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Mobilfunk-Dämmerung: Quo Vadis, Wikipedia?

facebook und Google haben offenbar den Sprung auf den Mobilunk-Zug geschafft. Ein weltbekannter Internet-Saurier tut sich indes noch schwer mit dem neuen Trend. Dennoch: Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos.

11.02.2014, 15:49 Uhr
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Die Zukunft ist mobil. Das ist der Trend – Hersteller von Desktop-PCs bekommen das ebenso schmerzlich zu spüren wie Anwendungen wie Google, deren Geschäftsmodell auf Internet- Anzeigen basiert. Selbst dem Social-Network-Riesen Facebook hätte der mobile Fortschritt um ein Haar das Genick gebrochen. Während das Zuckerberg-Team offenbar langsam die Kurve kriegt, könnten andere auf der Strecke bleiben. Ein Kandidat ist ein 13jähriger Web-Saurier der nicht-kommerziellen Art: Das kostenlose Online-Lexikon Wikipedia. Der Grund: Leser nutzen das Portal zwar vereinzelt mobil, aber das Herz- und Kopfstück der Seiten, die Autoren, die die Informationen liefern, illustrieren und aktualisieren, halten sich noch sehr zurück.

Wissenschaft goes Mini-Diplay

Der Führungsetage der Wikipedia Foundation bereitet das der New York Times zufolge offenbar schlaflose Nächte: Werden die Lexikon-"Brains" die neun Millionen Artikel auch auf kleinen Smartphone-Displays bearbeiten oder ist die Mobilfunk-Bewegung der Anfang vom Ende des Nachschlagewerks?

"New York Times" zufolge hat wikipedia zehn Software Entwickler beauftragt, um die Plattform für Mobilfunk-Autoren zu optimieren. Im Juli 2013 konnten Mobilfunknutzer erstmals mobil Wikipedia-Artikel editieren und schreiben. Aufgrund des relativ kleinen Budgets brauchte das auf Spenden angewiesene Portal vergleichsweise lange für seinen Aufbruch in die schöne neue Mobilfunkwelt.

Glück im Unglück: Auch die Leserschaft des Portals ist eher konservativ unterwegs. Nach Angaben der New York Times kommen erst 20 Prozent der Konsumenten über Mobilfunk, während auf anderen Portalen schon jeder zweite per mobilem Internet landet. Dass nur ein Prozent der Autoren in allen 250 Sprachen per Mobilfunk schreibt, erscheint im Vergleich nicht mehr ganz so erschreckend.

Ein möglicher Weg könnten Mini-Beiträge à la Twitter sein oder die Einführung eine Like-Buttons nach Facebook-Vorbild, um Fehler zu markieren. Auch eine Hochlade-Funktion für Bilder könnte eine Option für ein mobilffunk-freundliches Lexikon darstellen – auf Dauer aber nicht die komplexen, oft wissenschaftlichen Wikipedia-Artikel ersetzen, die die Nutzer gewöhnt sind.

Totgesagte leben länger

Aber diie Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt: Während "New York Times" zufolge im Juli nur 3.000 Mobilfunk-Nutzer mindestens eine Änderung an einem Wikipedia-Artiekl durchführten, sind es inzwischen 20.000 pro Monat. Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos, so die Macher kämpferisch: Man werde auch den Sprung in die Mobilfunk-Welt schaffen – auch wenn es dauert. Schließlich sei die Freie Online-Enzyklopädie schon mehrfach totgesagt worden.

Und es gibt noch einen zweiten Grund, warum das mobile Internet ein Trend ist, den das Portal nicht verpassen darf: Denn Mobilfunk gilt als Tor zu den Schwellenländern. Und diese zu erobern, hat sich die Wikipedia-Foundation mit der Wikipedia Zero-Kampagne auf die Fahne geschrieben. Derzeit versucht die Foundation gemeinsam mit örtlichen Mobilfunk-Provider, den Menschen dort freie Zugänge zu Wikipedia einzurichten, um ihnen Zugang zu Bildung zu ermöglichen.

(Dorothee Monreal)

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