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Milliarden-Angebot für französischen Mobilfunk-Anbieter SFR

Im französischen Mobilfunk-Markt steht eine große Neuordnung bevor. Für die Nummer zwei SFR gibt es mindestens zwei Interessenten.

06.03.2014, 18:01 Uhr (Quelle: DPA)
Smartphone© goodluz / Fotolia.com

Der Kampf um Frankreichs zweitgrößten Mobilfunk-Anbieter SFR geht in die heiße Phase: Die ersten Angebote liegen beim Eigentümer Vivendi auf dem Tisch. Der Mischkonzern Bouygues preschte am Donnerstag vor und machte seine Milliarden-Offerte öffentlich. Der Wettbewerber Altice, Großaktionär des Kabelnetzbetreibers Numericable, ist der zweite Interessent - wenn auch die Konditionen des Gebots noch nicht offiziell sind. Der Vivendi-Aufsichtsrat will nun die beiden Angebote prüfen.

15 bis 19 Milliarden Euro geboten

Bouygues bewerte SFR - inklusive erwarteter Synergien - mit 19 Milliarden Euro, wie der Mischkonzern am Donnerstag mitteilte. Das Angebot von Altice soll dem Vernehmen nach bei 15 Milliarden Euro liegen. Bouygues bietet Vivendi 10,5 Milliarden Euro in bar. Das neue Unternehmen solle sofort an die Börse gebracht werden. Bouygues wolle Vivendi dann 46 Prozent daran anbieten. Geplant sei eine Kapitalerhöhung, an der sich Bouygues nicht beteiligen würde, sagte Finanzchef Philippe Marien. Die Kapitalmaßnahme sowie der Verkauf von Unternehmensteilen dürften nach seiner Einschätzung drei Milliarden Euro erlösen.

Die Verkäufe von Unternehmensteilen, über die mit den Kartellbehörden gesprochen werde, stellten den Fortbestand des Wettbewerbs bei der Infrastruktur sicher, erklärte Marien. Die Wettbewerbshüter dürften ein Angebot von Bouygues aufmerksam prüfen, da der Konzern bereits im Mobilfunkgeschäft aktiv ist. SFR ist nach Orange Nummer zwei auf dem Markt. Danach kommt Bouygues Telecom.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg könnte sich das Konkurrenz-Angebot von Altice aus einer Barkomponente von 11 Milliarden Euro und 3 Milliarden Euro in Numericable-Anteilen zusammensetzen. Zusätzliche 750 Millionen Euro werde das Unternehmen über eine Kapitalerhöhung beisteuern. Der Milliardär Patrick Drahi, der bei Altice und Numericable die Fäden zieht, habe bei Banken bereits Zusagen für Kredite in Höhe von 8 Milliarden Euro erhalten, hieß es laut den Kreisen. Hätte Altice Erfolg, bliebe es wohl bei vier Mobilfunkanbietern auf dem französischen Markt. SFR hat in Frankreich mit sinkenden Gewinnen zu kämpfen.

Neben Bouygues wurde auch dem Konkurrenten und Billiganbieter Illiad Interesse an SFR nachgesagt. Vivendi hatte erst kürzlich Gespräche in der Sache mit Numericable bestätigt. Früheren Presseberichten zufolge soll das Geschäft auf eine Fusion beider Unternehmen hinauslaufen, wobei Vivendi einen Minderheitsanteil behalten würde. Für Vivendi hätte ein Verkauf von SFR den Vorteil, dass sich der Konzern wie geplant auf sein Mediengeschäft rund um Fernsehen und Musik konzentrieren könnte. Zu Vivendi gehören unter anderem der weltgrößte Musikkonzern Universal Music und der Bezahlsender Canal+. Der Aufsichtsrat der Franzosen hatte ohnehin eine Aufspaltung des Konzerns in ein Medien- und in ein Telekom-Geschäft beschlossen.

(Saskia Brintrup)

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