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Millionen-Schaden: Deutsche Raubkopierer verhaftet

Das Landeskriminalamt Thüringen hat zwei Männer aus Erfurt verhaftet. Sie sollen über zwei Jahre lang gewerbsmäßig mit Raubkopien über eBay und Co. gehandelt sowie mehrere Käufer betrogen haben. Der Gesamtschaden wird auf 1,7 Millionen Euro geschätzt.

28.10.2009, 17:00 Uhr
Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com

Dreistigkeit siegt oft - aber eben nicht immer. In einer konzertierten Aktion des Landeskriminalamtes Thüringen sowie der Staatsanwaltschaften in Erfurt und Mühlhausen sind am Mittwoch zwei Raubkopierer aus Erfurt festgenommen worden. Grund: Die beiden Männer sollen massenhaft Raubkopien über das Internet verkauft haben, obwohl bereits ein entsprechendes Ermittlungsverfahren gegen sie anhängig war. Zudem wird ihnen gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen. Im Rahmen der Verhaftung wurden auch zwölf Wohn- und Geschäftsräume in Erfurt, Nürnberg und Magdeburg durchsucht. Die ermittelte Gesamtschadenssumme beträgt rund 1,7 Millionen Euro.
Adobe, Corel und Microsoft
Bei der Durchsuchung wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt, darunter Computer, Speichermedien, Softwareprodukte, Konto- und Geschäftsunterlagen und rund 40.000 Euro Bargeld. Auch geringe Mengen Betäubungsmittel und zwei Schreckschusswaffen fanden die Ermittler in den Räumen der Tatverdächtigen. Diese sollen von Januar 2007 bis einschließlich Oktober 2009 über die Portale eBay, Amazon sowie ricardo.ch gefälschte hochwertige Softwareprodukte der Firmen Adobe, Corel und Microsoft verkauft haben. Unter anderem boten sie demnach die Grafikprogramme "Corel Draw Graphics Suite" und "Adobe Photoshop" sowie die Webdesign-Software "Adobe Creative Suite Web Premium" und das Betriebssystem "Microsoft Windows XP Professional" zum Kauf an. In den letzten Wochen sei allerdings keinerlei Software mehr ausgeliefert worden - trotz bereits erfolgter Zahlungen der Kunden.
Microsoft-Echtheitstests überführten die Fälscher
Auf die Spur kamen die Ermittler den beiden vorbestraften Männern allerdings nicht durch Betrugsmeldungen geprellter Kunden, sondern durch eine Strafanzeige von Microsoft im Juli 2009. Hier waren die Fälschungen der eigenen Softwareprodukte in internen Echtheitstests des sogenannten Produktidentifikationsservice (PID-Service) aufgefallen. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um industriell hergestellte Raubkopien handelte. Der Marktwert der gefälschten Software beläuft sich allein bei Microsoft auf 400.000 Euro. Programme anderer Hersteller wurden zudem als Vollversionen, bestehend aus einem echten Upgrade und bloßen Seriennummern als Basislizenz, ohne Handbuch vertrieben.
"Dieser Fall zeigt wieder deutlich, dass das Internet kein straffreier Raum ist und die Zusammenarbeit zwischen Strafverfolgungsbehörden, den Betreibern von Internetauktionshäusern und der Industrie immer öfter zum Erfolg führen", sagte der Leiter des Landeskriminalamtes Thüringen, Werner Jakstat. Auch Microsoft-Experte für Pirateriebekämpfung Joachim Rossenögger zeigte sich zufrieden mit der Festnahme. "Softwarepiraterie ist eine ernstzunehmende Straftat. Das entschlossene Vorgehen des LKA Thüringen zeigt, dass Wirtschaftskriminalität im Bereich des Urheber- und Markenrechts konsequent verfolgt werden muss", so Rosenögger.
Den Männern drohen nun bis zu fünf Jahre Haft. Zudem sind weitere Ermittlungsverfahren zu erwarten. So bezog das Duo während der gesamten Zeit Sozialleistungen vom Staat.

(Christian Wolf)

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