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Microsoft und Murdoch: Allianz gegen Google

Nach einem Bericht der "Financial Times" stehen Medienmogul Rupert Murdoch und IT-Gigant Microsoft derzeit in Verhandlungen über ein neues Geschäftsmodell im Internet. Inhalt: Microsoft zahlt für Exklusiv-Inhalte bei seiner Suchmaschine Bing, während Murdoch's Nachrichtenseiten bei Google komplett aus dem Index entfernt werden.

23.11.2009, 12:41 Uhr
Google© Google

Google versus Microsoft - und bald mischt auch noch Murdoch mit: Der Kampf der Giganten könnte das Informationsangebot im Internet in zwei Teile spalten. Nachdem der australische Medienmogul Rupert Murdoch Anfang November angekündigt hatte, die Webseiten seiner Angebote für Google zu sperren, sieht er in Microsoft offenbar einen zukünftigen strategischen Partner. Nach einem Bericht der "Financial Times" (FT) verhandelt Murdoch's "News Corporation" mit dem Redmonder IT-Riesen über den exklusiven Vertrieb von Nachrichteninhalten mittels der Microsoft-Suchmaschine Bing. Dabei habe Microsoft eine finanzielle Vergütung angeboten, sollten die News-Corp-Websites im Gegenzug vollständig aus dem Google-Suchindex entfernt werden. Auch anderen Verlegern sollen in der Vergangenheit bereits entsprechende Offerten unterbreitet worden sein.
Zweiteilung des Internets
Eine offizielle Stellungnahme der beiden Unternehmen liegt nicht vor. Sollte Murdoch jedoch tatsächlich eine solche Kooperation anstreben, wäre dies womöglich der Beginn einer Teilung des World Wide Web. Denn faktisch ist im Internet nur sichtbar, was über eine Suchmaschine gefunden werden kann. Sind bestimmte Inhalte nur noch mittels Bing oder Google erreichbar, geht ein Stück Meinungspluralität und Suchkomfort verloren. Andererseits ergeben sich dadurch auch neue Einnahmequellen für die gebeutelte Zeitungs- und Verlagswirtschaft. Denn sobald ein Suchmaschinenbetreiber bereit ist, für Exklusivinhalte zu zahlen, können Nachrichtenseiten meistbietend und gewinnbringend für die Darstellung im Netz vermarktet werden.
Mögliche Vorteile für alle Beteiligten
Das Microsoft-Modell verspricht so Vorteile für alle Beteiligten: Die Nachrichten-Produzenten erhalten ein profitables Internetgeschäft ohne zwangsweise auf umstrittene Bezahlangebote setzen zu müssen, die Nutzer lesen Neuigkeiten weiterhin überwiegend kostenfrei und die Suchmaschine mit den besseren Ergebnissen wird häufiger verwendet - in diesem Fall Bing. Zwar ist ein derartiges Konzept mit hohen Kosten verbunden, jedoch entspricht es der Strategie von Microsoft-Chef Steve Balmer, Bing als ernstzunehmende Konkurrenz zu Google zu etablieren - koste es, was es wolle. Frei nach dem Motto: Guter Inhalt ist nichts ohne eine Suchmaschine, eine Suchmaschine aber ebenfalls nichts ohne guten Inhalt. Und Qualität hat ihren Preis.
Sollte der Vorstoß Schule machen, sind heftige Bieterschlachten um die hochwertigsten Informationsangebote zu erwarten. Microsoft sieht sich hier offenbar gut aufgestellt und setzt auf die Macht des eigenen Kapitals. Der Redmonder Konzern versuche den Druck auf Google zu erhöhen, für Suchinhalte zahlen zu müssen, so ein Insider in der FT. Das Kalkül: Dies könnte die Gewinne des Webgiganten schmälern und seine Position schwächen. Bei Google gibt man sich hingegen gelassen. Nachrichten seien kein wichtiges Geschäftsfeld. "Ökonomisch gesehen macht das keinen großen Teil unserer Einnahmen aus", so Matt Brittin von Google UK.

(Christian Wolf)

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