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Mit DSL-Alternativen ins Netz

Es muss nicht immer DSL sein. Auf dem Sektor der alternativen Übertragungsarten tat sich in letzter Zeit einiges. Wir zeigen auf, was sich für wen lohnt.

14.11.2005, 17:47 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Wer schnell im Internet unterwegs sein möchte, muss sich nicht unbedingt einen DSL-Anschluss legen lassen. Mittlerweile schnüren auch Provider alternativer Übertragungsarten interessante Pakete. Wir möchten aufzeigen, welche Angebote es mit der DSL-Preismacht aufnehmen können.
Schnelles TV-Kabel
Ein Breitband-Zugang über das TV-Kabel hat gegenüber DSL einige Vorteile. Die Reaktionszeiten sind geringer, die Bandbreiten vielerorts sehr viel höher. Diese Pluspunkte kommen besonders Online-Gamern und Power-Usern zu Gute. Doch auch der Normalsurfer wird mit Internet aus dem Kabel glücklich. Denn die Preise sind absolut konkurrenzfähig.
Leider kommt die Netzdigitalisierung des altmodischen TV-Analognetzes nur schleppend voran. Dabei spielen natürlich die Kosten, aber auch die komplizierten Eingentumsverhältnisse bei den Kabelnetzen eine Rolle. Der Kunde muss sich also bei seinem Kabelanbieter informieren, ob das TV-Kabel bereits digitalisiert wurde. Gute Chancen für eine positive Abfrage bieten der Raum Köln/Bonn (ish), die Ballungszentren Baden-Württembergs (Kabel BW), Hamburg (KDG), Frankfurt (iesy), Leipzig (Primacom), Berlin (blue-cable, Infocity) sowie alle übrigen Großstädte der Republik.
Angebote überblickt
Kabel Deutschland treibt den Netzausbau überregional voran. Das Internet-Angebot überzeugt: eine Flatrate mit 8,2 Mbit/s Downstream und 820 kbit/s Upstream kostet 49,89 Euro. Alternativ stehen Pakete für 19,89 Euro und 29,89 Euro bereit. Hier betragen die Empfangs- und Sendegeschwindigkeiten aber "nur" 6,2 Mbit/s / 420 kbit/s und 2,2 Mbit/s / 220 kbit/s. Für die baden-württembergische Versorgung ist Kabel BW verantwortlich. Das Unternehmen stellt maximal 20 Mbit/s Downstream zur Verfügung. Für die breite Masse hingegen empfiehlt sich die 39,90 Euro teure "4000 flat" mit vier Mbit/s Downstream. Eine Tarifübersicht gibts hier. Beim Fernsehkabel hören die leitungsgebundenen Alternativen zu xDSL schon auf. Es wird kabellos. Eine der ersten mobilen Alternativen war Internet via Satellit. Diese Technik kann in der Theorie hohe Bandbreiten realisieren. Leider sind die Übertragungsgeschwindigkeiten sehr von der Auslastung des Satelliten abhängig und somit Schwankungen unterlegen.
Nur Downstream günstig
Zudem sind die Tarife nur dann günstig, wenn keine Daten vom Nutzer direkt zum Satellit versendet werden. So genannte Ein-Wege-Systeme, die den Downstream über Satellit abwickeln, sind beispielsweise von Teles oder sat_speed inklusive Flatrate schon für 29,90 Euro respektive 44 Euro zu haben. Dafür geht der Upstream nicht direkt in die Wolken, sondern nimmt auf dem Weg zum künstlichen Himmelskörper entweder den Umweg über die Telefonleitung (ISDN/analog) oder eine Mobilfunkverbindung.
Natürlich sind die Kosten für den Upload nicht inbegriffen. Der Sat-Surfer muss also für beide Verbindungen zahlen. Wirklich attraktiv sind Ein-Wege-Systeme nur für solche, die innerhalb Europas viel unterwegs sind und nicht auf den Webzugang verzichten möchten - da die klobige Schüssel die Mobilität stark einschränkt, trifft dies wohl nur auf Wohnwagen-Reisende zu. Auch "Landeier", die in der DSL-Diaspora zuhause sind, kommen hier für vergleichsweise viel Geld zum schnellen Zugang.
Teure Zwei-Wege-Systeme
In erster Linie für Geschäftskunden ausgelegt, sind Zwei-Wege-Systeme via Satellit ein teurer Spaß. Die Einmalkosten für entsprechende Hardware betragen mehrere Tausend Euro, hinzu kommen Monatspreise von 800 Euro und mehr. Für normalverdienende Privatanwender somit absolut keine Alternative. Stark im Kommen ist der neue Funk-Standard WiMAX. Dieser ermöglicht Bandbreiten von bis zu 280 Megabit pro Sekunde auf Entfernungen von maximal 50 Kilometern. Theoretisch jedenfalls. Realistischer sind weit niedrigere Geschwindigkeiten und Entfernungen, wenn man von einem Betrieb des Funknetzes innerhalb einer Stadt ausgeht.
IP und VoIP
Das erste kommerzielle WiMAX-Netz für Privathaushalte kommt von der Deutsche Breitbanddienste GmbH (DBD) und funkt seit letzter Woche in der Bundeshauptstadt - genauer in Pankow. Nicht nur Internet sondern auch Telefonie wird mit Hilfe des neuen Funkstandards realisiert. Und das für 33,99 Euro pro Monat bei einer Übertragungsrate von 1536 / 320 kbit/s. Maximal können 3,5 Mbit/s Downstream gebucht werden - dann beträgt der Monatspreis 43,99 Euro.
Neben Pankow ist das Angebot der DBD auch in Heidelberg vertreten. Dort aktivierte man im August dieses Jahres die Sendemasten. In Kürze startet zudem der WiMAX-Feldtest von Arcor im rheinland-pfälzischen Kaiserslautern. Durch die hohe Reichweite und die DSL-ähnlichen Bandbreiten könnte WiMAX also schon bald weite Teile Deutschlands erobern. Noch hapert es an der Verfügbarkeit.
Mobil online mit UMTS
Ein Standard, der schon heute eine hohe Netzdichte vorweisen kann, ist UMTS ("Universal Mobile Telecommunications System"). Damit sind aktuell maximal 384 kbit/s Downstream und 64 kbit/s Upstream machbar. Anfang des Jahres 2006 wird jedoch das neue Merkmal HSDPA ("High Speed Downlink Packet Access") in die UMTS-Netze integriert. Dadurch verschnellern sich die Verbindungen beim Einsatz kompatibler Hardware auf bis zu 1,8 Mbit/s. Und das bei uneingeschränkter Mobilität. UMTS wird von allen Mobilfunkunternehmen angeboten. Für Privatkunden interessant sind jedoch nur die Tarife dreier Provider. Vodafone und o2 konzentrieren sich auf den Vertrieb von Zeit- und Volumentarifen, die an einem fest definierten Standort nutzbar sind. E-Plus hat als einziger Mobilfunker eine Flatrate im Angebot - diese kostet insgesamt 49,95 Euro pro Monat, ist gänzlich unbeschränkt und sogar mobil nutzbar. Da können o2 und Vodafone nicht mithalten - zumal gemunkelt wird, die E-Plus-Tochter Base bereite eine UMTS-Flat zum Discountpreis vor.
Zuhause und Surf@home
Beim derzeit kleinsten Mobilfunker o2 hat man die Auswahl zwischen 500 (19,98 Euro), 1000 (24,98 Euro) und 2000 Megabyte (31,98 Euro) Freivolumen pro Monat. Jedes weitere MB schlägt mit happigen 15 Cent zu Buche. Vodafone offeriert 5000 MB zum Preis von 29,95 Euro. Hinzu kommen noch die Gebühren für die PCMCIA-Datenkarte (6,96 Euro) oder die Talk&Web-Box (9,28 Euro plus einmalig 100 Euro).
Das UMTS-Netz von Vodafone kann die höchste Verfügbarkeit Deutschlands vorweisen. Bei o2 hingegen zeigen sich große Löcher in der Erschließung ländlicher Regionen. Das gleiche gilt für E-Plus. Steht kein UMTS-Sendemast bereit, wird auf GPRS und somit ISDN-Geschwindigkeit ausgewichen - und das ist überall dort verfügbar, wo ein Handy Empfang hat.
Wer auf Mobilität setzt, ist bei E-Plus richtig. Für die ausschließliche Heimnutzung empfehlen sich die Produkte o2 Surf@home und Vodafone Zuhause - leider bisher ohne Option auf einen Pauschalzugang. Mal sehen, was die Zukunft bringt.
Zusammengefasst
Wir fassen zusammen. Internetnutzer, die auf der Suche nach einer DSL-Alternative sind, finden diese in erster Hinsicht beim Breitbandkabel. Ist das dazu nötige Digitalnetz (noch) nicht vorhanden, war's das mit kabelgebundenem Datentransfer. "Landeiern" bleibt oft nichts anderes übrig, als auf Satelliten auszuweichen. Der Rest kann via UMTS immerhin mit fünffacher ISDN-Geschwindigkeit empfangen. Oder hoffen, dass WiMAX Breitband auch in die Diaspora bringt.

(Michael Müller)

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