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Musik im Internet: 70 Prozent Preisunterschied

Die Verbraucherzentrale NRW hat bei sechs großen Anbietern von Musik-Downloads einen Preisvergleich gemacht und bei den Top-10-Alben einen Unterschied von rund 53 Euro festgestellt.

15.05.2009, 15:44 Uhr
Internet© arquiplay77 / Fotolia.com

Das Geschäft mit Musik im Internet kommt immer besser in Fahrt: Im vergangenen Jahr wurden nach Schätzungen des Branchenverbandes Bitkom rund 73 Millionen Umsatz mit Musik-Downloads gemacht, eine Steigerung um fast ein Drittel zum Vorjahr. Der Musikfan kann nach Angaben des Musikindustrieverbandes IFPI in Deutschland zwischen rund zwei Dutzend Angeboten wählen. Und die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt, die Preise und Dateiformate genau zu vergleichen.
Charts im Vergleich
Sechs große Internet-Musikanbieter hat die Verbraucherzentrale genauer unter die Lupe genommen: das Telekom-Portal Musicload.de, den Apple-Music-Store mit der Software iTunes, AOL, Medion und Saturn (ähnliches Angebot wie MediaMarkt) sowie den Dienst von Amazon, der erst seit Anfang April in Deutschland verfügbar ist. Stichtag für den Preisvergleich der Top-10 aus Single- und Album-Charts war der 17. April.
Günstige Tracks bei Medion
Bei den Top-10 der Singles lagen die Preise der Einzeltracks bei drei von sechs Portalen in der Regel um einen Euro. So waren bei Amazon, iTunes und Saturn alle zehn Songs für knapp unter zehn Euro zu haben. Schnäppchenjäger wurden in diesem Fall bei Medion fündig, wo drei der Titel nur je 49 Cent kosteten. Mit einem Gesamtpreis von 8,40 Euro brachte das den Tagessieg in den Singlecharts.
Teuer wurde laut Verbraucherzentrale der Hit-Einkauf bei Musicload, wo überwiegend 1,29 Euro pro Song verlangt werden. Da das Portal obendrein für die Dauer-Nummer-Eins "Poker Face" von Lady GaGa ganze 1,79 Euro verlangt, kommen insgesamt 13,60 Euro und damit über fünf Euro mehr zusammen als bei Medion. Mit 13,40 Euro steht das Angebot von AOL dem allerdings kaum nach.
Amazon mit günstigsten Alben
Beim Kauf von Komplett-Alben werden die Unterschiede noch deutlicher. Am Testtag war Amazon der billigste Anbieter und verlangte für die zehn Top-Alben insgesamt nur 69,84 Euro. Der Newcomer bietet seit seinem Start viele Alben für knapp fünf Euro an, dauerhaft ist damit nicht unbedingt zu rechnen. Mit 20 Euro Abstand lag Medion auf Platz Zwei. Es folgten Apple und Saturn mit je 99,90 Euro knapp unter der 100er-Marke. Im Test der Verbraucherzentrale NRW stellten sich auch bei den Alben-Downloads Musicload (120,05 Euro) sowie AOL mit 122,60 Euro und somit rund 53 Euro über Amazon-Niveau als teuer heraus. Ein Preisunterschied von über 70 Prozent sollte zum genauen Vergleichen animieren.
Dateiformat beachten
An dieser Stelle lohnt ein Blick auf die vorliegenden Dateiformate. Einige Anbieter verkaufen noch immer nur eingeschränkt nutzbare (Digital Rights Management, DRM) Musikdateien im WMA-Format, andere haben auf DRM-freie MP3s umgestellt.
So können beispielsweise Songs, die bei Medion als WMA-Datei gekauft wurden, nur drei Mal auf CD und drei Mal auf portable Musikspieler übertragen werden. Auch das vergleichsweise teure Angebot von AOL stellte die Charts als WMA-Dateien zum Download, die zehn Mal gebrannt und 25 Mal kopiert werden dürfen. Immer mehr Anbieter jedoch verzichten auf Kopier- oder Brenneinschränkungen: Amazon, iTunes, Musicload und Saturn setzen auf ungeschützte MP3-Dateien.
Flatrate als Alternative
Vielhörer, die nicht unbedingt die einzelnen Songs herunterladen und behalten wollen, können auf eine sogenannte Musik-Flatrate zurückgreifen. Beispielsweise kann für einen monatlichen Pauschalpreis von 8,95 Euro bei Musicload das gesamte Archiv jederzeit angehört werden.
Beim Angebot von Napster für 9,95 Euro können die Songs sogar heruntergeladen werden. Dies gilt allerdings nur, solange die Flatrate auch bezahlt ist. Andernfalls lassen sich die bereits herunter geladenen Lieder nicht mehr abspielen. Ein ähnliches Musik-Angebot für Computer und Handy startet Vodafone am kommenden Montag.

(Michael Posdziech)

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