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meinnachbar.net: Weihnachtliche Abzocke

In einer fröhlichen Weihnachtsmail informierte die Kontaktbörse ihre Nutzer darüber, dass sie ab Ende des Monats zahlende "Premium-Kunden" werden. Und das für ganze zwei Jahre.

21.12.2007, 17:01 Uhr
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Das Schöne am Web 2.0 ist, dass es kostenlos ist. Zumindest hat man immer häufiger die Wahl, zwischen werbefinanzierten Basis-Angeboten und bezahlten Premium-Offerten. Manchmal geschieht der Wechsel von kostenlos auf kostenpflichtig aber auch im Stillen: Mit einer einzeiligen Ankündigung unter dem formulierten Wunsch für eine fröhliche Weihnachtszeit.
Zwei-Jahres-Vertrag untergeschoben
Im konkreten Fall geht es um das Kumpelnetzwerk meinnachbar.net: Bereits im September verfügte das noch junge Portal über 50.000 registrierte Mitglieder. Anfang des Monats wurde das Projekt dann an die netsolution FZE in Dubai verkauft - eine Gesellschaft, der nach Angaben von Computerbetrug.de auch die aus Verbrauchersicht umstrittene Kontaktbörse nachbarschaft24.net gehört. In einer Rundmail mit dem Titel "Fröhliche Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2008 / Änderungen der AGB" unterrichteten die neuen Betreiber die Mitglieder darüber, dass man am 29. Dezember das Gratisangebot kippen und stattdessen eine monatliche Gebühr in Höhe von neun Euro einführen wolle - halbjährlich im Voraus zu leisten, versteht sich. Doch damit nicht genug: Einen Vertrag mit mindestens zwei Jahren Laufzeit gibt es noch oben drauf. Einziger Weg, dem zu entgehen, sei eine fristgerechte Kündigung bei gleichzeitiger Löschung des Kontos. Doch bei der Flut an digitalen Weihnachtswünschen wird das Schreiben wohl bei vielen Nutzern ungelesen im Gelöscht-Ordner gelandet sein.
In dem offiziellen Portal-Blog verteidigt die netsolution FZE die Gebührenerhebung: "Neben der Investition in den Ausbau der technischen Infrastruktur sind jede Menge neue Features und Erweiterungen geplant." Gleichzeitig wurde die Kommentarfunktion der Blog-Einträge vorsichtshalber gesperrt.
Rechtlich unhaltbar
Wie Computerbetrug.de mitteilte, sei die Verbraucherschutzbehörde Bayern bereits über den Fall informiert. Der dortige Justitiar Markus Saller räumt der Abzocke 2.0 wenig Chancen ein: "Eine kostenlose Mitgliedschaft in eine kostenpflichtige umzuwandeln, ist rechtlich nicht möglich ohne Zustimmung des Kunden", teilte er dem Branchendienst unter Hinweis auf § 308 Nr. 5 BGB mit. Betroffenen Nutzern sei dennoch geraten, so schnell wie möglich ihre Kontolöschung bei meinnachbar.net zu beantragen.

(André Vatter)

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