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Motorola als "Big Brother": SMS-Scan in Planung

Motorola hat Pläne zum Scannen des Inhalts von SMS. Persönliche, lokalisierte Werbung möglich. Später auch Scannen von Telefonaten. Datenschützer sind alarmiert.

01.11.2007, 13:01 Uhr
SMS© TristanBM / Fotolia.com

Der Hersteller für Mobilfunk-Hardware, Motorola, hat laut eines Berichts der Onlineausgabe der britischen Zeitung "Times" weitreichende Pläne zum Auslesen von SMS-Inhalten. Die ermittelten Daten könnten an Werbetreibende verkauft werden und diesen für lokalisierte Werbung zur Verfügung gestellt werden.
Werbung vom lokalen Restaurant zur Mittagszeit
Das geplante Szenario stellen sich die Entwickler von Motorola folgendermaßen vor: Kunden müssen zunächst ihre Zustimmung zu dieser Einschränkung ihrer Privatsphäre geben. Ihnen werden vergünstigte Optionstarife für ihr Handy angeboten. Die Kunden müssten sich dann eine spezielle Software auf ihr Handy laden, die Schlüsselwörter aus SMS auslesen kann. Eine Kurzmitteilung mit dem Inhalt "Gehen wir heute um 12 Uhr essen?" reiche aus, um nach geographischer Lokalisierung des Handynutzers eine individuelle Werbe-SMS eines örtlichen Restaurants an den hungrigen Kunden zu schicken, heiße es seitens Motorola. Gleiches lasse sich mit allen anderen Shopping-Wünschen vorstellen. Eine harmlose SMS an Freude: "Ich plane eine Urlaubsreise." Schon erhalte der gläserne Kunde Werbung des Reisebüros um die Ecke.
Datenschützer haben starke Bedenken
Dieser schönen, neuen Welt in den Planspielen von Motorola und anderer Unternehmen sehen Datenschützer und Verbraucherschutzverbände mit sehr gemischten Gefühlen entgegen. Bei den geplanten Datenauswertungen müssten die gesetzlichen Datenschutzrichtlinien befolgt werden. Außerdem sehen sie eine Bestrafung von Kunden, die sich nicht für einen dieser Optionstarife entscheiden. Diese Kunden müssten dann höhere Preise für ihre Telefonate bezahlen.
Besonders alarmiert sind die Datenschützer bei den weitergehenden Plänen der Mobilfunkunternehmen. So sei es laut Motorola auch problemlos möglich in einem weiteren Schritt Handytelefonate sprachlich auszuwerten und für die Werbung zu vermarkten. Verbraucherschutzverbände mahnen an, dass die Gesetzgebung den technischen Entwicklungen hinterherhinke.
Handywerbung hat großes Potenzial
Die Begehrlichkeiten der Werbetreibenden sind groß. Werbung über das Handy sehen Unternehmen und Werbebranche als idealen Weg um gerade auch an die junge Kundschaft herankommen zu können. Dabei wird der Markt für Handywerbung noch enorm wachsen. Branchenexperten erwarten, dass im Jahre 2011 bereits elf Milliarden US-Dollar (7,6 Milliarden Euro) für Werbung auf Mobiltelefonen ausgegeben werden.

(Jörg Schamberg)

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