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Media Broadcast glaubt an weiteren Erfolg von DVB-T

Auch nach dem DVB-T-Ausstieg von RTL Deutschland sieht Media Broadcast das digitale Antennen-Fernsehen auf einem guten Weg. Im Gespräch mit unserer Redaktion zeigt Media Broadcast drei Ausbauphasen auf. Zudem wird das Radio DAB+ interaktiv und erhält einen Rückkanal.

12.06.2013, 13:06 Uhr
Internet© Victoria / Fotolia.com

Anfang Juni hat die Mediengruppe RTL Deutschland die DVB-T-Verbreitung ihrer TV-Programme in Bayern gestoppt, ab 2015 werden die RTL-Programme bundesweit nicht mehr auf diesem Wege empfangbar sein. Einige kleinere Sender sind in diesem Monat ebenfalls aus dem DVB-T-Angebot verschwunden. Immerhin: ProSiebenSat.1 bleibt DVB-T treu. Wie geht es mit dem digitalen terrestrischen Fernsehen in Zukunft weiter? Unsere Redaktion sprach auf der Branchenmesse ANGA COM mit zwei Managern des Bonner Unternehmens Media Broadcast, das zahlreiche DVB-T-Sender betreut und auch das nationale Digitalradio DAB+ betreibt.

DVB-T wächst weiter

"Wir bedauern die Entscheidung von RTL", sagte Michael Moskob, Leiter Regulierung und Public Affairs bei Media Broadcast". Zugleich zeigte er sich aber optimistisch: "Wir sind vom Erfolg von DVB-T überzeugt". Die DVB-T-Verbreitung liege bundesweit inzwischen bei rund 13 Prozent, in Ballungsgebieten werden laut des Digitalisierungsberichts der Landesmedienanstalten bereits Marktanteile von bis zu 30 Prozent erreicht. Rund 3,7 Millionen Haushalte empfangen in diesen Metropolregionen das Antennen-Fernsehen per TV oder PC. DVB-T wachse auch weiterhin und sei insbesondere in Berlin stark.

Holger Meinzer, zuständig für Strategie & Business Develeopment bei Media Broadcast, sieht strategisch drei Entwicklungsphasen für die Zukunft des digitalen terrestrischen Fernsehens. In der aktuellen Phase 1 werde DVB-T noch attraktiver gemacht. Hierzu trägt beispielsweise die neue Multithek bei, die im Februar eingeführt wurde und inzwischen in zehn deutschen Ballungsräumen verfügbar ist.

Nachfolgestandard DVB-T2 wird für 2016 angepeilt

DVB-T-Nutzer erhalten über das Antennen-Fernsehen zusätzliche, auf dem Standard HbbTV-basierende Angebote, die Internet und Fernsehen verknüpfen. Ein "Red Button" auf der Fernbedienung ist nicht erforderlich, das in die elektronische Programmauswahl (EPG) integrierte Multithek-Portal erlaubt den Zugriff auf Mediatheken und Zusatzdienste wie Nachrichten, Shopping, Sport, Musik und Wetter. Erforderlich ist ein Internetzugang mit einer Bandbreite von mindestens 2 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Der Zugriff auf die Multithek ist derzeit exklusiv nur über DVB-T möglich, soll aber in Zukunft auch über weitere Übertragungswege nutzbar sein.

In einer zweiten Phase ist die bereits lange geplante Einführung von DVB-T2, dem DVB-T-Nachfolger, vorgesehen. ARD und ZDF wollen einen Marktstart bis 2016 unterstützen. In Norddeutschland habe es in den vergangenen Jahren bereits Tests von DVB-T2 gegeben. In den nächsten Monaten gehe es nun darum, Konzepte für den neuen Standard zu entwerfen. DVB-T2 erlaubt unter anderem eine effizientere Nutzung der Frequenzen und ein größeres Senderangebot. Die dritte Phase wird für 2025 angepeilt, bis dahin sollen weltweit konvergente Übertragungsstandards für das Antennen-Fernsehen etabliert sein. Hier nennt Media Broadcast FoBTV (Future of Broadcasting).

Digitalradio wird interaktiv - Rückkanal vom Radiohörer

Bewegung gibt es auch bei dem von Media Broadcast betriebenen DAB+ Multiplex. Das digitale Radio wird interaktiv. Ein zwischen den Radiosendern und den Zuhörern zwischengeschalteter Daten-Server von Media Broadcast kann über einen Rückkanal Redaktionen der Zuhörer auf das Radioprogramm erfassen.

Aufbereitete Hörerdaten wie das Umschalteverhalten, die eingestellte Lautstärke und den ungefähren Standort des Hörers lassen sich zudem an die Radiosender weiterleiten. Die Marktforschung werde durch die direkte Rückkoppelung mit den Hörern vereinfacht, Radioprogramme ließen sich auf Basis des Feedbacks entsprechend verbessern.

(Jörg Schamberg)

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