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Mobilcom bucht ohne Aufforderung SMS-Pakete

Der Service-Provider mobilcom wählt merkwürdige Geschäftspraktiken, um den eigenen Umsatz zu steigern. Vielen Kunden wurde ein kostenpflichtiges SMS-Paket aktiviert, obwohl es überhaupt nicht beauftragt wurde. Verbraucherschützer sind empört.

16.11.2007, 14:05 Uhr
SMS schreiben© Andres Rodriguez / Fotolia.com

Die gute, alte Tagespost ist immer noch für Überraschungen gut. Das mussten in den vergangenen Tagen viele Kunden des Mobilfunk-Service-Providers mobilcom feststellen. Ihnen flatterte ein Schreiben der Mobilfunk-Marke der freenet AG ins Haus, das auf den ersten Blick positive Nachrichten mit sich brachte. Von einem "Geschenk für Sie" ist in dem Brief, der auch unserer Redaktion vorliegt, die Rede. Doch wer genauer hinschaut, stellt schnell fest, dass die eigentliche Botschaft gar nicht so positiv ist. Es lauern monatliche Mehrkosten.
Aufgebuchtes SMS-Paket
Was ist passiert? Mobilcom-Kunden erhielten einen Brief, in denen ihnen als Gratis-Bonbon 25 Frei-SMS versprochen werden. Erst bei genauerer Begutachtung des Schreibens fällt auf, dass ohne Einverständniserklärung der Kunden bereits seit dem 1. November dieses Jahres das kostenpflichtige SMS-Paket "Discount" zu dem laufenden Sprach-Tarif zugebucht wurde. Monatlich werden für dieses SMS-Paket 2,50 Euro extra fällig.
Verbraucherschützer zeigen sich über das Vorgehen von mobilcom empört und empfehlen, die möglicherweise anfallenden Kosten nicht zu akzeptieren. Carola Elbrecht vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) findet deutliche Worte und kritisiert das Schreiben scharf: "Das Vorgehen von mobilcom ist eine Unverschämtheit", sagte die Verbraucherschützerin gegenüber unserem Magazin.
Elbrecht rät, die zusätzlich anfallenden Kosten nicht zu akzeptieren, da kein wirksamer Vertrag zustande gekommen sei. Zwar gebe mobilcom die Möglichkeit, das SMS-Paket über eine kostenlose Rufnummer zu kündigen, grundsätzlich bestehe aber die Gefahr, dass Kunden den Brief als belanglose Werbung auffassen könnten. "Wenn in dem Brief schon mit Fettschrift gearbeitet wird, hätte mobilcom mindestens auch den künftig anfallenden Monatspreis deutlich kennzeichnen sollen. Dies ist jedoch nicht passiert, hier wird ordentlich getrickst", mahnt Elbrecht. Denkbar sei darüber hinaus auch, dass Kunden den Brief gar nicht erhalten. Es könne immer mal passieren, dass ein Brief verloren gehe. Der vzbv will seine Mitarbeiter auf die zu erwartenden Kundenbeschwerden entsprechend vorbereiten.
Mobilcom will Akzeptanz testen
Beim mobilcom-Mutterkonzern freenet will man unterdessen von einem fehlerhaften Verhalten nichts wissen. Eine Unternehmenssprecherin erklärte auf Anfrage: "Im Mai 2007 haben wir eine repräsentative Kundengruppe bezüglich des SMS-Discount-Paketes kontaktiert und ein sehr positives Feedback erhalten. Das Kundenfeedback hat uns dazu bewogen, eine zweite Testreihe auf den Weg zu schicken, in der wir die entsprechenden Kritikpunkte der Testkunden umgesetzt haben."
Für die neue Kampagne seien mehrere tausend Kunden ausgewählt worden, deren Nutzerprofil ergeben habe, dass das SMS-Paket eine sinnvolle, kostensparende Ergänzung darstelle.

(Hayo Lücke)

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