News

Mobilfunk muss billiger werden

Für Bewegung sorgt derzeit E-Plus mit seinen Discount-Töchtern. Auch das neue Familienoberhaupt bleibt dabei: Handygespräche müssen noch billiger werden.

13.06.2006, 08:00 Uhr
Handy Telefonat© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Arme Mobilfunker. Die Deutschen telefonieren zu wenig in ihren Netzen. Gerade mal 40 Minuten hängt der Durchschnittsgermane jeden Monat am Handy. Neidvoll blicken die deutschen Netzbetreiber über den großen Teich. Der Amerikaner macht mitunter das zwanzigfache an Minuten. Was läuft hier also falsch?
Maulfaule Deutsche?
T-Mobile-Chef Philipp Humm sieht einen Grund in deutscher Kommunikationsfaulheit. Die Deutschen, beklagte Humm vor einigen Tagen auf der Handelsblatt-Tagung "Telekommarkt Europa" in Bonn, wollen einfach nicht telefonieren. Doch auch Humm weiß, dass es für die Zurückhaltung deutscher Mobilfunkkunden besonders einen guten Grund gibt: Telefonieren mit dem Handy ist ihnen schlicht zu teuer.
Michael Krammer hat das begriffen: "Die Kunden fühlen sich abgezockt". Der neue E-Plus-Chef gibt die Schuld auch den zu hohen Interconnectiongebühren für die Durchleitung der Gespräche in andere Netze. Deshalb hat er sich einem Konsens der vier Netzbetreiber verweigert. Krammer wünscht sich deutlich niedrigere Gebühren. Die dürfte ihm jetzt die Bundesnetzagentur bescheren. "Wir freuen uns auf die Regulierung des Marktes", sagt Krammer.
Günstig simsen
"Die Kunden wollen vor allem telefonieren und simsen, und das so günstig und einfach wie möglich", konstatiert der E-Plus-Mann. Das können sie bei den zunehmend beliebten Discount-Marken der Düsseldorfer. Wenn das Handytelefonat seinen Luxus-Nimbus verliert, könnten immer mehr Kunden dem Festnetz ganz den Rücken kehren. Die Netzbetreiber wittern ihre Chance und wollen mit neuen Mobilfunk-DSL-Kombis ihren Kunden den Festnetzausstieg weiter erleichtern.
Doch wer billig sein will, muss Produktivität und Effizienz steigern. Krammer will die Schere nicht zuerst beim Personal ansetzen. Zuerst sollen unrentable Produkte rigoros eingestellt werden. Prominentes erstes Opfer ist i-mode - der in Japan populäre Dienst hat hierzulande nie viele Freunde gewonnen. Auch Business-Kunden will der beim österreichischen Militär ausgebildete Manager nicht mehr bevorzugt behandeln.
Doch geht es nicht nur ums Geld. Accenture-Berater Nikolaus Mohr macht auch ein strukturelles Problem für die Probleme der Branche verantwortlich. Die Mobilfunker sind zu technikgetrieben und haben zu wenig den Kunden und seine Bedürfnisse im Blick. Die Folge sind tolle neue Produkte, für die aber kein Mensch bezahlen will. Das Zufallsprodukt SMS ist ein Renner, die teure MMS nicht. Der Rest muss sich noch beweisen.
Keine Killer
Zumindest das will man bei E-Plus inzwischen verstanden haben. "Nicht alles, was technisch machbar ist, will der Kunde auch bezahlen", weiß Krammer. Auch sein neuer Arbeitgeber hat diese Erkenntnis teuer bezahlt. Die Hoffnung der Branche, mit Datendiensten das große Geld zu machen, teilt Krammer aber nicht. "Eine echte Killerapplikation auf diesem Gebiet ist nicht in Sicht". In die Datenbeschleuniger EDGE und HSDPA will er zu diesem Zeitpunkt nicht investieren.
Lieber wartet Krammer ab, ob sich eine Idee durchsetzt und als Massenmarkt etablieren kann. Dann wird auch E-Plus ein entsprechendes Produkt anbieten. "Followers-Strategie" nennt der Manager das. Sie ist Teil des neuen strategischen Gesamtkonzepts, das Kammerer dem Düsseldorfer Mobilfunker verpassen will. Dazu gehört auch die Mehrmarken-Strategie, bei der E-Plus unter den Mobilfunkern eher Leader als Follower ist. Krammer will diesen Weg konsequent fortsetzen und kündigte neue Produkte an.
Wieder Volkswagen
E-Plus setzt weiter voll auf die Discount-Strategie - und damit die Branche gehörig unter Druck. Dafür musste der ehemalige Mercedes unter den Mobilfunkern allerdings eine 180-Grad-Wende vollziehen. Die Strategie von Krammers Vorgänger Uwe Bergheim, E-Plus als Premium-Businessmarke zu etablieren, konnte die Erwartungen der Muttergesellschaft KPN nicht erfüllen.
Nachfolger Krammer rechnet nun fest damit, dass sich die Discounter nachhaltig im Markt etablieren werden, Sim-only-Produkte an Bedeutung gewinnen und teure Handysubventionen verschwinden. Seine Verkaufszahlen geben ihm Recht.

(Volker Briegleb)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang