1,75 Milliarden Euro. Der Tonträgerabsatz sank um 2,6 Prozent auf 178,5 Millionen Stück.
Deutsch rockt
Freude machten den deutschen Plattenfirmen vor allem die einheimischen Künstler: Der Anteil von Newcomern wie Wir sind Helden und Rosenstolz, aber auch den Altrockern Herbert Grönemeyer, Westernhagen und Peter Maffay an den Album-Charts übertraf laut Phonoverband die Rekordmarke von 30 Prozent. In den Single-Hitparaden stammte sogar jeder zweite Tonträger von hiesigen Gruppen und Interpreten. Um so enttäuschender sei, dass "Radioprogramme deutsche Musikkultur noch immer diskriminieren", kritisierte Gebhardt. Laut einer vom Phonoverband zitierten Erhebung des Nielsen-Instituts räumten die hundert reichweitenstärksten Radiosender deutschsprachigen Neuheiten nur knapp fünf Prozent ihres Musikprogrammes ein.
Klagewellen zeigen Wirkung
Im Kampf gegen Raubkopien vermeldeten die Musikkonzerne erste Erfolge des seit dem vergangenen Jahr gefahrenen Kurses, gezielt private Anbieter illegaler Musikdownloads im Internet zu verklagen. Die Unternehmen stellten etwa 400 Strafanzeigen; bei den abgeschlossenen Fällen zahlten die Angeklagten im Durchschnitt 4000 Euro Schadensersatz. Die Zahl der aus illegalen Internetangeboten abgerufenen Titel sank von etwa 600 Millionen im Vorjahr auf rund 382 Millionen.
Der wachsende legale Download-Musikmarkt im Internet wirkte sich ebenfalls günstig aus, auch wenn er erst 0,7 Prozent zum Gesamtumsatz der Branche beitrug. Noch immer seien kostenlose Musikkopien und illegale Internet-Angebote aber eine Bedrohung für den Markt, warnte der Phonoverband. Laut einer Befragung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) bespielten 21,2 Millionen Menschen insgesamt 304 Millionen CD-Rohlinge und 13 Millionen DVD-Rohlinge mit Musik.

(Aleksandra Leon)

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