Deutschland hat noch Nachholbedarf

Merkel zur Digitalisierung: "Alle wird es irgendwann erreichen"

Im Rahmen des "Forschungsgipfel 2016" äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag zum Stand der Digitalisierung in Deutschland. Nicht nur die Politik, sondern auch Wirtschaft und Gesellschaft müssten die Digitalisierung mit vorantreiben. Merkel gibt aber zu: "Mir ist nicht ganz klar, in welchen Bereichen sind wir top".

Jörg Schamberg, 12.04.2016, 17:05 Uhr (Quelle: DPA)
Angela MerkelBundeskanzlerin Angela Merkel fordert dazu auf, die Digitalisierung voranzutreiben.© Christlich Demokratische Union Deutschlands

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat an Wirtschaft und Gesellschaft appelliert, die immer tiefer in den Alltag vordringende Digitalisierung mit positiven Gefühlen zu begleiten und voranzutreiben. "Alle wird es irgendwann erreichen", sagte sie am Dienstag beim Expertentreffen "Forschungsgipfel 2016" in Berlin. Auch die Wissenschaft müsse dabei "Mitnahme-Arbeit" leisten. So gelte es, die Einstellung der Menschen etwa zu digitalen Technologien (Big Data) oder zum Robotereinsatz zu verbessern.

Merkel will Rahmenbedingungen für Digitalisierung und Startups verbessern

Merkel betonte, "dass wir den Standort Deutschland für Startups attraktiver machen wollen, aber auch müssen". Die geringe Zahl von Internetfirmen in Deutschland sei "ein Nachteil". Auf europäischer Ebene gebe es Defizite gegenüber Asien und den USA beispielsweise wegen eines zerklüfteten Telekommunikationsmarktes.

Für die Regierung sagte die Kanzlerin zu, die Rahmenbedingungen weiter zu verbessern, etwa im Sektor automatisierte und vernetzte Mobilität. Es gebe aber schon "Verlässlichkeit der Finanzierung", man habe sich dem Ziel von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Forschung und Entwicklung "ganz gut genähert". Derzeit investiert Deutschland 2,9 Prozent des BIP - für viele Experten noch zu wenig. "Unseren Wohlstand werden wir uns nur erhalten können, wenn wir diese Innovationskraft auch weiter behalten", sagte Merkel.

Daimer-Chef Zetsche sieht Digitalisierung als größte Bereicherung seit der Erfindung des Automobils

Daimler-Chef Dieter Zetsche forderte mehr Mut von den Entscheidern in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft: "Gerade in Zeiten der digitalen Revolution gilt: Der Weg des geringsten Widerstandes ist oft der gefährlichste. Gerade jetzt haben wir ein ganzes Universum an Möglichkeiten vor uns - auch wenn manche die Digitalisierung als Bedrohung für unsere Branchen betrachten. Wir sehen sie als größte Bereicherung seit der Erfindung des Automobils."

Der "Forschungsgipfel" wurde zum zweiten Mal veranstaltet vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, der Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften und der Expertenkommission Forschung und Innovation. Diese hatte in ihrem Jahresgutachten 2016 kürzlich festgestellt, dass Deutschland etwa bei der Förderung des Wachstumssektors Serviceroboter oder bei der Nutzung digitaler Chancen für Firmen und Verwaltungen nicht optimal aufgestellt sei.

So hätten die Firmen "mit wenigen Ausnahmen in den neuen Bereichen der digitalen Wirtschaft bislang keine Stärken aufgebaut". Sorge bereite auch, "dass ein Großteil des Mittelstands den digitalen Wandel noch nicht mit der erforderlichen Intensität verfolgt".

Merkel: "Mir ist nicht ganz klar, in welchen Bereichen sind wir top"

Merkel räumte ein, dass es auch bei ihr selbst Unsicherheiten über den Status Deutschlands bei der Digitalisierung gebe. "Mir ist nicht ganz klar, in welchen Bereichen sind wir top." Als Beispiele für eine positive Entwicklung nannte sie "Industrie 4.0" - die Verzahnung industrieller Produktion mit moderner Informationstechnologie - und die deutsche High-Tech-Strategie. "Ich würde ganz einfach sagen, die Schlacht ist noch nicht geschlagen", sagte die Kanzlerin.

Der Digitalverband Bitkom verlangte einen stärkeren Fokus auf die Digitalisierung und mahnte eine entsprechende Finanzierung an. Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder sagte, im Mittelpunkt sollten Maßnahmen stehen, "die der digitalen Transformation der deutschen und europäischen Leitindustrien dienen" - jeder zweite Euro im Bereich Forschung/Entwicklung solle für Digitalisierung aufgewendet werden.

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