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Meine Meinung: Buzz kann Twitter nicht toppen

Google Buzz soll Dienste von Twitter und Facebook für alle Google Mail-Nutzer direkt im E-Mail-Posteingang vereinen. Wirklich überzeugend ist der Dienst aber (noch) nicht.

11.02.2010, 12:56 Uhr
Internetnutzung© adam36 / Fotolia.com

Das soll also der Facebook- und Twitter-Killer sein? Einen Tag nach der offiziellen Vorstellung hat Google auch mich für den neuen Dienst Buzz freigeschaltet und ich sitze ebenso neugierig wie erwartungsvoll vor meinem Rechner, in der Hoffnung eine kleine Revolution in der Kurznachrichten-Kommunikation nutzen zu können. Doch was ich bei meinen ersten Nutzungsminuten auf dem Monitor sehe, sorgt für viel, aber sicher nicht für grenzenlose Begeisterung und Jubelstürme.

Auf geht's: Buzz ist gestartet
Ich gebe gerne zu, dass ich durchaus gestaunt habe, als ich Dienstagabend den Livestream zur Buzz-Präsentation bei YouTube verfolgt habe. Was mir dort versprochen wurde, klang toll. Von automatisierten Prozessen, Kommunikation in Echtzeit und der Möglichkeit, Status-Updates an persönlich zusammengestellte Gruppen zu senden, war da die Rede. Vieles davon kenne ich von Twitter und Facebook bisher nicht. Sollte es Google tatsächlich wieder einmal gelingen, mit einem neuen Dienst die Internet-Welt aufzumischen?

Meine These: Idee gut, Umsetzung eher mangelhaft. Keine Frage, der Mensch ist ein Gewohnheitstier, es braucht also eine gewisse Zeit, um alle Möglichkeiten von Google Buzz richtig zu verstehen und auch anzuwenden. Während ich mich aber beispielsweise auf Twitter und Facebook in Sachen Menüführung relativ schnell zurechtgefunden (und irgendwie auch wohl gefühlt) habe, werde ich bei Buzz den Eindruck nicht los, dass Google mit aller Macht etwas kopieren wollte, um nicht den Anschluss an die Konkurrenz zu verlieren. Zumindest in Version 1.0 fehlt es mir aber an Struktur und der notwendigen Liebe zum Detail.

Beispiel: Suche ich etwa nach Buzz-Postings zum Thema Karneval (das ist ja ganz großes Thema momentan hier im Rheinland), erhalte ich zwar einen bunten Mix an Beiträgen, chronologisch geordnet sind sie aber in der Standard-Ausgabe nicht. Das wirkt unübersichtlich und macht nicht wirklich Spaß. Gewöhnungsbedürftig ist auch die Tatsache, dass Buzz-Postings offenbar in der Länge nicht beschränkt sind. Der eigentliche Reiz eines Kurznachrichten-Dienstes geht bei Buzz so verloren. Da helfen nach meinem Geschmack auch die zum Teil direkt in die Buzz-Postings integrierten Bilder und Videos wenig.

Und auf dem iPhone?
Doch Buzz soll ja nicht nur auf dem PC oder Notebook funktionieren, sondern auch auf dem Handy. Und das macht dann schon eher Spaß. Hier kann ich auf Kartenmaterial von Google Maps in Form kleiner Sprechblasen sehen, was in meiner unmittelbaren Umgebung bei anderen Buzz-Nutzern während der letzten Stunden passiert ist. Und wenn ich mag, kann ich in diesen Status-Updates Kommentare hinterlassen oder einen "Gefällt mir"-Button drücken. Hat irgendwie ein bisschen etwas von einem Blind-Date-Charakter und ich bin gespannt, wie lange es wohl dauern wird, bis ich das erste Mal hören werde: "Wir haben uns bei Google Buzz kennen und lieben gelernt."

Eines ist unterdessen aber sicher wie das Amen in der Kirche. Google wird weiter an Buzz schrauben, um möglichst viele Nutzer (doch noch) für den Dienst begeistern zu können. Ein Erfolg dürfte sich aber nur dann einstellen, wenn vor allem eine Schnittstelle zu Facebook und Twitter geschaffen wird. Bisher ist es nur möglich, Buzz-Postings abzusetzen, die dann im persönlichen Google-Online-Profil erscheinen. Das Senden der Nachrichten an den eigenen Twitter- oder Facebook-Account funktioniert hingegen nicht.


Und noch etwas dürfte für Google zu einem Problem werden: Buzz funktioniert nur, wenn man auch eine Google Mail-Adresse nutzt. Eine Anmeldung möchten viele Internetnutzer jedoch wegen Bedenken vor der Datenkrake Google vermeiden. An zu vielen Stellen fragt der Suchmaschinenriese inzwischen persönliche Daten ab und verschafft sich so ein ziemlich genaues Bild seiner Nutzer.

Und wenn dann auch noch die Gerüchte stimmen sollten, dass Facebook an einem eigenen, umfangreichen E-Mail-Dienst arbeitet, droht Buzz zu einem Flop zu mutieren, bevor es überhaupt so richtig durchstarten konnte.

(Hayo Lücke)

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