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Motorola Moto X – ständig am Lauschen, aber kein Überwachen

Das Moto X ist kein neues Nexus, das versucht, die technischen Werte der anderen zu toppen. Es ist eine Kombination aus Technik, Design und Personalisierung, die bisher einzigartig ist.

02.08.2013, 11:53 Uhr
Smartphone© goodluz / Fotolia.com

Zwei Jahre hat Motorola am ersten Smartphone gearbeitet, das unter der Regie von Google entwickelt wurde. Das Motorola Moto X ist allerdings kein neues Nexus, das versucht, die technischen Werte der anderen zu toppen. Es ist eine Kombination aus Technik, Design und Personalisierung, die bisher einzigartig ist. Das wiederum könnte den anderen schwer fallen zu kopieren, insbesondere Samsung.

Gute Technik, aber nicht herausragend

Auf den ersten Blick ist die Technik nicht spektakulär. Der 4,7 Zoll große AMOLED-Touchscreen zeigt 1.280 × 720 Pixel mit einer Punktdichte von 316 dpi an. Der Dual-Core-Prozessor Qualcomm Snapdragon S4Pro arbeitet mit einem Takt von 1,7 Gigahertz (GHz). Hinzu kommen zwei Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher, um die Anwendungen flüssig ausführen zu können und wahlweise ein Speicher von 16 GB oder 32 GB, um Anwendungen und persönliche Daten abzulegen. Ein Steckplatz für Speicherkarten fehlt, dafür gibt es jedoch zwei Jahre lang 50 GB bei Google Drive kostenlos dazu.

Mit dem Internetzugang sollte es keine Probleme geben, solange das Netz verfügbar ist. Über HSPA+ lassen sich Daten mit bis zu 42 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) herunterladen, in den schnelleren 4G-Netzen gelingt dies auch über LTE, zuhause per WLAN n über 2,4 GHz wie auch über 5 GHz. Bluetooth 4.0 wird in der energiesparenden Variante LE + EDR eingesetzt, ein NFC-Chip ist neben den üblichen Sensoren auch dabei.

Zwei Prozessor-Kerne, die den Unterschied machen

Auf der Rückseite befindet sich eine 10-Megapixel-Kamera, die auch HD-Videos in 1080p mit 30fps aufnehmen kann. Das Besondere ist aber die Clear-Pixel-Technik, die mehr Licht einfangen und dementsprechend bei schlechten Sichtverhältnissen bessere Bilder liefern soll. Auf der Frontseite sitzt oberhalb des Displays eine Zweitkamera für Videotelefonate mit zwei Megapixeln.

Der zweite Blick auf die Spezifikationen offenbart, dass der Dual-Core-Prozessor Teil des "Motorola X8 Mobile Computing System" ist, der insgesamt mit acht Kernen aufwartet. Dies ist ein Stück Motorola-Hardware, das in anderen Android-Smartphones nicht zu finden sein wird. Neben den zwei Prozessorkernen, die hochgetaktet sind und im normalen Betrieb genutzt werden, gibt es auch noch vier Kerne für die Grafikverarbeitung und zwei Kerne, die mit wenig Energie auskommen, aber Aufgaben übernehmen, die Google auf Softwareebene dem Moto X spendiert hat.

Ständig lauschen – aber nur auf "Okay, Google now"

Diese beiden Extra-Kerne sorgen dafür, dass das Moto X ständig auf der Hut ist, ob es als persönlicher Assistent gebraucht wird. Hier werden die Spracheingaben verarbeitet und die Sensoren im Blick behalten. Es wird dafür gesorgt, dass das Smartphone mit dem Befehl "Okay, Google now" aufwacht und die gewünschten Informationen liefert – auch nach einem langen Arbeitstag und einer Nacht in Bereitschaft auf dem Nachttisch neben dem Bett.

Da das Moto X die ganze Zeit lauscht – aber nur auf das Kommando "Okay, Google now" –, muss der Nutzer keinen Finger rühren. Wenn er morgens aufwacht, kann er auch das Moto X aufwecken, eine neue Weckzeit angeben und sich wieder auf die Seite drehen. Motorola nennt dies "Touchless Control". Neue Informationen drängen sich zudem nicht mehr auf. Sie werden dezenter auf dem Bildschirm eingeblendet und unterbrechen nicht bei dem, was man gerade tut.

Dann hat Motorola sich noch Gesten einfallen lassen, die nicht mit dem Finger auf dem Touchscreen ausgeführt werden, sondern mit dem Gerät in der Hand. Eine schnelle Drehbewegung schaltet vom Lockscreen aus die Kamera ein, sodass ein Schnappschuss in Sekundenbruchteilen gelingt.

Das Dell-Prinzip für Smartphones

Auch der Nutzer sich über ein noch schneller reagierendes Google Now freuen dürfte, den Unterschied macht dann aber letztlich doch die Hardware. Anpassungen der Software von Motorola sind auf dem Gerät kaum zu finden. Es läuft nicht einmal das gerade vorgestellte Android 4.3 darauf, sondern bloß Android 4.2.2.

Das Motorola Moto X wird in den USA aus seinen Einzelteilen zusammen gesetzt und nicht wie bisher üblich in Asien. Motorola adaptiert hier das Dell-Prinzip. Der Kunde kann bei einer Onlinebestellung zwischen mehreren Komponenten wählen, innerhalb der USA wird das Moto X dann in spätestens vier Tagen ins Haus geliefert – vorausgesetzt alle Teile sind vorrätig. Bei Nichtgefallen kann es innerhalb von 14 Tagen zurückgegeben werden.

Kein Preis, kein Termin für Europa

2.000 Kombinationen sollen möglich sein, um das Moto X individuell zu gestalten, dabei handelt es sich aber vor allem um die äußere Hülle: Front- und Rückseite in verschiedenen Farben, ebenso Akzente wie die Kamera-Einfassung. Später soll es auch ein Cover aus Holz geben. Dazu kommen noch individuelle Hintergrundbilder und die Wahl der Speichergröße. Es lässt sich sogar ein einzigartiger Schriftzug mit dem eigenen Namen aufbringen: "designed by ...".

Das Motorola Moto X wiegt 130 Gramm, misst 129 x 65 Millimeter und hat eine geschwungene Rückseite, die an der dünnsten Stelle 5,6 Millimeter und an der dicksten 10,4 Millimeter misst. Der Akku mit einer Kapazität von 2.200 Milliamperestunden soll mit einer Ladung bei durchschnittlicher Nutzung bis zu 24 Stunden durchhalten.

Das Moto X wird ab Ende August oder Anfang September in den USA, Kanada und Lateinamerika bestellt werden können, aber nur in den USA in personalisierter Form. Erste Preise wurden nur von den Mobilfunkern genannt, aus denen sich allerdings noch keine Rückschlüsse auf den Preis ohne Vertrag ziehen lassen. Ob und wann das Moto X auch in Deutschland angeboten wird, ist nicht bekannt. Um es hierzulande personalisiert anzubieten, müsste Motorola noch eine eigene Fertigung in Europa aufbauen.

(Peter Giesecke)

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