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Monopolkommission: Telekom behindert VoIP

In ihrem aktuellen Gutachten spricht sich die Monopolkommission für Zurückhaltung der Regulierung bei VoIP und ein Ende der Kopplung von DSL und Telefon aus.

06.07.2006, 12:01 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

In ihrem alle zwei Jahre erscheinenden Hauptgutachten spricht sich die Monopolkommission für eine Förderung der Internet-Telefonie aus. Sie empfiehlt einerseits eine Zurückhaltung in der Regulierung von VoIP. Der Dienst befinde sich noch in der Entwicklung und es sei noch nicht absehbar, welche Geschäftsmodelle sich als existenzfähig erweisen. Jedoch sollen die Voraussetzungen für VoIP verbessert werden, so die Ansicht der Berater für Wettbewerbspolitik und Regulierung. Wesentlich ist hier ein breitbandiger Internetzugang. Hier will die Monopolkommission die T-Com in die Pflicht genommen sehen.
Kopplung muss weg
Breitband-Internet werde in Deutschland auch weiterhin vor allem über DSL bereitgestellt. Die Kopplung von DSL an Analog- oder ISDN-Telefonanschlüsse behindere allerdings die Entwicklung der Internet-Telefonie und "sollte überwunden werden", so das Gremium wörtlich. Damit alternative Anbieter DSL-Anschlüsse unabhängig von der gemieteten Teilnehmeranschlussleitung auf den Markt bringen können, solle die Telekom dazu verpflichtet werden, den Bitstrom-Zugang anzubieten. Damit teilt die Monopolkommission auch die Auffassung der Regulierungsbehörde, die bereits eine Regulierung dieses Marktes in Planung hat.
Notrufmöglichkeit muss her
Darüber hinaus sehen die unabhängigen Berater die VoIP-Anbieter aber auch in der Pflicht. Soll die Internet-Telefonie ganz offiziell als öffentlich zugänglicher Telefondienst qualifiziert werden, gelte die Verpflichtung zur Bereitstellung einer unentgeltlichen Notrufmöglichkeit. Jedoch sollen auch hier Marktzutrittsbarrieren vermieden werden: solange es technisch noch nicht möglich sei, dass Notrufe zugleich Informationen über den Standort des Anrufers übermitteln, sollte bei VoIP auf diese Anforderung verzichtet werden. Wie onlinekosten.de kürzlich berichtete, befindet sich eine entsprechende Lösung erst im Entwicklungsstadium.
VoIP-Anbieter sipgate freut sich über die Einschätzung der Monopolkommission. Man begrüße die Auffassung der Monopolkommission, Voice-over-IP nicht mit einem regulatorischen Hemmschuh zu versehen und die Entbündelung des Internet- vom Festnetzanschlusses anzustreben, heißt es in der Reaktion aus Düsseldorf. "Die von der Monopolkommission vorgeschlagene, schnelle Verfügbarkeit von Bitstrom-Zugängen, sieht sipgate als ersten Schritt in die richtige Richtung", sagt Thilo Salmon, Geschäftsführer der indigo networks GmbH. Jedoch solle die Entbündelung nicht nur auf die alternativen Netzbetreiber beschränkt bleiben, sondern auch den Telekom-Kunden zugute kommen. "Sollte dieser große Wurf gelingen, wird der deutsche TK-Markt insgesamt auf lange Sicht davon profitieren", so Salmon weiter.

(Aleksandra Leon)

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