News

Microsoft: "Windows XP gehört aufs Altenteil"

Microsoft-Manager Stephen L. Rose plädiert auf dem Windows-Blog für den schnellen Abschied des immer noch weit verbreiteten Windows XP. Doch viele Nutzer des Uralt-Systems dürften sich davon kaum beeindrucken lassen.

13.07.2011, 16:49 Uhr
Microsoft© Microsoft

"Dieses unsichere Windows gehört aufs Altenteil – es gibt längst eine bessere Alternative": Was sich wie der launige Spruch eines Linux-Enthusiasten anhört, steht so seit wenigen Tagen sinngemäß auf dem Windows Blog. Verantwortlich dafür ist in diesem Fall aber kein Witzbold mit rudimentären Hackerkenntnissen, sondern Microsoft-Manager Stephen L. Rose höchstpersönlich. Sein nachdrücklicher Appell richtet sich an Millionen von Nutzern, die weiterhin das mittlerweile über zehn Jahre alte OS Windows XP verwenden und sich dem Umstieg auf Windows 7 bislang verweigern.

Windows XP mit über 50 Prozent Marktanteil

Aktuelle Zahlen des Webanalysten Net Applications belegen, welches Absatzpotential die Redmonder dabei vor Augen haben. Obwohl Windows 7 im Vergleich zum Vorgänger Vista als Verkaufserfolg gilt und laut Microsoft-Chef Steve Ballmer bereits mehr als 400 Millionen Mal über den Ladentisch gegangen ist, lag der weltweite Marktanteil von Windows XP bei Betriebssystemen im Juni 2011 immer noch bei über 50 Prozent gegenüber 27 Prozent für Windows 7. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ging die Verbreitung von XP damit zwar um rund 11 Prozent zurück, während die aktuelle Ausgabe des Microsoft-Klassikers gleichzeitig um über 13 Prozent zulegen konnte. Dennoch wird deutlich, wie zäh der Umstieg trotz aller Kampagnen und Marketing-Aktionen verläuft.

Ginge der Prozess auch künftig in diesem Tempo weiter, würden die letzten XP-Kopien vermutlich erst Mitte 2016 ins Archiv verbannt. Zwei Jahre früher, am 8. April 2014, werden allerdings endgültig alle im Rahmen der sogenannten Extended-Phase verbliebenen aktiven Support-Leistungen für das betagte System der Bill-Gates-Ära eingestellt. Selbst kritische Schwachstellen werden dann nicht mehr mit Sicherheitsupdates geschlossen.

"Nicht mehr warten"

Vor allem für Unternehmen sei der Migrationsbeginn aufgrund der wesentlich aufwendigeren Umrüstungsphase deshalb eine Sache, die nicht mehr warten könne und nun angegangen werde müsse, so Rose. Zudem könne Windows 7 dazu beitragen, Arbeitsabläufe zu verbessern und Kosten zu sparen – in welchen Größenordnungen, soll das eigens dafür entwickelte Tool "Windows 7 ROI calculator" demonstrieren. Hilfestellung bei Planung und Durchführung bietet Microsoft darüber hinaus mit Workarounds, Videos und Schritt-für-Schritt-Anleitungen im sogenannten "Windows 7 TechCenter". Dort findet sich ebenfalls eine 90-Tage-Testversion von "Windows 7 Enterprise", die kostenfrei heruntergeladen werden kann.

Ob derlei Argumente überall auf fruchtbaren Boden fallen, bleibt derweil fraglich. Erst Ende Mai beklagte Konzernchef Ballmer laut "Wall Street Journal" heftige Umsatzeinbußen durch den hohen Anteil illegal vervielfältigter Microsoft-Software in China. Und genau dort dürfte ein hartnäckiger Kern von XP-Anwendern zu finden sein, der sich wenig um mögliche Sicherheitslücken schert. Nicht umsonst stammen rund ein Drittel der weltweit verbliebenen Nutzer des 2001 vorgestellten XP-Standard-Browsers Internet Explorer 6 ebenfalls aus dem Reich der Mitte. Auch deshalb erreicht das Uralt-Tool immer noch einen Marktanteil von mehr als 10 Prozent. Microsoft wird sich im asiatischen Raum daher deutlich mehr einfallen lassen müssen, seinen Produktabsatz zu steigern, als in den meisten westlichen Märkten. Auf diesen könnte hingegen die Ankündigung von Windows 8 für das kommende Jahr dazu führen, dass einige Interessenten die geplante Ausmusterung von Windows XP doch noch einmal nach hinten verschieben, weil sie etwa Technologie- oder Kostenvorteile erwarten.

(Christian Wolf)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang