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Mit dem "Schuh-Computer" im Spielcasino reich werden

Von einem "Vorläufer" zu sprechen wäre irreführend. Zumindest war der "Schuh-Computer" aber einer der ersten im Wortsinn "tragbaren" Computer. Und fast wären die Erfinder damit reich geworden. Fast.

29.05.2014, 12:01 Uhr (Quelle: DPA)
Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Es klingt wie ein Drehbuch für einen Hollywood-Film: Jahrelang tüftelten ein paar kalifornische Studenten Ende der 1970er Jahre an einem Mini-Computer, der in einen Schuh passen und sie reich machen sollte. Das Wunderwerk sollte helfen, den Lauf der Roulettekugel im Spielcasino ungefähr vorauszusagen und damit die Gewinnchancen wesentlich zu erhöhen. Jetzt ist der Schuh samt Innenleben im Paderborner Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF) zu sehen. Der Konstrukteur Doyne Farmer hat sein Werk dem Museum überlassen.

Daten per Zehenschaltung gesendet

Der Computer war in einen ausgehöhlten Herrenschuh eingebaut. Im November 1981 hatte der Rechner nach vielen technischen Problemen seine Feuertaufe im "Sundance"-Casino von Las Vegas. Späteren Schilderungen zufolge trug Farmer in seinen Schuhen den Rechner, Zehenschalter, Batterien und einen Sender. Er stoppte die Zeiten, die die Kugel im Roulette-Kessel zurücklegte.

Dann fütterte er mit den Daten über seine Zehen den Computer und sendete das Ergebnis wiederum per Zehenschaltung an seinen Freund Thomas Bass. Der hatte Vibratoren im Schuh und machte als Spieler die Einsätze.

Technische Probleme verhinderten den großen Gewinn

Zunächst schien alles glatt zu laufen, die Jetons stapelten sich vor Thomas Bass, berichtete das Museum. Dann kamen technische Probleme. Die Vibratoren vibrierten unkontrolliert, weil die elektronischen Geräte im Kasino den Funkverkehr zwischen den Schuhcomputern störten. Mit etwa 10.000 Dollar Spielgewinn traten die Computer-Freaks den Rückzug an. Angeblich wäre es ihnen zu mühsam gewesen, das System zu überarbeiten. Bass beschrieb das später in einem Buch. Ob die damaligen Studenten heute alle reich sind, wurde nicht mitgeteilt.

(Jörg Schamberg)

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