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Musikindustrie hofft auf Internet-Umsätze

Das Internet ist für die Musikindustrie der Hoffnungsträger der Zukunft. Der Umsatzanteil von legalen Musik-Downloads konnte im vergangenen Jahr gesteigert werden. Seit Jahresbeginn wurden 15.000 Strafverfahren wegen illegaler Musik-Downloads eingeleitet.

06.04.2007, 13:03 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Der Hoffnungsträger der Musikindustrie heißt Internet. Nach Angaben des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft konnten im vergangenen Jahr die Umsätze deutlich gesteigert werden. Zugleich wurden verstärkt Maßnahmen gegen illegale Downloads angekündigt.
Fachmärkte vor Internet-Shops
Der Umsatzanteil des Internets stieg von 16,8 Prozent im Jahr 2005 auf 17,9 Prozent und ist damit der zweitwichtigste Vertriebskanal. Allein bei den Musik-Downloads wurde eine Steigerung von 40 Prozent auf 42 Millionen Euro registriert. Die Elektronikfachmärkte behalten die Spitzenposition und konnten ihren Marktanteil von 30 Prozent nahezu behaupten.
Der Umsatzrückgang bei klassischen Tonträgern konnte durch Musik-Shops im Internet bislang nicht kompensiert werden. Somit ging der Branchenumsatz im vergangenen Jahr um 2,4 Prozent auf 1,706 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr zurück. CD-Alben und Singles stellen mit 85 Prozent die Hauptumsatzträger dar. Musikvideos begeistern neun Prozent, Download und mobile Nutzung erreichen zusammen nur fünf Prozent.
186 Millionen Tonträger verkauft
Rund 186 Millionen CDs, DVDs, LPs und MCs gingen im letzten Jahr über die Ladentische. Das sind 2,7 Millionen weniger als im Vorjahr. Bei Musik-DVDs wurde hingegen ein Umsatzplus von 10,1 Prozent verzeichnet, bei CD-Alben wurden mit 149,5 Millionen rund zwei Millionen mehr verkauft als ein Jahr zuvor. Einen deutlichen Einbruch mussten CD-Singles sowie die analogen Formate LP, MC und VHS hinnehmen.
Die Zahl der illegalen Musikdownloads ist nach Angaben des Verbandes von 412 Millionen im Jahr 2005 auf 374 Millionen im abgelaufenen Jahr zurückgegangen. 2003 waren es noch etwa 600 Millionen Downloads. Das ist der niedrigste Wert, der seit der aktiven Verfolgung von illegalen Tauschbörsen im Jahr 2004 erreicht wurde. Insgesamt 31,4 Millionen Internet-Nutzer brennen Musik auf CDs und DVDs. Damit hat sich die Zahl seit der ersten Erhebung im Jahr 1999 mehr als vervierfacht.
15.000 Strafverfahren
Der Vorstand der Deutschen Phonoverbände, Michael Haentjes, will die Zahl der Strafverfahren bei Bedarf weiter erhöhen. Allein seit Jahresbeginn wurden 15.000 Verfahren eingeleitet. "Wir wollen niemanden kriminalisieren, aber die aktuelle Rechtslage zwingt uns dazu, den Weg der Strafverfahren zu gehen. Und wir wollen auch niemanden durch überzogene Schadensersatzforderungen ruinieren. Aber jedem muss klar sein, dass Internet-Piraterie kein Kavaliersdelikt ist und im Netz niemand anonym bleibt", sagt Haentjes.
Die betroffenen Musiklabels wollen Schadenersatzzahlungen für die Förderung der musikalischen Grundbildung in den Schulen einsetzen. Im kommenden Schuljahr sollen an rund 100.000 Musikstunden an 2.500 Schulen gefördert werden. Haentjes macht den dramatischen Ausfall des Musikunterrichts für das Unrechtsbewusstsein der Jugendlichen im Zusammenhang mit illegalen Downloads verantwortlich.
Zugleich setzt sich Haentjes für eine breite Debatte zum Schutz geistigen Eigentums und der rechtlichen Rahmenbedingungen für die Kreativwirtschaft ein. "Das Urheberrecht muss endlich in der digitalen Realität ankommen", fordert Haentjes. Intelligente Aufnahmesoftware, die beispielsweise das Mitschneiden von Internetradios ermöglicht, soll nach seiner Ansicht verboten werden. Der Musikkonzern EMI will nach eigenen Angaben künftig auf einen Kopierschutz weitgehend verzichten.

(Stefan Hagedorn)

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