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Mitmach-TV joiz: Weiter Weg zur Wunschquote

Mitmach-TV soll jugendliche Fernsehmuffel an die Bildschirme holen. Der interaktive Jugendsender joiz verbindet Social Network, Fernsehgeriesel und mobiles Internet, und das seit August 2013 auch in Deutschland. Zeit für einen ersten Rückblick.

16.03.2014, 08:01 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Anterovium / Fotolia.com

Mobiles Leben, T-Spaß und Facebook & Co will der Jugendsender joiz miteinander verknüpfen. Dazu hat er im August 2013 die Schweizer Grenzen überschritten und sich mit 50 Mitarbeitern in Berlin niedergelassen. "Wahl" und "Spaß" sind seither auch hierzulande das Motto und die Namensvettern des Projektes (engl: "Choice" und "Joy"). Ein halbes Jahr drauf ziehen sie Zwischenbilanz.

"Altes" TV-Medium neu entdecken

Carsten Kollmus setzt auf neu erwachendes Interesse des jungen Publikums am alten Medium Fernsehen. Zwei Drittel der jungen Menschen zwischen 12 und 19 nutzen nach seinen Informationen den "kleinen Bildschirm", aber nicht das TV. "Das ist eine unserer Herausforderungen", so der Gesschäftsführer des Jugendsenders. Zum Jahresende will joiz einen halben Prozent Marktanteil bei den jungen Zuschauern zwischen 14 und 29 Jahren erreichen.

joiz ist ein gutes halbes Jahr in Deutschland auf Sendung - Wie lautet Ihre erste Bilanz?

Wir sind sehr zufrieden und komplett im Soll. Die Zahl unserer Zuschauer im TV haben wir zwar noch nicht vorliegen, aber wir hoffen, dass wir diese von der GfK Fernsehforschung schon bald erhalten werden. Wir sind bereits seit Oktober 2013 Mitglied und gehen davon aus, die Daten ab dem 1. April ausweisen zu können. Andere Werte, wie online oder social, sehen sehr gut aus und mit diesen arbeiten wir schon heute.

Was kümmert ein kleiner Sender wie joiz die Einschaltquoten, die nur für die großen Sendern ein Abbild der Wirklichkeit sind, aber nicht für stark auf Zielgruppen ausgerichtete Anbieter wie joiz?

Wir sind der Meinung, dass sich jeder werbefinanzierte TV-Sender dem Wettbewerb stellen muss. Hier spielen die klassischen Daten wie beispielsweise der Tausenderkontaktpreis immer noch eine große Rolle. Sie sind deswegen sowohl für uns als auch unsere Kunden wichtig.

Der Tausenderkontaktpreis sagt aus, wie viel Geld ich investieren muss, um 1.000 Menschen mit meiner Werbebotschaft zu erreichen. Er stammt aus einer Zeit, als noch keiner an Social TV denken konnte. Warum ist der noch relevant?

Den Markt der Social-TV-Sender mit einer einzigen medienübergreifenden Messgröße gibt es leider noch nicht. Der TV-Markt spielt deshalb weiterhin in unserem Geschäftsmodell eine große Rolle und deswegen müssen wir vergleichbare Messkriterien akzeptieren. Darüber hinaus liefern wir eine Vielzahl von zusätzlichen Messkennzahlen, um den Kunden unseren Erfolg zu signalisieren..

Was erzählen Sie jetzt Ihren Kunden, solange Sie noch keine verlässlichen Daten haben?

Außer den TV-Quoten weisen wir schon heute alle Messgrößen aus. Von Social Media bis zu Online und einem eigens entwickelten "User Interaction Score". Wichtig ist außerdem, dass uns die Kunden vertrauen und sagen: Wir wollen testen, was ihr macht, denn ihr bietet eine Plattform und Inhalte, die wir woanders nicht bekommen.

Wenn ich jetzt Werbekunde bei Ihnen wäre, was würden Sie mir als Erwartung für das Jahresende versprechen?

Wir wollen einen Marktanteil von 0,5 Prozent in der Zielgruppe der 14- bis 29-jährigen Zuschauer zum Ende 2014 erreichen. Die Erwartungshaltung ist seitens der Kunden aber nicht so hoch. Sie nehmen uns als medienübergreifendes Gesamtangebot wahr. Wir sind jetzt bei einer technischen Reichweite über 95 Prozent, also Vollverbreitung.

Die Konkurrenz schläft nicht: Die RTL-II-Sendung "Berlin - Tag & Nacht" hat so nebenbei mehr als drei Millionen Facebook-Freunde gewonnen.

Das hat diverse Gründe: Die Sendung gibt es länger, RTL II betreibt einen höheren Aufwand und der Sender hat mehr Marktanteil als wir. Auch bei ProSieben sticht eine einzelne Sendung wie "Circus Halligalli" hervor. Wir spielen natürlich noch in einer anderen Liga und haben noch einen Weg vor uns.

Junge Zuschauer laufen dem Fernsehen weg - ist das nicht Ihr größtes Problem und die größte Herausforderung?

Dieser Aufgabe haben wir uns gestellt und daher glauben wir an unser Konzept. Es gibt eine Studie, die Jim-Studie 2013, die sich mit dem Konsum der 12- bis 19-Jährigen beschäftigt. 66 Prozent von ihnen nutzen einen "kleinen Bildschirm" und beschäftigen sich nicht mit dem laufenden Fernsehprogramm.

Das ist eine unserer Herausforderungen. Wir wollen den großen mit dem kleinen Bildschirm verbinden. Ich sage bewusst nicht: Erster und zweiter Screen. Wir wollen die Kombination von zwei Geräten. Der Zuschauer will seinen Chat, seinen Kommentar oder sein Bild im TV sehen - das ist Social TV, wenn ich in die Sendung und in die Handlung eingreifen kann.

Vier Live-Sendungen am Vorabend bietet joiz zur Zeit - hat sich dieses Zeitfenster als zuschauerstärkstes Fenster herausgestellt, ohne dass Sie es messen können?

Ganz klares Ja. Wenn wir uns die Interaktionsraten anschauen, stellen wir fest, dass sie höher sind als zu den anderen Sendezeiten. Wir haben aber auch von Anwendern und Zuschauern anmoderierte Clipstrecken am Vormittag, die sehr gut funktionieren.

Welche sind Ihre originären deutschen Formate?

Alle unsere Formate sind lokal produzierte Eigenproduktionen. Die drei Formate "Living Room", "Noiz" und "Joizone" haben wir lediglich vom Sendungskonzept her aus der Schweiz adaptiert. Originäre, von joiz Germany entwickelte Formate sind die Kochshow "Flirtkitchen" und die Politiksendung "Jung und naiv" mit Thilo Jung, die wir aus dem Netz ins TV geholt haben. Jetzt starten wir mit der "Wardrobe Challenge" und dem Kinoformat "Cut", das es in der Schweiz so derzeit nicht gibt. Ferner meldet sich unser neuer Gastmoderator MC Fitti die nächsten Wochen von seiner USA-Reise mit seinem Format "Hood Check" und unsere Zuschauer können ihn für ihre nächste Abi-Fete zum "Abi-Crash" buchen.

Sind noch alle Moderatoren da - nicht abgeworben vom "richtigen" TV?

Ja, es sind noch alle dabei. Aber die Möglichkeit, dass Anfragen - auch von anderen Sendern - kommen, besteht. Dies ist sicherlich ein ganz normaler Prozess.

Da müssten doch so einige schwach werden angesichts der überschaubaren Honorare bei joiz?

Kann ich nicht abstreiten. Wir sind ein Start-Up. Wir machen mit wenigen Mitteln ein gutes Programm. Mit wachsender Bekanntheit werden die Moderatoren auch zunehmend externe Aufträge angeboten bekommen.

Für interaktive Liveprogramme braucht man viel Personal. Das erhöht die Kosten.

Kostensensitiv heißt ja nicht billig. Unsere Mitarbeiterzahl ist mittlerweile auf 70 Festangestellte und - je nach Event - auf ein paar Freie gestiegen. Knapp die Hälfte ist in der Produktion und Redaktion tätig. Das ist die Manpower, die wir brauchen, da wir viel live produzieren. Aber damit haben wir kalkuliert und wir liegen gut im Plan.

(Dorothee Monreal)

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