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Mobilfunkzelle frisst Telefonzelle: Zahl sinkt weiter

Telefonzellen werden immer mehr zur Ausnahmeerscheinung. Schuld ist die flächendeckende Verbreitung von Mobiltelefonen. Dennoch kann nicht jedes Fernsprechhäuschen einfach abgebaut werden, berichtet die "Mitteldeutsche Zeitung".

12.01.2012, 18:31 Uhr (Quelle: DPA)
Datenverkehr© Julien Eichinger / Fotolia.com

Die Zahl der Telefonzellen hat sich bundesweit seit 2007 fast halbiert. Derzeit gibt es öffentliche Telefone noch an 60.000 Standorten, die Hälfte davon in Fernsprechhäuschen, sagte Jürgen Will, Sprecher der Deutschen Telekom, im Gespräch mit der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung".

Zu teuer, zu wenig Umsatz

Schuld seien vor allem die millionenfach genutzten Handys. Telefonzellen würden immer weniger frequentiert. Zusätzlich entstünden laut Will immense Extra-Kosten durch Vandalismus - etwa, wenn Silvesterböller Telefonzellen zerstören. Der Schaden bewege sich bundesweit seit Jahren auf "sehr hohem Niveau", sagte Will.

In funktionsfähigem Zustand werden pro Fernsprechhäuschen monatlich rund 100 Euro an Unterhalt fällig. Viele Standorte erwirtschaften allerdings nicht einmal mehr diesen Betrag. Fällt der Monatsumsatz unter 10 Euro prüft die Telekom den endgültigen Abbau der Zelle.

Kein Abbau ohne Zustimmung der Gemeinde

Bevor dies geschehen kann, braucht der Bonner Konzern aber die Zustimmung der jeweiligen Gemeinde - es gilt ein gesetzlicher Versorgungsauftrag. Darüber hinaus muss die Bundesnetzagentur informiert werden. Konflikte seien jedoch selten, so Will: "Das wird eher emotionslos gesehen". Sträubt sich eine Kommune gegen den Wegfall eines Standorts, wird meist ein sogenanntes Basistelefon installiert. Dieses bietet mangels Verkleidung zwar keinen Schutz vor dem Wetter und lässt sich nur bargeldlos nutzen, verursacht laut Telekom jedoch deutlich weniger Betriebskosten.

Lediglich zu Werbezwecken erfreut sich der klassische Glaskasten offenbar noch einer gewissen Beliebtheit. So hat etwa der Mobilfunk-Discounter Klarmobil.de erst kürzlich damit begonnen, in verschiedenen Universitätsstädten "Umsonstzellen" aufzustellen. Dies soll auch künftig fortgeführt werden, teilte das Unternehmen Mitte November letzten Jahres mit.

(Christian Wolf)

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