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Media Markt und Saturn: Mit elektronischen Preisschildern gegen Amazon & Co?

Media Markt und Saturn wollen ihre Elektronikmärkte flächendeckend mit elektronischen Preisschildern ausstatten. Auf Preisschwankungen im Netz könnte so schnell reagiert werden, in der Praxis ist der Handel aber eher vorsichtig mit Preisen wie an Tankstellen.

31.01.2015, 12:01 Uhr (Quelle: DPA)
Amazon© Amazon

Gegen Internetriesen wie Amazon kommen selbst die Metro-Töchter Media Markt und Saturn nur schwer an. Doch die Elektronikmarktketten wollen zum Angriff auf die Konkurrenz im Netz blasen. Ein Ansatz soll etwa das Angebot von Rundum-Sorglos-Paketen sein. "Ein großer Teil der Smart-TVs, also der onlinefähigen Fernsehgeräte, werden bei Media Markt und Saturn gekauft. Wenn es uns gelingt, den Kunden Paketlösungen anzubieten – ihnen etwa die Geräte einzurichten –, dann kann das ein großer Wurf werden", erläuterte Metro-Chef Olaf Koch im Interview mit der "WirtschaftsWoche" (WiWo).

Media Saturn setzt auf elektronische Preisetiketten

Sieben Prozent des Umsatzes, rund 1,5 Milliarden Euro werden im Netz erwirtschaftet, dieses Jahr sollen es bereits zehn Prozent werden. Denkbar seien laut Koch mittel- bis langfristig wie im stationären Elektronikhandel 15 bis 20 Prozent.

Große Hoffnung setzen Media Markt und Saturn auf die Einführung elektronischer Preisschilder an den Regalen in den Märkten. "Wir haben elektronische Preisetiketten bereits in den neuen Standorten in Ingolstadt und wollen sie möglichst bald flächendeckend einsetzen", erklärt Koch. Neue Preise ließen sich für einen ganzen Markt dann per Knopfdruck festlegen. Auf diese Art und Weise könnten die Elektronikmarktketten auch mit schnellen Preisschwankungen im Internet mithalten.

Schwanken die Preise im Handel bald wie an Tankstellen?

Müssen Verbraucher sich also bald – wie bei Tankstellen üblich – auf mehrfache Preisänderungen am Tag einstellen? In den Niederlanden hat Media Saturn solche flexibel steuerbaren Preisschilder bereits länger im Einsatz, ändert dort nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa die Preise aber nur außerhalb der Geschäftszeiten. "Die Umstellung auf Preise, die im Tagesverlauf schwanken, wird nicht einfach", betont denn auch Marketing-Experte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU laut dpa. "Preisveränderungen nach unten sind kein Problem. Aber Preiserhöhungen unter Tage, das wäre sehr schwierig", so der Experte. Fassnacht rechnet mit weitreichenden Auswirkungen für den Einkauf im Einzelhandel in Deutschland. Die denkbaren Einsatzszenarien sind vielfältig. In Zeiten, in denen die Läden nur schwach besucht werden, könnten die Preise beispielsweise auf Knopfdruck gesenkt werden, um Kunden Anreize zu geben.

Während Media Markt und Saturn hierzulande gerade erst einmal vier Märkte mit elektronischen Preisschildern ausgestattet haben, ist der Kölner Supermarkt-Riese REWE schon weiter. Laut dpa hat REWE schon 500 seiner 3.300 Märkte auf elektronische Preisauszeichnung umgestellt. Über sieben Millionen elektronische Preisetiketten hätten die bisherigen Pappschilder abgelöst. REWE verspricht sich vor allem Effizienzgewinne, da Preisschilder nicht mehr mühsam und zeitaufwändig von Hand ausgetauscht werden müssten. Im Tagesverlauf stark schwankende Preise habe REWE dagegen nicht geplant.

(Jörg Schamberg)

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